Weltgedenktag für Straßenverkehrsopfer

Verkehrstote im Allgäu und Umgebung: Warum weniger Menschen starben - und wo die meisten Unfälle passieren

Ein Kreuz, Kerzen oder Blumen am Straßenrand weisen meist darauf hin, dass dort ein Mensch bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.

Ein Kreuz, Kerzen oder Blumen am Straßenrand weisen meist darauf hin, dass dort ein Mensch bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.

Bild: Julian Stratenschulte, dpa (Symbolbild)

Ein Kreuz, Kerzen oder Blumen am Straßenrand weisen meist darauf hin, dass dort ein Mensch bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.

Bild: Julian Stratenschulte, dpa (Symbolbild)

Jährlich sterben zahlreiche Menschen auf deutschen Straßen, auch im Allgäu. Doch trotz steigender Zahl der Verkehrsteilnehmer, gibt es weniger Verkehrsopfer.
18.11.2020 | Stand: 07:52 Uhr

Ein kleines Kreuz am Straßenrand, ein schwach flackerndes Licht neben dem Radweg oder ein allmählich verwelkender Blumenstrauß am Fuße eines Baums: Es sind symbolische Erinnerungen - und Mahnung zugleich. Denn jedes Jahr verunglücken zahlreiche Menschen im Straßenverkehr. Am Weltgedenktag für Straßenverkehrsopfer wird den Verunglückten gedacht.

Allein im Gebiet des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West haben 33 Menschen im Jahr 2020 im Straßenverkehr ihr Leben verloren (Stand: 11. November). Darunter Unfälle auf Straßen, Gehwegen, Radwegen und weiteren. "Im Vergleich zum letzten Jahr ist das ein Tiefstand", sagt Dominic Geißler. Der Pressesprecher des Polizeipräsidiums erklärt, wie sich die Unfallzahlen in der Region entwickelt haben, wo die meisten Verkehrsunfälle passieren und was die Hauptursachen sind.

Vor allem während des ersten Corona-Lockdowns im März sei die Zahl an Verkehrsunfällen deutlich zurückgegangen. Dies liege an dem reduzierten Verkehrsaufkommen während des Lockdowns, welches in der Grafik beispielhaft für die A7 bei Füssen dargestellt ist.

Verkehrsopfer im Allgäu und Umgebung in den vergangenen Jahren

Zum Vergleich: Im Jahr 2019 kamen auf den Straßen im Süden und Westen Schwabens insgesamt 46 Menschen ums Leben. 2016 waren es sogar 73 und 2011 gab es 69 Verkehrstote im Allgäu und Umgebung.

In ganz Bayern sank die Zahl der Verkehrsopfer im Jahr 2019 auf 542 - der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnung vor 60 Jahren. Gleichzeitig sei jedoch die Zahl der gesamten Verkehrsteilnehmer im Jahr 2019 gestiegen, teilte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann Anfang des Jahres auf einer Pressekonferenz mit.

Wegen des zunehmenden Reiseverkehrs zur Urlaubszeit passieren laut Geißler in den Sommermonaten mehr Verkehrsunfälle. Das betrifft konkret die Monate Juli bis Oktober. Doch auch bei stark winterlichen Bedingungen nehmen die Unfallzahlen zu.

Verkehrstote im Allgäu: Die Jungen sind nicht häufiger an Verkehrsunfällen beteiligt

Dass, wie oft behauptet, besonders viele junge Menschen an Verkehrsunfällen beteiligt sind, lässt sich laut dem Polizeisprecher nicht feststellen. Auch alte Menschen seien nicht auffällig öfter in Verkehrsunfälle verwickelt als beispielsweise die Middle-Ager. "Im Altersbereich von 25 Jahren bis ins Seniorenalter sind alle ungefähr gleichmäßig vertreten", sagt Geißler. Allerdings, so der Polizeisprecher, sind die Altersgruppen unterschiedlich stark am Straßenverkehr beteiligt.

Während viele Junge, wie beispielsweise Studenten, noch gar kein Auto oder Motorrad haben und daher eher auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen, haben viele Ältere bereits mit dem Autofahren aufgehört. Am stärksten im Straßenverkehr vertreten sei daher die Gruppe der Mittelalten.

