Tourismus im Allgäu

"Das Gefühl der Sicherheit fehlt": Krieg und Corona drücken aufs Geschäft

Auch für den Campingplatz Elbsee in Aitrang (Landkreis Ostallgäu) buchen viele Gäste heuer kurzfristig.

Auch für den Campingplatz Elbsee in Aitrang (Landkreis Ostallgäu) buchen viele Gäste heuer kurzfristig.

Bild: Archivbild: Harald Langer

Auch für den Campingplatz Elbsee in Aitrang (Landkreis Ostallgäu) buchen viele Gäste heuer kurzfristig.

Bild: Archivbild: Harald Langer

Wer im Allgäu übernachten will, hat aktuell gute Chancen. Viele Gastgeber haben an Pfingsten und im Sommer noch Platz. Ist das ein Problem?
20.05.2022 | Stand: 17:56 Uhr

„Für manche Gastgeber ist der Blick in den Buchungskalender heuer eine Nervensache, vor allem bei Hotels“, sagt der Füssener Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier. Er glaubt zwar, dass über Pfingsten und den Sommer letztlich viele Urlauber vor Ort sein werden, derzeit gebe es aber teilweise noch Lücken. Die Menschen buchten kurzfristiger als sonst üblich: „Das Gefühl der Sicherheit fehlt.“ Dass heuer zurückhaltender und nicht so lange im Voraus geplant werde, bestätigen Betreiber von Ferienwohnungen und Campingplätzen. Als Gründe vermuten sie Unsicherheit wegen des Ukraine-Krieges und die damit einhergehenden Preissteigerungen sowie die Corona-Krise.

Dieses Gefühl wird auch von einer aktuellen Umfrage des Bayerischen Zentrums für Tourismus (BZT) bestätigt. Demnach wollen dieses Jahr knapp 70 Prozent der Deutschen zwischen Mai und Oktober verreisen, verbindlich gebucht hat aber erst etwa ein Drittel. Viele der anderen gaben an, sich wegen des Klimawandels, der Ukraine-Krise und der Corona-Pandemie Sorgen zu machen.

Keine Lust auf Stornierung

Bei Corona sind es laut Fredlmeier weniger die Inzidenzen am Reiseziel, die die Gäste zögern lassen. Es sei die Angst, daheim infiziert zu werden und deswegen den Urlaub absagen und sich mit einer Stornierung herumschlagen zu müssen. „Stammgäste haben sich ihre Unterkünfte schon längst gesichert, viele andere warten ab.“

Von einer gewissen Zurückhaltung spricht auch Angelika Soyer, Vorsitzende des Vereins „Mir Allgäuer – Urlaub auf dem Bauernhof“, zu dem mehr als 500 Ferienhöfe gehören. Über Pfingsten sei zwar längst alles ausgebucht und man sei auch generell zufrieden, für Juni oder Juli hätten manche Gastgeber aber noch freie Wohnungen. Das sei für diese Jahreszeit eher ungewöhnlich. Auch allgemein sei die Zahl der Anfragen gesunken. Mit Corona habe das weniger zu tun, mutmaßt Soyer, sondern eher mit dem Krieg in der Ukraine: „Die Menschen sind verunsichert und das wirkt sich auch auf die Buchungen aus.“

Viele überlegten sich jetzt wohl gut, ob sie sich einen Urlaub noch leisten können und wollen. Damit könnte Soyer durchaus Recht haben. So ergab die BTZ-Umfrage: Ein großer Teil der Personen, die noch nicht buchten, haben die Befürchtung, dass die Preise für Benzin und Lebensmittel noch weiter steigen werden.

Krieg als Unsicherheitsfaktor

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„Man weiß nicht, wie sich das alles entwickelt, der Krieg und die hohen Preise sind für viele ein Unsicherheitsfaktor“, sagt auch Sybille Wiedenmann, Geschäftsführerin der Allgäu Top Hotels. Für den Sommer gebe es weniger Vorausbuchungen als üblich, auch werde kurzfristiger reserviert. „Solche Zahlen in einem normalen Jahr wären ein Grund zur Sorge“, sagt sie. Wiedenmann blickt dennoch zuversichtlich in den Sommer: „Ich glaube, die Gäste buchen jetzt Schritt für Schritt und entscheiden sich oft kurzfristig.“

Von kurzfristigen Anfragen berichtet auch Hubert Martin, Senior-Chef des Campingplatzes Elbsee in Aitrang (Landkreis Ostallgäu). Welche Campingplätze es im Allgäu gibt, lesen Sie hier. „Vor allem ältere Gäste rufen an, fragen nach einem freien Platz und sind dann zwei Stunden später vor Ort“, sagt er. Generell spricht er von einer „normalen Buchungslage“. Dennoch hat er den Eindruck, dass manche Urlauber abwartender seien als früher, was er auf den Krieg und die steigenden Kosten zurückführt. Auch wegen Corona komme es immer wieder zu Stornierungen. Für Pfingsten und über den Sommer gebe es jedenfalls noch freie Plätze, sagt Martin.

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