Existenzgründer im Allgäu

Spannung vor dem Allgäuer Gründerpreis: Diese fünf Teams treten im Finale um den Sieg an

Wer bekommt den Allgäuer Gründerpreis? Diese Frage klärt sich beim Finale am 14. November.

Wer bekommt den Allgäuer Gründerpreis? Diese Frage klärt sich beim Finale am 14. November.

Bild: PhilipHerzhoff

Wer bekommt den Allgäuer Gründerpreis? Diese Frage klärt sich beim Finale am 14. November.

Bild: PhilipHerzhoff

Fünf Teams stehen im Finale um den Allgäuer Gründerpreis, der am 14. November in Kempten verliehen wir. Wir stellen sie und ihre Produkte vor.
11.11.2022 | Stand: 12:05 Uhr

Der Allgäuer Gründerpreis wird am 14. November verliehen – zum neunten Mal. Bei der Veranstaltung in der Kultbox in Kempten präsentieren fünf Teams ihre Geschäftsideen und liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Sieg. Insgesamt gab es 22 Bewerbungen.

Unter dem ersten, zweiten und dritten Platz werden Geldpreise von insgesamt 12.000 Euro vergeben – gesponsert von IHK Schwaben sowie den Firmen Elobau, Allgäuer Überlandwerk, Meckatzer Löwenbräu und der Sozialbau Kempten. Der Sonderpreis für die nachhaltigste Gründungsidee ist mit 3000 Euro dotiert und wird vom Zweckverband für Abfallwirtschaft Kempten (ZAK) gestiftet. Das sind die nominierten Teams in alphabetischer Reihenfolge:

Das Clypp-Team aus Sulzberg: (von links) Edwin Sauer, Maximilian Zeyda und Hitansh Singla.
Das Clypp-Team aus Sulzberg: (von links) Edwin Sauer, Maximilian Zeyda und Hitansh Singla.
Bild: Zesavi GmbH

Clypp macht Video-Tutorials einfach und sicher

Sie bieten rasch und anschaulich Hilfe bei allen möglichen Problemen: Im Privatleben sind Video-Tutorials ein beliebtes Medium zum Lernen. Auch viele Arbeitgeber haben speziell während der Corona-Pandemie das Thema entdeckt. „Und genau da kommt Clypp ins Spiel“, sagen die Gründer Maximilian Zeyda und Edwin Sauer. Clypp ist eine Cloud-basierte Software, mit der Mitarbeiter rasch und ohne Vorkenntnisse kurze Video-Tutorials aufzeichnen, bearbeiten und auf einer firmeninternen Plattform mit Kolleginnen und Kollegen teilen können. „Clyppen statt tippen“, lautet das Motto der Gründer aus Sulzberg (Landkreis Oberallgäu). Neben der leichten Bedienbarkeit preisen sie die Sicherheit: „Die Daten sind alle geschützt und bleiben im Unternehmen“, sagt der 28-jährige Zeyda.

Die Flecs-Gründer sind (von links) Patric Scholz, Alexander Reichert, Samuel Greising.
Die Flecs-Gründer sind (von links) Patric Scholz, Alexander Reichert, Samuel Greising.
Bild: Tobias Hertle

Flecs Technologies unterstützt Maschinenhersteller

Die Idee entstand beim Feierabend-Bier unter Kollegen. Patrick Scholz, Samuel Greisinger und Alexander Reichert arbeiteten bis vor einem Jahr für ein Softwareunternehmen für Industrieautomatisierung. Mittlerweile arbeiten die Mittdreißiger Vollzeit für ihr Startup Flecs Technologies. Ihnen fiel auf: Die Installation oder Aktualisierung von Applikationen auf der Steuerung (SPS) kostet Maschinenbauer viel Zeit und Geld. Flecs mit Sitz in Friesenried (Landkreis Ostallgäu) unterstützt Maschinenhersteller dabei, Software auf ihren Maschinensteuerungen (SPS) automatisiert zu installieren und zu aktualisieren. Dadurch ließen sich bis zu 40 Prozent der Kosten bei der Entwicklung und Wartung einsparen. „Die Idee hat sofort eingeschlagen“, erzählt Samuel Greisinger über die Reaktionen.

