Geschäft mit Trachtenmode im Allgäu

Mit Dirndl und Lederhose fesch fürs Bierzelt - oder zwingt die Inflation zum Sparen?

„Jetzt haben wir den großen Run“: Iris Boll von Schneider Tracht und Mode in Weiler (Westallgäu) ist mit dem bisherigen Geschäft zufrieden.

„Jetzt haben wir den großen Run“: Iris Boll von Schneider Tracht und Mode in Weiler (Westallgäu) ist mit dem bisherigen Geschäft zufrieden.

Bild: Matthias Becker

„Jetzt haben wir den großen Run“: Iris Boll von Schneider Tracht und Mode in Weiler (Westallgäu) ist mit dem bisherigen Geschäft zufrieden.

Bild: Matthias Becker

Die Allgäuer Festwoche steht kurz bevor. Gleichzeitig sorgt die Inflation für zurückhaltende Kunden. Wie wirkt sich das auf die Trachtenläden der Region aus?
11.08.2022 | Stand: 04:15 Uhr

Lange Zeit mussten Allgäuerinnen und Allgäuer warten, um wieder in Bierzelten feiern zu können. Das ist jetzt möglich – und mit der Allgäuer Festwoche steht eines der wichtigen Ereignisse der Region kurz bevor. Damit endet für viele eine Durststrecke, in der man nur selten Tracht tragen konnte – allerdings just in einer Zeit, in der die steigende Inflation vielen Menschen die Lust aufs Shoppen verdirbt.

Wie wirkt sich das auf den Trachtenkauf aus? Sind die Menschen nun knausriger – oder investiert man, um auf Festwoche und Co. möglichst fesch daherzukommen? „Man hat gemerkt, dass die Nachfrage angezogen hat, als die Feste losgingen. Vorher war Ruhe“, sagt Monika Durner von Trachten Durner in Memmingen. Die Leute hätten wieder Lust, „sich etwas Gutes zu tun, und dafür stehen Trachten“, sagt auch Tobias Schaber von Trachten Schaber in Immenstadt. Die Nachfrage sei wie vor Corona.

Trachten Beer in Kempten: „Wir sind sehr zufrieden“

Auch bei Trachten Beer in Kempten habe der Trachtenverkauf angezogen, „wir sind sehr zufrieden“, sagt Peter Beer. Es sei aber nicht wie 2019, sondern habe sich etwas reduziert. Und es kaufe auch niemand zwei Lederhosen oder vier Dirndl. Stattdessen stehe man vor einer anderen, coronatypischen Herausforderung: „Wir haben eher das Problem, dass wir nicht genügend Ware bekommen. Noch haben wir genug da, aber es ist schwieriger geworden“, sagt Beer.

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Das spürt auch Iris Boll von Schneider Tracht und Mode in Weiler (Westallgäu). „Momentan merkt man gerade bei Lederhosen im günstigen Bereich, dass auch bei den Herstellern nichts mehr zu bekommen ist. Das war früher kein Thema.“ Auch bei Dirndlblusen sei das Nachbestellen schwieriger. „Das war früher nicht so extrem“, sagt Boll. Vergangenes Jahr sei man beim Bestellen natürlich vorsichtig gewesen.

Trachten Durner: Manche schauen aufs Geld, manche gar nicht

„Man wusste nicht, ob Volksfeste stattfinden, und die Lager waren übervoll. Darauf stellen sich die Hersteller natürlich ein. Jetzt haben wir den großen Run und sind sehr zufrieden.“ Die Frage, ob die Menschen nun anders kaufen, ist schwer zu beantworten. Bei der Herrentracht sei eher die untere Preisklasse gesucht, 300 Euro seien für viele die Schmerzgrenze, sagt Boll. 2019 sei das anders gewesen. Bei den Frauen habe sich das Kaufverhalten dagegen kaum geändert.

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„Gerade bei jungen Menschen werden auffällig viele kurze Lederhosen gekauft“, sagt Monika Durner. Es gebe Kunden, die sehr aufs Geld schauen – „manche gar nicht“. „Bei den Mädels merkt man eher, dass man etwas Neues möchte, als bei den Jungs“, sagt Peter Beer. Generell gehe der Trend weiter zu höherwertigen Trachten, lautet seine Beobachtung:. „Wir verkaufen mittlerweile zum Beispiel deutlich mehr hirschlederne Hosen.“

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