Kempten

Viel mehr als nur Blumen

Floristen

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Bild: Martina Diemand

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Veranstaltung Weiße Anemonen und Chrysanthemen: Angehende Floristen der Berufsschule Kempten kümmern sich dieses Jahr um die Dekoration für den Allgäuer Presseball. Schon jetzt wird fleißig geübt – und die Zeit gestoppt
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Von Stefanie Gronostay
10.01.2020 | Stand: 17:40 Uhr

Vier Minuten: So lange dauert es, bis Janina Mayer eine der kleinen Vasen mit den weißen Rosen bestückt hat. Das Grünzeug muss weg, der Stiel angeschnitten, das Wasser in die Vasen gefüllt und die Blumen locker eingesteckt werden. An diesem Tag proben die 16-Jährige und ihre Klassenkameraden von der Floristenklasse der Kemptener Berufsschule noch. Doch beim Allgäuer Presseball am Samstag, 15. Februar, darf dann nichts mehr schief gehen. Dann müssen die Schüler nämlich 400 Vasen mit Blumen bestücken – und das in sechs Stunden.

Betritt man in diesen Tagen das Gewächshaus der Berufsschule Kempten, sieht man schon von Weitem zwei große Säulen – über und über mit Blumen verziert. Rosen, Efeu, Lisianthus und Chrysanthemen ranken sich in über zwei Meter Höhe. Es riecht nach Pflanzen und frischer Erde. Mittendrin stehen die Schüler der elften Klasse mit Messern und Scheren – sie schneiden, stecken, richten, drapieren. Es ist das erste Mal, dass sie zusammen mit der zehnten und zwölften Klasse die Blumendeko für den Allgäuer Presseball gestalten. „Und wir freuen uns darauf zu zeigen, dass wir was können“, sagt ihre Fachpraxislehrerin Andrea Friedling.

Dass die angehenden Floristen was können, wird schnell klar, wenn man die Blumenarrangements sieht, die überall im Raum verteilt stehen. „Die Blumendekoration für den Presseball wird so ähnlich“, sagt die 19-jährige Angela Mooshofer, während sie einen Efeu-Zweig in eine der Säulen einarbeitet. Die Schülerin liebt ihre Ausbildung, in der sie sich frei entfalten könne. „Es ist ein schönes Gefühl, die eigenen Ideen miteinbringen zu können“, sagt sie. „Und man sieht auch gleich das Ergebnis seiner Arbeit.“ Für die Lehrstellenbörse in Kempten im vergangenen Jahr beispielsweise haben die Schüler eine Wolke gemacht – „eine Wolke aus Schleierkraut, das von der Decke herabhing“, erinnert sich Mooshofer. Das sei toll gewesen.

Es sind Projekte wie diese, bei denen sich die Schüler kreativ austoben können, aber auch ungemein davon profitieren, wie ihre Lehrerin Freudling sagt. „Es steckt nämlich so viel mehr dahinter als nur Blumen.“ Man nehme nur mal den Tischschmuck: „Er darf den Gast beim Essen nicht stören“, sagt Freudling. Zudem muss der Schmuck niedrig genug sein, sodass man sein Gegenüber noch sieht. „Wir haben uns deshalb für kleine Vasen entschieden und Blumen im klassischen und modernen Stil“, sagt Freudling. Bei der Farbwahl müsse der Raum, in dem die Veranstaltung stattfindet, miteinbezogen werden.

Welche Farben passen zum Rest der Dekoration? Wie sind die Gegebenheiten vor Ort? Welche Hilfsmittel stehen zur Verfügung? „Das sind alles Fragen, die in der Planung berücksichtigt werden müssen“, sagt Freudling.

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Mitte Februar findet der Allgäuer Presseball statt. „Ein Datum, bei dem in der Floristikbranche alle Glocken klingeln“, sagt Freudling und lacht. Der Grund: Ein Tag vorher ist Valentinstag. „Rote Blumen wären also keine gute Idee.“ Denn am Tag der Liebenden sind rote Rosen und Blumen im Allgemeinen sehr gefragt. Der Preis werde dafür also höher sein als normal. Zudem könne es zu Lieferproblemen kommen. Beim Presseball werden die Farben weiß und grün dominieren. „Nun werden wir die Abläufe üben und durchspielen“, sagt Freudling. Vier Minuten für das Herrichten der Vasen, Laufwege inklusive: Die Schüler machen die Dekoration erst am Tag der Veranstaltung – und das vor Ort. „Das wird für Aufregung sorgen.“

Die Auszubildenden sind stolz, das Projekt umsetzen zu dürfen. Die Berufsschule hofft dadurch, neue Lehrlinge für den Floristik-Beruf begeistern zu können. Für einen Beruf, der so viele Möglichkeiten bietet, wie Freudling sagt. „Auch unsere Branche leidet unter dem Fachkräftemangel“, fügt sie hinzu. Zudem würden viele kleine Betriebe schließen. „Doch wenn man Fahrtweg in Kauf nimmt, findet man durchaus was“, sagt Freudling. Stellen gebe es etwa im Raum München. Man könne sich aber beispielsweise auch für die Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff entscheiden.