Deutscher Wetterdienst

Unwetterfront rollt über Allgäu und Bodenseekreis - 23-Jährige Autofahrerin von Baum erschlagen

Die Unwetterfront über dem Allgäu und Bodenseekreis brachte heftige Sturmböen und Starkregen mit sich. Das Foto zeigt die Unwetterfront über dem Oberallgäu von Sonthofen aus.

Die Unwetterfront über dem Allgäu und Bodenseekreis brachte heftige Sturmböen und Starkregen mit sich. Das Foto zeigt die Unwetterfront über dem Oberallgäu von Sonthofen aus.

Bild: Benjamin Liss

Die Unwetterfront über dem Allgäu und Bodenseekreis brachte heftige Sturmböen und Starkregen mit sich. Das Foto zeigt die Unwetterfront über dem Oberallgäu von Sonthofen aus.

Bild: Benjamin Liss

Am Dienstagnachmittag zogen schwere Gewitter mit Sturmböen über das Allgäu und den Bodenseekreis. Eine Autofahrerin stirbt.
29.06.2021 | Stand: 21:14 Uhr

Update, 19 Uhr: Tödlich verletzt wurde eine 23-jährige Autofahrerin bei Oberteuringen (Bodenseekreis), als am Dienstagnachmittag ein umstürzender Baum ihr Fahrzeug traf. Eine Sturmböe brachte auf der Kreisstraße zwischen Bitzenhofen und Fuchstobel laut Polizei einen etwa 40 Meter hohen Baum zu Fall. Der Baum traf mit voller Wucht den von Fuchstobel in Richtung Bitzenhofen fahrenden Pkw der Frau und klemmte diese in ihrem Fahrzeug ein.

Trotz einer schnellen und aufwändigen Rettung durch die Feuerwehr und aller Bemühungen des Notarztes verstarb die 23-Jährige noch an der Unfallstelle, wie die Polizei berichtet. Zur Betreuung von Helfern und Angehörigen war der Notfallnachsorgedienst des Roten Kreuzes im Einsatz.

Update, 18.20 Uhr: In Meersburg kippte wegen starker Windböen ein etwa 25 Meter hoher Baukran um. Der Kran schlug auf dem Dach eines dreigeschossigen Wohnhauses auf und beschädigte dadurch eine der Dachgeschosswohnungen erheblich. Während der Turm des Krans auf dem Wohnhaus zum Liegen kam, schlug der Kranausleger laut Polizei in den Gärten der dahinterliegenden Grundstücke ein. Hierbei beschädigte er mindestens drei weitere Wohngebäude. Wie durch ein Wunder wurde bei dem Unfall niemand verletzt, da die Bewohner der Dachgeschosswohnung zum Zeitpunkt des Unglücks nicht zu Hause waren.

Eine Bergung des Baukrans dürfte sich aufwändig gestalten und wird längere Zeit in Anspruch nehmen, wie die Polizei berichtet. Derzeit sind Hilfskräfte der Freiwilligen Feuerwehr Meersburg und des Technischen Hilfswerks (THW) Überlingen und Friedrichshafen vor Ort und beraten zusammen mit Baufachleuten und dem Umweltschutzamt des Landratsamtes Bodenseekreis als zuständiger Aufsichtsbehörde über den möglichen Ablauf der Bergung. Die Höhe des entstandenen Sachschadens kann aktuell noch nicht beziffert werden. Warum der Baukran umkippte, wird ein Sachverständiger klären müssen.

Update, 17.55 Uhr: Die Gartenschau in Lindau kann am Mittwoch, 30. Juni, erst um 12 Uhr ihre Pforten öffnen. Der Sturm am Dienstagnachmittag richtete erhebliche Schäden auf dem Gelände an. Äste brachen von den Bäumen, Bauzäune stürzten um und die Gewächshäuser am Schützinger Weg nahmen erheblichen Schaden.

Zwar machte sich das Team sofort an die Aufräumarbeiten, doch werden diese mindestens bis zum Mittag andauern. „Wir müssen ja nicht nur die Schäden beseitigen, sondern auch die Bäume auf Standfestigkeit überprüfen und verhindern, dass Äste herunterfallen“, sagt Gartenschau-Geschäftsführer Meinrad Gfall. Sein Eindruck: „Es sieht verheerend aus.“ Er ist aber auch erleichtert, „dass keine Menschen zu Schaden kamen.“

Update, 17 Uhr: Mit Sturmböen und Regen fegte das Unwetter auch über das Oberallgäu hinweg. Auf der Straße zwischen Immenstadt und Untermaiselstein stürzte ein Teil eines Baumes auf die Straße. Und in Immenstadt überschlug sich ein Auto von Stein kommend am Kreisverkehr an der B308. Der Fahrer verletzte sich leicht.

