B 12

Sauerei an Parkplätzen: Wann gibt es endlich Toiletten an der B 12 im Allgäu?

Wildbiesler und Müll: Kein schöner Anblick bietet sich oftmals auf den Mini-Parklätzen entlang der B12. Die Straßenmeisterei muss regelmäßig ausrücken.

Wildbiesler und Müll: Kein schöner Anblick bietet sich oftmals auf den Mini-Parklätzen entlang der B12. Die Straßenmeisterei muss regelmäßig ausrücken.

Bild: Matthias Becker

Wildbiesler und Müll: Kein schöner Anblick bietet sich oftmals auf den Mini-Parklätzen entlang der B12. Die Straßenmeisterei muss regelmäßig ausrücken.

Bild: Matthias Becker

Über 20.000 Fahrzeuge sind täglich auf der B12 unterwegs. Doch auf dem Abschnitt zwischen Kempten und Buchloe gibt es keine Toilette. Das sorgt für Ärger.

Wildbiesler und Müll: Kein schöner Anblick bietet sich oftmals auf den Mini-Parklätzen entlang der B12. Die Straßenmeisterei muss regelmäßig ausrücken.
Von Redaktion Allgäuer Zeitung
27.08.2020 | Stand: 08:00 Uhr

Das Urteil fällt vernichtend aus. "Das ist eine Sauerei", ärgert sich eine AZ-Leserin, die täglich auf der B 12 zwischen ihrer Heimat Kaufbeuren und ihrer Arbeitsstelle in Kempten hin- und her pendelt. Auf dem gesamten Streckenabschnitt zwischen Kempten und Buchloe gibt es auf über 50 Kilometern keine einzige öffentliche Toilette. Das freilich hält viele Autofahrer nicht davon ab, ihre Notdurft an einem der "Mini-Parkplätze" zu verrichten.

Die Folge: Es stinkt nach Urin rund um Brotzeittische, die auf der unfallträchtigen Straße eigentlich zur Erholung dienen sollen. Dazu kommen von Menschen und Hunden hinterlassene "Tretminen" im Gebüsch. "Das sind eklige Zustände. Ich denke da nicht nur an Pendler wie mich, sondern auch an die vielen Urlauber mit Kindern, die im Sommer über die B12 ins Allgäu kommen", sagt die Leserin, die angesichts des heiklen Themas ihren Namen nicht im Artikel lesen möchte.

Obwohl "Wildpinkeln" eine Ordnunswidrigkeit darstellt, die ein Bußgeld von etwa 35 Euro - teils auch deutlich mehr - nach sich ziehen kann, geben viele Autofahrer und auch Autofahrerinnen dem Blasendruck nach. Nicht nur sie fragen sich: Warum gibt es auf dem Streckenabschnitt keine einzige öffentliche Toilette auf den insgesamt vier kleinen "Durchlauf-Parkplätzen", wie sie im Behördendeutsch genannt werden?

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"Das hat historische Gründe", erklärt Jörn Danneberg, Planungsleiter der B12, vom Staatlichen Bauamt in Kempten. Die B 12 sei in den 1960er und 1970er "stücklesweise" gebaut worden. "Wo Platz war wurden die Durchlauf-Parkplätze gebaut. Doch diese sind heute viel zu klein." Das Verkehrsaufkommen ist schließlich enorm gestiegen. Baurechtlich sei es allerdings nicht möglich, an den bestehenden Parkplätzen Toiletten zu errichten.

Doch Abhilfe ist in Sicht: Wenn die B 12 ausgebaut wird, sind zwischen Kempten und Buchloe jeweils zwei öffentlichen WC-Anlagen eingeplant. Sie würden voraussichtlich an dann neu geschaffenen Parkplätzen entstehen.

Doch wann der B 12-Ausbau im Allgäu abgeschlossen ist, darüber gibt es derzeit wohl keine seriöse Prognose.

Allein für das Planfeststellungsverfahren zum ersten Abschnitt von Buchloe nach Untergermaringen (Kosten für den 10,2 Kilometer langen Abschnitt: 57 Millionen Euro) sind nach Ablauf der Frist am 17. August 440 Einwände eingegangen.

Solange es keine öffentliche Toiletten an der B 12 gibt, behelfen sich Ortskundige oft mit einem Trick: Sie verbinden Tanken beispielsweise in Jengen oder Kraftisried mit einem Gang aufs stille Tankstellen-Örtchen. 

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 Doch nicht nur fehlende öffentliche Toiletten sind ein Ärgernis auf den Mini-Parkplätzen der B12. Allein die Straßenmeisterei in Marktoberdorf muss immer wieder ausrücken, um Müll und Dreck zu beseitigen. "Das wird sich nie ganz ändern", sagt ein Sprecher. Trotz des derzeit starken Verkehrsaufkommens sei die Vermüllung an den Parkplätzen heuer aber unterm Strich nicht schlimmer geworden.

Konkrete Zahlen gibt es zwar nicht. Dafür aber eine bundesweite Statistik: Pro Jahr entstehen demnach für die Beseitigung von knapp 17.000 Tonnen Müll an Bundesstraßen und Autobahnen Kosten in Höhe von rund 18 Millionen Euro.

 Die Suche nach den Tätern ist oft schwierig. Lässt sich der Müll zurückverfolgen, erfolgt eine Anzeige bei der Polizei und ein Bußgeld gemäß dem "Bußgeldkatalog Umweltschutz". Bei der illegalen Entsorgung von gefährlichem Abfall und Sondermüll drohen strafrechtliche Konsequenzen: Dann ermittelt die Staatsanwaltschaft.