Wandern im Allgäu

Runter vom Berg und weg mit der Brille: So sollte man sich bei Gewitter in den Bergen verhalten

Mit Gewittern in den Bergen ist nicht zu spaßen. Daher gibt es bestimmte Verhaltensregeln.

Mit Gewittern in den Bergen ist nicht zu spaßen. Daher gibt es bestimmte Verhaltensregeln.

Bild: Benedikt Siegert (Archivfoto)

Mit Gewittern in den Bergen ist nicht zu spaßen. Daher gibt es bestimmte Verhaltensregeln.

Bild: Benedikt Siegert (Archivfoto)

Immer wieder werden Wanderer im Allgäu von Gewittern in den Bergen überrascht. Ein Experte von der Bergwacht erklärt, wie man sich am besten schützt.
28.07.2021 | Stand: 11:05 Uhr

Es braut sich etwas zusammen: Nirgendwo kann man ein herannahendes Gewitter so gut beobachten wie in den Bergen. Graue Wolken ziehen auf, steigen hoch und werden immer dunkler. Das Problem: All das geht oft sehr schnell - und oft sind Wanderer dann am Berg und wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Und gerade im Sommer 2021 gewittert es im Allgäu häufig.

Vorbereitung ist der beste Schutz vor Gewittern im Allgäu

Das Wichtigste ist eine gute Vorbereitung, betont Peter Haberstock von der Allgäuer Bergwacht. "Man sollte sich vorab über die Tour informieren und natürlich auch den Wetterbericht anschauen." Zwar sei der kein Garant dafür, ob es ein Gewitter gibt oder nicht, eine "Tendenz ist aber immer absehbar". Sinnvoll ist es laut Haberstock auch, eine Tour zu wählen, die man schon kennt. Und: "Tage, an denen ein Gewitter drohen könnte, sind nicht die Tage für große Touren." (Lesen Sie dazu auch: Neun Dinge, die Urlauber im Allgäu auf keinen Fall tun sollten)

Richtige Kleidung schützt vor Regen in den Bergen

Auch in Sachen Ausrüstung sollte man gerüstet sein: "Eine regendichte Jacke und warme Kleidung sollte man auf jeden Fall dabei haben", sagt Haberstock. Aber auch Handschuhe und eine Mütze seien sinnvoll: "Bei Gewittern kann es auch graupeln oder schneien, da wärmt die Mütze nicht nur, sondern schützt auch ein wenig." Und Handschuhe können auch bei hohen Touren im Schneefeld angenehm sein, daher schadet es Haberstocks Ansicht nach nicht, sie dabei zu haben: "Außerdem wiegen sie ja kaum etwas."

Wenn einen das Gewitter erwischt: Runter vom Berg!

Sollte man trotz guter Vorbereitung am Berg vom Gewitter überrascht werden, rät Haberstock: "Runter vom Berg!" Vor allem Klettersteige oder am Grat sei es gefährlich. "Rumpelt es richtig, sollte man möglichst schnell eine Stelle suchen, an der man geschützt ist und dort ausharren", sagt Haberstock und betont noch einmal: "Aber nicht am Grat." Hat man eine geschützte Stelle gefunden - der Deutsche Alpenverein (DAV) empfiehlt Mulden von Bergwiesen - gilt laut Haberstock: "Zusammenkauern!" Die Fläche, mit der man den Boden berührt, sollte möglichst klein sein und am besten legt man eine isolierende Unterlage unter die Füße, rät der DAV. Falls man sich in Felsnischen versteckt, sollte man immer etwa eine Körperlänge Abstand zum Fels halten.

Schutzhütten bieten Zuflucht bei Gewittern

Schafft man es nicht rechtzeitig zum Auto, kann man auch Zuflucht in oder an einer Schutzhütte suchen, beispielsweise an einer der Hütten des DAV. "Natürlich ist man nicht überall zu hundert Prozent sicher", sagt Haberstock, aber: "Ich weiß von keiner Hütte im Allgäu, die abgebrannt ist, weil der Blitz eingeschlagen hat." Die meisten Hütten haben laut Haberstock heutzutage einen Blitzableiter.

Metallgegenstände meiden und weglegen

Lesen Sie auch
##alternative##
Prävention-Aktion des DAV

Nach Spürhund-Einsatz: Diese fünf Allgäuer Berghütten sind garantiert frei von Bettwanzen

Besonders gefährlich bei Gewitter: Metallgeländer, aber auch Gegenstände aus Metall, die man mit sich trägt. Dazu zählen auch Brillen. Der DAV rät daher, Metallmasten und Ähnliches zu meiden und Metallgegenstände in weitem Abstand von sich selbst abzulegen.

Sollte man den Wald bei Gewitter meiden?

Jeder kennt das aus der Kindheit: Bei Gewitter weg von Bäumen! Doch stimmt das? Der DAV rät: freistehende Bäume meiden und den Waldrand meiden, lieber mitten im Wald aufhalten. Doch auch hier ist Vorsicht geboten: "Ist man im Wald angekommen, lauern andere Gefahren, beispielsweise durch herabfallende Äste", erklärt Haberstock. Auch Tobel und Flüsse sollte man meiden: "Die Flüsse schwellen bei Gewitter an und im Tobel können Steine herunterfallen." (Lesen Sie auch: Liebe Wanderer, bitte lest diesen Text vor eurer Bergtour)

Zusammenbleiben - aber mit Abstand

Nicht erst seit Corona ein Trend: Abstand in den Bergen. "Bei Gewitter sollte der Abstand zwischen den Tourenpartnern vergrößert werden", rät der DAV. Andernfalls könne es zu einem sogenannten Überschlag zwischen den Personen kommen, wenn der Blitz einschlägt. Generell gilt laut Haberstock aber schon: "In der Gruppe zusammenbleiben - da ist man dann auch psychologisch besser gestellt." Außerdem könne einer Hilfe holen, falls sich eine Person verletzt.

Bestes Hilfsmittel bei Verletzungen: das Handy

Sollte sich jemand verletzt haben, ist das Handy laut Haberstock das beste Hilfsmittel: "Klingt zwar modern, aber wenn man Empfang hat, ist das die beste Lösung: die 112 anrufen", sagt der Bergwacht-Regionalgeschäftsführer. Hat man keinen Empfang, kann man das alpine Notsignal verwenden. Dabei setzt man sechsmal pro Minute ein optisches oder akustisches Signal ab, man kann beispielsweise mit einer Taschenlampe blinken oder ein gut sichtbares Kleidungsstück schwenken. "Oder man breitet irgendetwas aus, das von oben gut sichtbar ist", rät Haberstock.

Auch Verkühlung kann zum Problem werden

Neben normalen Verletzungen warnt Haberstock auch vor Unterkühlung bei Gewittern: "Gerade wenn man dann nass wird oder es windet, ist es vor allem in höheren Lagen gefährlich."

Und letztlich betont Haberstock: "Wenn klar ist, dass das Wetter zu schlecht ist, muss man eben zuhause bleiben."

Tipps: Diese beliebten Allgäuer Bergbahnen sollten Sie kennen