Auf der Straße zwischen Immenstadt und Untermaiselstein stürzte ein Teil eines Baumes auf die Straße.
Auf der Straße zwischen Immenstadt und Untermaiselstein stürzte ein Teil eines Baumes auf die Straße.
Bild: Benjamin Liss

Update, 16.20 Uhr: Im Westallgäu hielten heftiger Sturm und Regen die Feuerwehren am Dienstagnachmittag auf Trab: Mehrere Bäume wurden entwurzelt und blockierten Straßen.

Auch in Vorarlberg (Österreich) und am Bodensee wütete der Sturm. Die Feuerwehr wurde zu zahlreichen Einsätzen gerufen: In einigen Gemeinden versperrten umgestürzte Bäume Straßen. In Lustenau drohte ein Baugerüst auf die Straße zu stürzen. In Bregenz flogen Dachziegel von einem Haus, ein Baum stürzte auf ein Wohnhaus, ein anderer Baum auf einen Pferdestall. Und auf dem Bodensee erlitt ein Segelboot bei Hard Mastbruch. Verletzt wurde niemand.

Die Gewitterfront zog auch weiter Richtung Memmingen.

Unwetterwarnung: Wetterdienst warnt vor schwerem Gewitter im Allgäu

Dem Allgäu steht ein weiterer Nachmittag mit Gewittern bevor. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Dienstagvormittag berichtete, ziehen aus Südwesten lokal schwere Gewitter heran. Sie bringen teilweise heftigen Starkregen zwischen 25 und 40 Litern pro Quadratmeter in kurzer Zeit mit. Auch Sturmböen um 85 Stundenkilometer und Hagel mit zwei Zentimeter großen Körnern seien möglich.

"Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass sich eine nordostwärts ziehende Gewitterlinie formiert. Dann ist lokal extrem heftiger Starkregen bis 60 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit, orkanartige Böen um 115 Stundenkilometer, sowie Hagel bis vier Zentimeter und größere Hagelansammlungen möglich", hieß es in der Vorabinformation des DWD.

Am späten Abend schwächten sich die Gewitter dann ab.

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Brutale Naturgewalt: Zahlen und Fakten zu Gewitter

Die Vorabinformation des DWD vor Unwetter und schwerem Gewitter gilt heute am 29. Juni 2021 für die Zeit zwischen 14 und 22 Uhr und betrifft

  • Landkreis Ostallgäu
  • Landkreis Unterallgäu
  • Landkreis Oberallgäu
  • Lindau und Westallgäu
  • Kempten
  • Kaufbeuren
  • Memmingen

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Wasser, Schlamm, Sturmschäden: Wieder schwere Unwetter in vielen Teilen Deutschlands

Heftige Gewitter, Starkregen und Sturmböen hatten bereits in der Nacht zu Dienstag Feuerwehren und Rettungsdienste in mehreren Teilen Deutschlands auf Trab gehalten. Alleine in Stuttgart habe die Feuerwehr eigenen Angaben zufolge bis in die frühen Morgenstunden am Dienstag 330 Einsätze gezählt. Auch nach Angaben der Polizei am Dienstagmorgen habe in Stuttgart der anhaltende Starkregen und Wind dazu geführt, dass diverse Tunnel in kürzester Zeit mit Wasser vollliefen.

Auch über Rheinland-Pfalz und Teile Hessens zogen teils heftige Unwetter hinweg. In der Vorderpfalz habe es 265 Einsätze aufgrund des Starkregens binnen kurzer Zeit gegeben, teilte die Feuerwehr am frühen Dienstagmorgen mit. Allein im Stadtgebiet Ludwigshafen waren es demnach 84 Einsätze, die Wasser aus Keller und Wohnungen gepumpt oder umgestürzte Bäume beseitigt haben.

Auch in Bayern wütete das Unwetter am späten Abend bis tief in die Nacht. Innerhalb kürzester Zeit waren 101 Feuerwehr- und 25 Rettungsdiensteinsätze im Einsatz, wie die Stadt Würzburg mitteilte. Die Kräfte beseitigten demnach umgestürzten Bäumen, sicherten herumfliegenden Teile, pumpten vollgelaufene Keller aus und sicherten überflutete Fahrbahnen ab.

Wetteraussichten im Allgäu: eher schlecht

Die Sommerhitze macht im Allgäu in den kommenden Tagen erst einmal Pause. Bis Ende der Woche erwarten die Meteorologen Temperaturen zwischen 17 und 21 Grad, Wolken und immer wieder Regen. Mehr zum aktuellen Wetter im Allgäu mit Unwetterwarnungen und Regenradar lesen Sie in unserem Wetter-Special.