Am kommenden Donnerstag

Sportler bekennen sich zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit

Wintersport-Kongress

Wintersport-Kongress

Bild: Sabine Lienert

Wintersport-Kongress

Bild: Sabine Lienert

Wintersport-Kongress Über 300 Teilnehmer diskutieren in Oberstdorf darüber, wie sie künftig klimaneutraler werden können. Die Macher der Ski-WM haben schon Antworten gefunden
##alternative##
Von Foto: Sabine Lienert
08.11.2019 | Stand: 17:24 Uhr

Das Fazit nach zwei Tagen Wintersport-Kongress in Oberstdorf fiel sehr positiv aus. Die Branche, da war man sich einige, habe sich bei zahlreichen Workshops und 14 Gesprächs- und Diskussionsrunden intensiv austauschen und sich unter dem Motto „Care for future“ Gedanken über die gemeinsame Zukunft machen können. Am Ende des Summits „Dein Winter. Dein Sport.“, dem dritten nach 2015 und 2017 (beide am Tegernsee), hoben die Initiatoren Deutscher Skiverband, Deutscher Skilehrerverband und Snowboard Germany aber auch warnend den Zeigefinger. Den Absichtserklärungen und der Unterzeichnung der „UN-Erklärung für mehr Klimaschutz im Sport“ (wir berichteten bereits in unserer Freitagausgabe darüber) müssten nun konkrete Taten folgen, sagte DSV-Chef Dr. Franz Steinle, der kritisch anmerkte, dass beim nächsten Kongress unbedingt Vertreter der Politik mit ins Boot geholt werden müssten. Der oberste Skilehrer Wolfgang Pohl meinte, man sei erst am Beginn eines langen Weges: „Wir wollen was machen, wissen aber noch nicht wie.“ Lösungen müssten nun mit der Basis besprochen werden.

Mehr als 300 Teilnehmer folgten der Einladung der Sportverbände nach Oberstdorf. Unter ihnen Touristiker, Bergbahn-Betreiber, Sportartikelhersteller und Medienvertreter. Auch Top-Sportler wie Kombinations-Olympiasieger Johannes Rydzek, die mehrfache Telemark-Weltmeisterin Johanna Holzmann, Abfahrer Andreas Sander sowie Biathlon-Star Kati Wilhelm und der erfolgreichste Paralympics-Athlet Gerd Schönfelder waren dabei (Felix Neureuther musste krankheitsbedingt kurzfristig absagen). Sie alle haben sich klar dazu bekannt, den Umweltschutz und die Nachhaltigkeit künftig auch in die alltägliche Trainings- und Wettkampfplanung zu integrieren. Konkret werde man Trainingseinheiten in Chile oder Neuseeland überdenken, wann immer möglich Fahrgemeinschaften bilden oder aufs Auto ganz verzichten. Johanna Holzmann sagte: „Wir Telemarker starten erst im Januar in die Weltcup-Saison. Deshalb müssen wir nicht schon im Sommer auf den Schnee.“ Johannes Rydzek berichtete von seiner Bachelor-Arbeit an der FH Kempten, bei der er sich intensiv darum beschäftigt, wie die Oberstdorfer Sportanlagen, vor allem das neue Langlaufzentrum nach der WM auch dem Breitensport zugutekommen kann. Launig war das Gespräch von Moderator Tobias Barnerssoi vom Bayerischen Rundfunk mit Langläuferin Laura Gimmler. Nachdem sie 2005 nur als Tannenbaum bei der Eröffnungsfeier mitgewirkt habe, würde sie 2021 schon gerne eine bedeutendere Rolle übernehmen, sagte die 25-Jährige. Und Trainer Peter Schlickenrieder versprach: „Wenn Laura eine WM-Medaille holt, schlüpf’ ich zur Siegerehrung gern in ein Tannenbaum-Kostüm.“ Wette besiegelt.

Apropos Langlauf, apropos grün: Auf großes Interesse stieß die Begehung der neuen WM-Loipen im Langlaufstadion im Ried. DSV-Umweltexperte Dr. Ralf Roth betonte, wie sensibel bei der Planung der Funktionsgebäude und des neuen Loipennetzes vorgegangen wurde. „Dass wir hier 30 Millionen Euro ohne wahrnehmbaren Protest verbauen konnten, zeigt, dass in einem guten Dialog und mit großer Transparenz gearbeitet wurde.“ Auch die Ankündigung, dass die WM-Organisatoren eine dreiviertel Million Euro investieren wollen, um mit sogenannten Kombi-Tickets auch die kostenlose Anreise mit dem Zug oder mit dem Bus (vermutlich ab Memmingen) anzubieten und damit den Individualverkehr nach Oberstdorf zu reduzieren, wurde von den Kongress-Besuchern freudig beklatscht.

Besorgt über die negative Grundstimmung in der Gesamtbevölkerung zum Thema Wintersport hatte sich schon beim Eröffnungsabend DOSB-Präsident Alfons Hörmann aus Sulzberg geäußert. Besonders irritiert sei er vor einigen Wochen beim Jubiläum des Deutschen Alpenvereins darüber gewesen, „in welcher Tonalität und in welcher Aggressivität unsere Brüder und Schwestern über den gesamten Schneesport gesprochen haben.“ Bei allem, was rund um Greta Thunberg diskutiert werde, sei eine noch größere Sensibilität geboten. Deshalb ärgert Hörmann eines ganz gewaltig: „Wer Bilder wie zuletzt in Kitzbühel mit dem berühmten weißen Band mitten im Grün genau in einer solchen Zeit setzt, der liefert den Gegnern die Argumente in einer Art und Weise, wie man es dümmer nicht tun kann.“ Wegen der zu befürchtenden Attacken gegen den Schneesport sagte Hörmann: „Wenn es die Initiative ,Dein Winter. Dein Sport’ und das Bündeln der Kräfte all derer, die im Ski- und Schneesport unterwegs sind, nicht gäbe, dann müsste man sie spätestens jetzt gründen.“