Neues Schauspiel im Landestheater

Vergnügliches Familienstück - auch wenn es nur online zu sehen ist

Unterhaltsames Familienstück per Stream aus dem Landestheater: (von links): Anke Fonferek, Franziska Roth, David Lau und Jens Schnarre.

Unterhaltsames Familienstück per Stream aus dem Landestheater: (von links): Anke Fonferek, Franziska Roth, David Lau und Jens Schnarre.

Bild: Forster

Unterhaltsames Familienstück per Stream aus dem Landestheater: (von links): Anke Fonferek, Franziska Roth, David Lau und Jens Schnarre.

Bild: Forster

Das Familienstück „In einem dunklen tiefen Wald“ ist ein kurzweiliges Vergnügen. Das Landestheater streamt das Schauspiel von Paul Maar.
08.04.2021 | Stand: 05:45 Uhr

In einem tiefen dunklen Wald kommt alles anders als man denkt. In Paul Maars gleichnamigem Kinderbuch leben brummige Ungeheuer vegetarisch, und Prinzen müssen nicht immer männlich sein. Der bekannte Schöpfer des Sams stellt in seinem Buch von 1999 so manches Klischee auf den Kopf und spielt lustvoll mit den Erwartungen, die wir gemeinhin an Märchen haben. Das Landestheater Schwaben nimmt sein Spiel nicht minder lustvoll auf und hat die Geschichte der Prinzessin Henriette-Rosalinde-Audora beschwingt und heiter auf die Bühne gebracht.

Leider haben dabei wegen der Pandemie keine aufgeregten Kinderscharen zugesehen, sondern nur ein paar Kameras, die die bezaubernde Aufführung in Memmingen aufzeichneten. Doch auch als Stream, der im April zu buchen ist, bewahrt die Inszenierung von Julia Dina Heße ihren Charme und Witz. Ein gut aufgelegtes Ensemble und das lichtbetonte Bühnenbild von Franziska Isensee transportieren über die Mattscheibe viel Atmosphäre und machen die Online-Übertragung zu einem kurzweiligen Vergnügen.

Anke Fonferek spielt die verwöhnte Prinzession Henriette

Die Inszenierung kommt mit vier Schauspielern aus. Sie schlüpfen in unterschiedliche Rollen und fungieren auch als Erzähler. Anke Fonferek ist die verwöhnte Prinzessin Henriette, die mit allen ihren Brautwerbern unzufrieden ist. Man hätte gern die Wirkung auf die Kinder miterlebt beim Aufmarsch von Tritonus von Operette, der falsch singt, von Pups von Pubslingen, der lautstark die Luft verpestet, und von Prinz Albern von Kichernburg, der ständig lacht, auch wenn es nicht lustig ist.

Spielfreude bis zum Schluss

Doch von den fehlenden Reaktionen lassen sich die Schauspieler nicht entmutigen. Bis zum Schluss zeigen sie Spielfreude und Präsenz. Rhythmische Klangcollagen aus lautmalerischen Geräuschen und straff aufeinander abgestimmte Sätze geben dem Stück immer wieder Tempo. Auch kleine musikalische Einlagen von Franziska Roth als Prinzessin Simplinella und David Lau als Küchenjunge Lützel und die Musik für die Szenenübergänge von Anselm Dalferth machen das Stück zu einem akustischen Vergnügen.

Die von ihren Bewerbern enttäuschte Prinzessin Henriette jedenfalls begibt sich tief im dunklen Wald in die Obhut eines vegetarischen Ungeheuers, damit endlich ein würdiger Prinz komme, um sie zu befreien.

Das Königreich ist so klein, dass Prinzessin Simplinella nicht einmal Besuch empfangen kann

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Pandemie

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Prinzessin Simplinella verkleidet sich wie in Shakespeares „Wie es euch gefällt“ als Mann und macht sich als Prinz Simpel auf die Suche nach Henriette, die nicht zufällig auch Rosalinde heißt. Simplinella erhofft sich mehr Land von der Errettung, denn ihr eigenes Königreich ist so klein, dass sie nicht einmal Besuch dort empfangen kann.

Doch im Wald kommt alles ganz anders. Auch Jens Schnarre als gutherziges Monster an der Schwelle zum Sprechen hält noch eine Überraschung bereit. Das Stück schließt mit einer Sehnsucht, die zur Pandemie passt: Alle wollen sich am liebsten gegenseitig besuchen und etwas gemeinsam unternehmen. Auch am Bildschirm ist das Märchen ein unterhaltsamer Spaß für wechselhafte Apriltage.