Das Team von Liinu besteht aus (von links) Simon Knittel, Kilian Wimmer und Luisa Hausmann.
Das Team von Liinu besteht aus (von links) Simon Knittel, Kilian Wimmer und Luisa Hausmann.
Bild: Liinu GmbH

Liinu erfreut Kinder als akustisches Puzzle Wenn Kinder mit Spaß dank seiner Erfindung lernen, ist Kilian Wimmer glücklich. Der 33-jährige Physiker, Software-Entwickler und Papa einer kleinen Tochter bringt mit der „Liinu Audio Box“ die Bereiche Hören und Spielen zusammen. Damit schuf er zusammen mit Simon Knittel und Luisa Hausmann ein neuartiges Lernumfeld. „Die Box fragt das Kind zum Beispiel: Welches Tier macht Wau? Das Kind kann dann aus verschiedenen Chipkarten eine Antwort heraussuchen und zur Prüfung auf die Box legen.“ Die interaktiven Möglichkeiten können dem Alter und Lernerfolg entsprechend eingesetzt. So könnten Vier-bis Siebenjährige Rechenaufgaben lösen oder Achtjährige bis Elfjährige erste Vokabeln lernen, sind die Jungunternehmer aus Obergünzburg (Landkreis Ostallgäu) überzeugt.

Packair sind (von links) die Studienfreunde Raphael Vogler (links) und Martin Säck (rechts) sowie Sarah Kohlen.
Packair sind (von links) die Studienfreunde Raphael Vogler (links) und Martin Säck (rechts) sowie Sarah Kohlen.
Bild: Josua Stäbler

Packair schützt empfindliche Produkte und reduziert Müll

Eine Weltneuheit im Verpackungsbereich stellt Packair aus Pfronten auf der Gründerbühne vor. Sarah Kohlen, Martin Säck und Raphael Vogler entwickelten eine aufblasbare Mehrweg-Verpackung mit Rücknahmesystem für den Versandhandel, um CO2 und tonnenweise Müll einzusparen. „Ein Packair ist robust, modular und recyclingfähig konzipiert, sodass er bis zu 100 Kreisläufe durchlaufen kann“, sagt Kohlen. Zielgruppe sind vor allem Online-Versandhändler, die gerade hochwertige und empfindliche Ware sicher zum Kunden schicken wollen. Die Idee dazu kam Vogler und Säck beim Studium in Stuttgart während einer Müllsammelaktion. Ihr Ansatz: Müll vermeiden. Derzeit wird an der Produktion des Packair gearbeitet. Ende 2023 soll die neuartige Verpackung auf den Markt kommen.

Pappenstyle sind (von links) die Paare Stefan und Maria Ringler sowie Sabine und Christoph Konopka.
Pappenstyle sind (von links) die Paare Stefan und Maria Ringler sowie Sabine und Christoph Konopka.
Bild: Daniela Türk

Pappenstyle stellt Rucksäcke und mehr aus besonderem Material her

Mehr Nachhaltigkeit in den Bereich Wohnen und Living-Accessoires möchte Pappenstyle mit Sitz in Rieden (Ostallgäu) bringen. Zwei Paare aus dem Allgäu mit jeweils drei Kindern, die voll im Berufs- und Familienalltag stehen, gründeten das Unternehmen. Gefertigt werden Rolltop-Rucksäcke, Taschen, Aufbewahrungslösungen, personalisierte Geschenkideen, bemalbare und wieder abwaschbare Tischsets und vieles mehr für Kinder und Erwachsene. Alles aus Zellulose und Latex und damit gut für die Umwelt – und dennoch waschbar, reißfest und robust, sagen Stefan und Maria Ringler sowie Sabine und Christoph Konopka. Von der Rohstoff-Produktion über die Herstellung der Kollektion bis hin zum Versand arbeitet das Startup ausschließlich mit Partnern in Süddeutschland zusammen.

