Nach dem Lockdown

„Für Dozenten war die Situation prekär“ - So geht es Allgäuer Volkshochschulen jetzt

Die Volkshochschulen im Allgäu litten unter der Corona-Pandemie. Auch im Herbst- und Wintersemester läuft noch nicht alles normal.

Die Volkshochschulen im Allgäu litten unter der Corona-Pandemie. Auch im Herbst- und Wintersemester läuft noch nicht alles normal.

Bild: Mathias Wild

Die Volkshochschulen im Allgäu litten unter der Corona-Pandemie. Auch im Herbst- und Wintersemester läuft noch nicht alles normal.

Bild: Mathias Wild

Die Allgäuer Volkshochschulen kämpfen mit den Auswirkungen der Pandemie. In Kursen gelten strenge Regeln und Teilnehmerzahlen sind geringer.
22.10.2021 | Stand: 05:45 Uhr

Viele Kurse fanden im Lockdown nicht statt, einige wurden auf digitale Angebote umgestellt und die Teilnehmerzahlen brachen ein: Die Corona-Pandemie war und ist eine Herausforderung für die Volkshochschulen (vhs) im Allgäu. Sowohl die Schulen als auch die Dozenten litten unter finanziellen Einbußen.

Langsam erholen sich die Bildungseinrichtungen wieder. Trotzdem läuft das kommende Wintersemester beispielsweise an den Schulen in Kempten, Wangen und Memmingen nicht auf normalem Niveau.

Allgäuer Volkshochschulen: Kurse können nicht voll besetzt werden

Die Erwachsenenbildung an der Volkshochschule Kempten nimmt wieder Fahrt auf, sagt Leiter Peter Roth. Mit insgesamt 950 Kursen startete das neue Semester vor einigen Wochen. Die vhs Memmingen bietet 500 und die vhs Wangen 300 Kurse an. Zwar können alle Kurse – auch Koch-, Sprach- und Gymnastikkurse – wieder stattfinden. Allerdings mit Einschränkungen: „Es gelten weiterhin Abstandsregeln“, sagt Michael Trieb, Leiter der vhs Memmingen.

Dadurch könnten die Veranstaltungen teilweise nur mit halb so vielen Teilnehmern wie üblich besetzt werden. Einige Interessierte bekämen keinen Platz und zeigten dafür manchmal wenig Verständnis. Andererseits hielten die 3G-Regeln, die Unsicherheiten und die Angst vor Ansteckungen manch einen davon ab, sich überhaupt erst anzumelden. In Wangen wurden laut vhs-Leiter Lorenz Macher sogar Kurse wegen zu wenig Anfragen abgesagt. Bei der vhs in Kempten sind 70 Prozent der Plätze besetzt, sagt Roth. (Lesen Sie auch: Volkshochschule Ostallgäu präsentiert neues Programm: 400 Veranstaltungen sind geplant)

Weniger Teilnehmer bedeuten weniger Einnahmen für die Volkshochschulen: Das Honorar für Dozenten sei fest kalkuliert und die Fixkosten für Räume blieben auch gleich, sagt Roth. Am Überschuss – dem Geld, das nach Abzug dieser Kosten übrig bleibe – verdiene die Volkshochschule.

vhs Kempten, Memmingen und Wangen kommen gut durch die Pandemie

Lesen Sie auch
##alternative##
Veranstaltungstipps

Memminger Meile, Wanderungen und APC Sommerfestival: Das können Sie diese Woche im Allgäu unternehmen

Obwohl der Kursbetrieb „noch nicht auf Hochtouren läuft“, wie Roth sagt, sei er froh, dass die Lage sich wieder beruhigt habe. Die vhs Kempten sei gut durch den Lockdown gekommen. Vor allem wegen der staatlichen Hilfen. „Ohne hätten wir wirklich Probleme gehabt.“ Durch die Kurzarbeit habe die vhs Memmingen ihre fest angestellten Mitarbeiter halten können. Und auch die Volkshochschule in Wangen habe sich durch geringere Ausgaben und staatliche Förderungen über Wasser gehalten, sagt Leiter Lorenz Macher.

„Für Dozenten war die Situation dagegen prekär“, sagt Macher. Wenn die Veranstaltungen ausfielen, bekamen die Kursleiter kein Geld. Nach der „langen Durststrecke“ hätten viele eine Festanstellung gesucht und die Volkshochschulen verlassen. „Jetzt haben wir Probleme, die Kurse zu besetzen.“ (Lesen Sie auch: vhs Kempten veröffentlicht neues Programm mit 900 Veranstaltungen)

Online-Kurse an der vhs ergeben manchmal mehr Sinn

Früher seien im Winterprogramm der vhs Kempten nur zwischen fünf und zehn Online-Kurse angeboten worden, sagt Roth. „Im aktuellen Programm sind es gut 200.“ Denn: Manche Kurse ergeben laut dem Schulleiter online tatsächlich mehr Sinn. Virtuelle Vorträge bieten die Möglichkeit, Referenten einzuladen, die „nie nach Kempten kommen würden“ – zum Beispiel den Philosophen Julian Nida-Rümelin. Auch Hybrid-Veranstaltungen, bei denen einige Teilnehmer von zuhause aus mitmachen und andere vor Ort sind, haben Vorteile, sagt Macher. „So können zum Beispiel ungeimpfte Menschen trotzdem beim Yoga mitmachen, ohne jede Woche einen Test vorweisen zu müssen.“

Dennoch seien virtuelle Kurse nur eine Ergänzung. „Die vhs lebt davon, dass Menschen sich treffen und diskutieren“, sagt Roth. Menschen bräuchten den Austausch. Das habe die Pandemie deutlich gemacht. „Ich bin zuversichtlich, dass die Erwachsenenbildung nach der schweren Zeit einen richtigen Schub bekommt.“

Lesen Sie auch: