So müssen Wanderer und Alpen handeln

Was passiert, wenn Kühe sich in den Bergen verletzen?

Wenn Rinder sich auf der Alp verletzen, gibt es vom Veterinäramt bestimmte Vorgaben, wie Älpler handeln müssen.

Wenn Rinder sich auf der Alp verletzen, gibt es vom Veterinäramt bestimmte Vorgaben, wie Älpler handeln müssen.

Bild: Ralf Lienert (Symbolbild)

Wenn Rinder sich auf der Alp verletzen, gibt es vom Veterinäramt bestimmte Vorgaben, wie Älpler handeln müssen.

Bild: Ralf Lienert (Symbolbild)

Viele Rinder im Allgäu verbringen den Sommer auf der Alp. Dass sich dabei auch Tiere verletzen, gehört dazu. Eine Alpwirtin erklärt, was dann passiert.

10.08.2020 | Stand: 07:09 Uhr

Kühe gehören zu den Allgäuer Alpen - sie machen das Bild der Idylle perfekt. Getrübt wird dieser Anblick allerdings dann, wenn eines der Tiere humpelt oder offensichtliche Verletzungen hat. Und doch gehört auch das zum Alpsommer - das bestätigt auch Hüttenwirtin Monika Gomm: "Ein Alpsommer ohne verletztes Vieh - das gibt es nicht."

Kleinere Verletzungen kommen bei Rindern in den Alpen öfter vor

Gomm betreibt die Alpe Obere Kalle bei Immenstadt, dort verbringen auch 70 Jungrinder jedes Jahr den Sommer. Gerade kleinere Verletzungen kommen öfter vor, berichtet die Wirtin: "Es gibt zum Beispiel eine Augenerkrankung, die kann man ganz gut selber behandeln." Umgangssprachlich heißt diese Krankheit "Äugler", Insekten legen dabei Eier in die Augen der Kühe ab. "Mit einer Salbe kann man das aber gut behandeln", sagt Gomm. Ihr erster Schritt ist dabei immer, das Rind in den Stall zu holen. "Da muss es dann ein paar Tage bleiben, bis es ihm wieder besser geht."

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Ist ein Tier verletzt im Stall, soll es in Haltungseinrichtungen mit trockener und weicher Einstreu oder wenigstens trockener und weicher Unterlage von den anderen getrennt untergebracht werden. So lautet die Vorgabe vom Veterinäramt Oberallgäu. "Viele Alpen haben Schutzhütten für das Vieh, wo auch ein verletztes Tier mit vereinten Kräften ausreichend vieler Helfer hingebracht werden kann", sagt Pressesprecherin Brigitte Klöpf.

Für Alphirten gilt laut dem Veterinäramt Oberallgäu das, was für alle Tierhalter gilt: "Leichte Verletzungen können von einem versierten Tierhalter selbst behandelt werden, wenn er den Behandlungserfolg so oft wie nötig, mindestens aber täglich, kontrolliert und der Heilungsforschritt schnell sichtbar wird."

Wie kommt der Tierarzt zu einer verletzten Kuh in den Alpen?

Monika Gomm hat allerdings auch schon Situationen erlebt, in denen sie nicht mehr in der Lage war, die Verletzung eines Tieres zu behandeln. "Da muss dann der Tierarzt kommen", sagt sie. Zur Oberen Kalle führt - wie zu vielen Alpen mittlerweile - eine schmale Straße. "Viele Alpen können inzwischen mit Allradfahrzeugen angefahren werden, so dass ein Tierarztbesuch möglich ist.  Die zusätzlichen Kosten für den hohen Zeitaufwand des Tierarztes dürfen nicht dagegen sprechen", ist auch die Vorgabe vom Landratsamt. Kommt man mit dem Auto nicht hin, muss der Hubschrauber fliegen. 

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Im schlimmsten Fall muss der Tierarzt das Rind einschläfern - auch auf der Oberen Kalle gab es diesen Fall in diesem Sommer leider schon: "Ein Rind hat sich den Fuß gebrochen, da kann man dann natürlich nicht mehr viel tun. Wir sprechen dabei aber natürlich zuerst mit dem Bauern, dem das Rind gehört", betont Monika Gomm. Als Alpwirte sind sie und ihr Mann Bernhard zwar verantwortlich für die Tiere, sie gehören ihnen aber nicht. "Außerdem entscheidet immer der Tierarzt, ob das Rind eingeschläfert wird." 

Sollte auf die Schnelle kein Tierarzt auf die Alp kommen können, darf auch eine "erfahrene Person die Nottötung durch Betäubung mit dem Bolzenschussapparat und anschließender Entblutung wie bei der Schlachtung durchführen", heißt es vonseiten des Veterinäramtes Oberallgäu. 

Tote Tiere müssen so schnell wie möglich abtransportiert werden

Stirbt ein Rind auf der Oberen Kalle, muss ein Mitglied des Alp-Teams das Rind mit dem Traktor ins Tal bringen: "Da holen die von Kraftisried das dann ab", erklärt Gomm. Sie meint damit die Mitarbeiter der Tierkörperbeseitigungsanstalt Berndt in Kraftisried. Spätenstens am nächsten Tag sollte das Rind im Tal sein.

Doch was, wenn niemand das Tier transportieren kann? "Dann ist beim Landratsamt eine Genehmigung zur Hubschrauberbergung des getöteten Rindes einzuholen", erklärt Pressesprecherin Klöpf. "Die Genehmigung wird schnell und problemlos erteilt, wenn ein Tierkörper nicht anders zu bergen ist. Ein spezialisiertes Hubschrauberunternehmen ist im Landkreis Oberallgäu ansässig und verfügbar." Auch die Sprecherin bezieht sich auf die Firma Berndt.

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Kann man ein verletztes Tier denn auch schlachten und das Fleisch dann essen? Ja, das geht, sagt Klöpf, aber: "Allerdings muss das verletzte Tier noch vor der Schlachtung unbedingt von einem Tierarzt untersucht werden, damit das Fleisch des Tieres nach der Schlachtung in den Verkehr gebracht werden darf. Dies ist nur in den seltenen Fällen denkbar, wo der Tierarzt schnell bei dem verletzten Tier sein kann und dem verletzten Tier keine zusätzlichen erheblichen Schmerzen und Leiden zugemutet werden." Für schwer verletzte Rinder auf der Alpe kommt deshalb eine Notschlachtung meist nicht in Frage, sondern nur die Nottötung.

Wanderer sollen sich sofort melden, wenn sie ein verletztes Rind sehen

Da Rinder sich in den Bergen oft auch verteilen, kommt es vor, dass die Verantwortlichen nicht sofort bemerken, wenn etwas passiert ist. Für Wanderer, denen ein verletztes Tier auffällt, gibt es also eine Regel: "Gleich in der Hütte Bescheid sagen", betont Monika Gomm.