Buchloe

Trauerredner im Home-Office

Markus Schäfler arbeitet als freier Trauerredner, wegen der Corona-Krise arbeitet er momentan im Homeoffice.

Markus Schäfler arbeitet als freier Trauerredner, wegen der Corona-Krise arbeitet er momentan im Homeoffice.

Bild: Alexandra Hartmann

Markus Schäfler arbeitet als freier Trauerredner, wegen der Corona-Krise arbeitet er momentan im Homeoffice.

Bild: Alexandra Hartmann

Der ehemalige Pfarrer Markus Schäfler hat für die Corona-Zeit ein neues Konzept entwickelt: Der Buchloer bietet virtuelle Trauerfeiern an, bei denen Hinterbliebene online Abschied nehmen können
05.04.2020 | Stand: 17:21 Uhr

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Das dachte sich wohl auch Markus Schäfler, als er eine virtuelle Trauerfeier organisierte. Der 47-Jährige aus Buchloe hat über 20 Jahre Erfahrung mit Beerdigungen. Elf Jahre war er katholischer Geistlicher, dann heiratete er und betreibt nun seit zehn Jahren gemeinsam mit seiner Frau ein Unternehmen für freie Zeremonien. Dass er eines Tages als Trauerredner im Home-Office arbeiten würde, hat er nicht geahnt.

Seit 20. März dürfen Beerdigungen nur noch im engsten Familienkreis stattfinden, zahlreiche Vorschriften müssen beachtet werden: höchstens 15 Trauergäste sind erlaubt, es wird kein Weihwasser verwendet und die Trauernden sollen Sicherheitsabstand halten.

„Das ist für eine Trauergemeinschaft wirklich hart“, findet Schäfler. Zwei Krisen träfen aufeinander: die gesellschaftliche Corona-Krise und die persönliche Ausnahmesituation, wenn ein Angehöriger stirbt. Die Hinterbliebenen brauchen Zusammenhalt und Trost der Familie, müssen wegen der Ansteckungsgefahr jedoch den Kontakt meiden. „Auch für Personen, die nicht dem engsten Familienkreis angehören, ist das schwierig. Sie möchten sich in Würde verabschieden, aber dürfen nicht“, sagt Schäfler.

Die Idee für virtuelle Trauerfeiern kam ihm spontan. Bereits vor der Verordnung hatte er für den 27. März eine Trauerfeier organisiert. „Alles stand und war plötzlich hinfällig“, sagt Schäfler. Da musste eine Notlösung her: die Online-Trauerfeier. „Ich arbeitete in kürzester Zeit ein Konzept aus.“ Die moderne Technik biete viele Möglichkeiten dafür – besonders Webinar-Plattformen seien wie gemacht dafür. Die Teilnehmer kommunizieren in einem Chat oder per Mikrofon miteinander, per Livestream können sie die Ansprache verfolgen. „Es geht mir darum, dass sie sich gegenseitig wahrnehmen.“ Doch zu einer Trauergesellschaft gehören oft viele ältere Personen, denen möglicherweise der Bezug zu diesen technischen Mitteln fehlt. Doch auch dafür fand Schäfler eine Lösung: die Zeremonie auf DVD. Bei der Online-Premiere vergangene Woche verschickte er zehn DVDs. Die Trauernden sind so zwar räumlich und zeitlich getrennt, können aber trotzdem gemeinsam Abschied nehmen.

Schäfler ist es wichtig, das Online-Angebot nicht wesentlich anders zu gestalten als eine herkömmliche Feier. Am Anfang ermutigt der 47-Jährige die Teilnehmer, sich wie bei einer Beerdigung zu kleiden. Auch das Umfeld sei wichtig: Die Trauernden sollen ein Bild des Verstorbenen und Blumen aufstellen, eine Gedenkkerze anzünden. „Das nimmt die Personen innerlich mehr in das Geschehen rein“, sagt Schäfler. Dazu gestaltet er ein persönliches Trauerheft mit seinen Texten.

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Die erste Online-Trauergesellschaft sei sehr dankbar gewesen. Schäfler hofft allerdings, dass Trauerfeiern bald wieder normal stattfinden können: „Das, was ich jetzt mache, ist eine Hilfe in der Krisenzeit, wird die echte Begegnung aber nie ganz ersetzen können.“