Wiggensbach/Stuttgart

Stars zum Anfassen

TSV Schwaben Turnen, Lorenz Wolf und Florian Schreiber

TSV Schwaben Turnen, Lorenz Wolf und Florian Schreiber

Bild: Siegfried Kerpf

TSV Schwaben Turnen, Lorenz Wolf und Florian Schreiber

Bild: Siegfried Kerpf

Turnen Florian Schreiber besucht mit Jugendlichen fast täglich die Weltmeisterschaft in Stuttgart. Der Kapitän der TG Allgäu schwärmt von der Atmosphäre. Warum er zwei finnischen Athleten ganz besonders die Daumen drückte

08.06.2020 | Stand: 14:33 Uhr

Simone Biles schwebte – über dem Boden, durch die Halle, meilenweit vor der Konkurrenz. Zum Auftakt der Turnweltmeisterschaft in Stuttgart zeigte die US-Amerikanerin ihren „Triple-Double“, einen doppelten Rückwärtssalto mit drei Schrauben. Die 22-Jährige ist die erste Turnerin, der dieses Element bei einer Weltmeisterschaft gelang. Sie ist der Superstar ihres Sports, sozusagen der Cristiano Ronaldo des Turnens. Elf Weltmeistertitel. In Stuttgart will sie ihren zwölften Titel. Ein sportliches Spektakel, das sich auch viele Turner aus dem Allgäu nicht entgehen lassen. Einer von ihnen ist Florian Schreiber, Kapitän des Zweitligisten TG Allgäu.

Der 41-Jährige ist mit Vereinskollegen aus Augsburg fast täglich vor Ort bei der WM, die fast vor der Haustür stattfindet. „Gerade für die Jüngeren ist das ein Traum, ihre Vorbilder zu sehen“, meint er. Und die seien für die Nachwuchsturner nahbar, gerade im Vergleich zu anderen sportlichen Großveranstaltungen. Biles beispielsweise oder das deutsche Aushängeschild Lukas Dauser würden dort „einfach durch die Halle spazieren. Das sind noch Stars zum Anfassen“.

Er hat bereits einige Europameisterschaften live miterlebt. Bei der WM sei das Niveau aber noch einmal weit höher. Die Leistungen seien für viele Sportler nahezu unerreichbar. „Da müssten zunächst die Eltern voll dahinterstehen, der Turner müsste sehr, sehr viel trainieren und es gehört auch eine Portion Glück dazu“, sagt Schreiber.

Kann die Turn-WM vielleicht sogar einen Hype in Deutschland auslösen? Die Vizepräsidentin des Bayerischen Turnverbands, Christine Königes verneint. „Die Leistungen der Sportler bei der Weltmeisterschaft motivieren aber Kinder dazu, durchzuhalten“, sagt sie. Florian Schreiber kann im Kampf um die Goldmedaillen am Dienstag zwar keinen deutschen Sieg bejubeln, da das Frauen-Team nicht für das Finale qualifiziert ist. Dennoch glaubt er an die eine und andere deutsche Medaille, etwa von Elisabeth Seitz. Sie holte bereits bei der letzten Turn-WM eine Bronzemedaille für ihre Barrenkür.

Besonders genau hat Schreiber auch bei den beiden Finnen Oskar und Robert Kirmes hingeschaut. Sie sind Mannschaftskollegen des TGA-Kapitäns und stoßen nach der WM zum Team. „Sie sind zwar bei der Weltmeisterschaft mit der finnischen Riege Letzter geworden. Aber immerhin durften sie bei einer WM starten. Das ist aller Ehren wert“, sagt Uli Benker, Präsident der TG Allgäu.