Deshalb verwundert es nicht, dass die 18- bis 24-Jährige laut Geißler im Schnitt nur halb so oft in Verkehrsunfälle verwickelt sind. "Das liegt auch daran, dass für junge Verkehrsteilnehmer strengere Vorschriften gelten". Seit die Null-Promille-Regel für Fahranfänger und Menschen unter 21 Jahren greift, gebe es laut dem Polizeisprecher viel weniger der sogenannten "Diskounfälle". Früher sei es öfter vorgekommen, dass junge Erwachsene nach dem Feiern betrunken mit dem Auto oder Moped nach Hause gefahren sind.

Wo liegen die Unfallschwerpunkte im Allgäu?

Einzelne Straßen oder Streckenabschnitte im Allgäu, auf denen besonders viele Unfälle passieren, lassen sich laut Dominic Geißler nicht benennen. Im Sommer allerdings seien vor allem die bei Motorrad-Fahrern beliebten Pässe, wie der Riedbergpass oder der Oberjoch-Pass, von steigenden Unfallzahlen betroffen. "Generell passieren viele Unfälle auf Landstraßen, weshalb wir dort auch vermehr Geschwindigkeitsmessungen durchführen."

Die Stadt Füssen hat bereits auf das dortige Raserproblem reagiert. An manchen Stellen wird deswegen vermehrt kontrolliert.

Die häufigsten Ursachen für Verkehrsunfälle in der Region

Die Ursachen für Unfälle im Straßenverkehr können vielseitig sein, jedoch lassen sich laut Geißler einige Punkte identifizieren, die besonders häufig zu Verkehrsunfällen führen, wenn sie nicht beachtet werden.

  • Vorfahrt missachtet
  • Sicherheitsabstand nicht eingehalten (vor allem bei Stau)
  • Geschwindigkeit nicht der Strecke und Witterung angepasst
  • Alkohol- und Drogen konsumiert
  • Wenden und Rückwärtsfahren, was häufig zu den typischen "Parkremplern" führt

Um Verkehrsunfällen vorzubeugen, führt die Polizei auch im Allgäu regelmäßig Kontrollen durch. Laut Geißler helfen aber auch gesellschaftliche Strömungen dabei, dass die Unfallzahlen immer weiter zurückgehen. "Die Menschen sind beispielsweise gesundheitsbewusster, trinken daher weniger Alkohol, was zu weniger alkoholbedingten Verkehrsunfällen führt."

Häufig in Verkehrsunfälle verwickelt sind Fahrradfahrer, von denen jährlich zahlreiche im Allgäu verunglücken. In Memmingen gab es beispielsweise im Jahr 2019 etwa 132 Unfälle, bei den Radfahrer beteiligt waren. Davon waren allerdings nur 60 Radfahrer Hauptverursacher der Unfälle. Die Aufteilung der Unfälle im Allgäu nach Fortbewegungsarten für die Jahre 2018 und 2019 fasst unsere Grafik zusammen.

Schwere Verkehrsunfälle bei Sulzberg im Oberallgäu

Es gibt einen Ort im Allgäu, in dem es 2020 häufiger zu schweren Unfällen kam: Sulzberg im Oberallgäu. Im August prallte dort ein 74-jähriger Oberallgäuer gegen einen Baum. Er verletzte sich schwer und musste in ein Krankenhaus geflogen werden.

Besonders tragisch war ein Unfall mit drei jungen Menschen. Der 18-jährige Fahrer kam bei starkem Regen von der Fahrbahn ab und knallte mit seinem Wagen gegen einen Baum. Er und sein 17-jähriger Beifahrer sowie seine 16-jährige Schwester wurden dabei schwer verletzt. Die drei hatten wohl einen riesen Schutzengel. Sie erholten sich gut von den Folgen des Unfalls.

Ebenso traf es einen 23-jährigen Motorradfahrer in Sulzberg. Das Auto einer 42-Jährigen war mit dem jungen Mann auf seinem Motorrad zusammengestoßen. Die Frau hatte den Motorradfahrer übersehen.

Mitte August verlor zudem eine 31.Jährige bei einem schweren Unfall bei Sulzberg ihr Leben. Ihr Auto war mit dem Anhänger eines Traktors zusammengeprallt.

Der Wagen der drei Jugendlichen vom Unglück in Sulzberg war stark zerstört. Alle Insassen überlebten den Unfall.
Der Wagen der drei Jugendlichen vom Unglück in Sulzberg war stark zerstört. Alle Insassen überlebten den Unfall.
Bild: Ralf Lienert