Infos zum Gründerpreis: Das ist die Jury, das sind die Veranstalter

In der Jury sitzen erfahrene Gründerinnen und Gründer, die bestens einschätzen können, worauf es bei den Ideen ankommt und was es braucht, um erfolgreich zu werden. Es sind Amelie Sperber (Gründerin und Geschäftsführerin von Supernutural und Siegerin der Gründerbühne 2017), Angelika Jürgens (Gründerin und Geschäftsführerin von Little Bee Fresh), Philipp Burckhardt (Leitung HelloSolution) sowie Neele Maarten de Vries (Geschäftsführer von Mozaik und ehemaliger Gründerbühne-Finalist).

Dass sich das Mitmachen lohnt, bestätigen die Gewinner aus dem vergangenen Jahr: die „Kohlekumpels“ aus Kempten. Sie helfen Landwirten beim Umstellen auf eine kohlenstoffspeichernde Bodenbewirtschaftung, damit den Verbrauchern klimapositive Lebensmittel angeboten werden können. Für diese Produkte organisiert das junge Unternehmen unter dem Motto „Shoppen fürs Klima“ auch Lieferketten. „Das Preisgeld war ‚nur’ der Effekt auf dem Konto“, sagt Kohlekumpels-Mitgründer Daniel Ziegler. „Viel wertvoller war für uns der ganze Prozess: die Feedbacks für die Pitches, die Rückmeldung von der Jury und den Sponsoren und vor allem die Aufmerksamkeit, die wir in den Medien bekommen haben. Das hat uns geholfen und unser Geschäft beflügelt – davon zehren wir heute noch.“

(Lesen Sie auch: Campen auf dem Autodach: Ein Allgäuer zeigt, wie das geht - und gründet erfolgreiches Start-up)

Die Allgäuer Gründerbühne samt Preisverleihung ist eine Veranstaltung von Allgäu Digital und der Allgäu GmbH. „Hier finden innovative Ideen, egal ob analog oder digital, ob regional oder mit der Option, die Welt zu erobern, die perfekte Startrampe“, sagt Antonia Widmer, Leiterin von Allgäu Digital in Kempten. Die Veranstaltung biete öffne für viele Teilnehmer Türen zu Investoren, potenziellen Kunden und wertvollen Rückmeldungen der erfahrenen Juroren und Sponsoren. Viele heute erfolgreich am Markt etablierte Unternehmen hätten ihren ersten Auftritt bei der Allgäuer Gründerbühne, betont Widmer und nennt Höfats, Patron Plasticfree Peaks, Karuun und Numbat. Letzt genannte Firma hat für die Kombination aus Schnellladesäule für E-Autos und Batteriespeicher gerade ihre erste millionenschwere Investitionsrunde abgeschlossen.

(Lesen Sie auch: Allgäuer Gründerberater: "Wer zu diesen Themen neue Ideen hat, sollte sie nicht in der Schublade verstecken")

„Die Allgäuer Gründerbühne ist DAS Event des Jahres der Gründerszene im Allgäu – und es wird größer als je zuvor“, freut sich Projektleiterin Katja Sontheim. Die Zuschauerinnen und Zuschauer würden spannende Ideen erleben, könnten Fragen stellen, mit abstimmen und zudem an der Aftershow-Party teilnehmen.

Die Gründerbühne ist zudem der Auftakt zu den Allgäuer Gründungswochen, die vom 14. bis 25. November stattfinden. Auf dem Programm stehen Workshops, Vorträge und Events, ausgerichtet von verschiedenen Allgäuer Akteuren der Gründerszene – von typischen Rechtsfragen auf dem Weg der Existenzgründung bis zur Agilen Produktentwicklung. Ziel ist auch das Vernetzen von Gründerinnen und Gründern miteinander sowie mit bereits erfolgreichen Unternehmen.

Mehr zum Programm lesen Sie hier: www.standort.allgaeu.de/gruendungswochen, Tickets und weitere Informationen gibt es unter gibt es hier.