Brände im Allgäu

Vier Feuer in drei Tagen im Allgäu: Was steckt dahinter?

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Im Ostallgäuer Pforzen hat es am späten Montagabend gebrannt. Den Schaden an einer Biogas- und Photovoltaik-Anlage beziffert die Polizei auf 500 000 Euro.

Bild: Fotos: Alexander Vucko

Im Ostallgäuer Pforzen hat es am späten Montagabend gebrannt. Den Schaden an einer Biogas- und Photovoltaik-Anlage beziffert die Polizei auf 500 000 Euro.

Bild: Fotos: Alexander Vucko

Die Kriminalpolizei spricht bezüglich der Brände von einer "ungewöhnlichen Häufung". Wie die Ermittler vorgehen und wann ein Spürhund ins Spiel kommt.
09.03.2021 | Stand: 18:06 Uhr

Erneut hat es am späten Montagabend im Allgäu gebrannt. In Pforzen nahe Kaufbeuren brach gegen 21.30 Uhr ein Feuer im Blockheizkraftwerk einer Biogasanlage aus und griff auf die darauf montierte Photovoltaik-Anlage über. Das Gebäude wurde teilweise und die darin befindlichen Maschinen größtenteils zerstört. Der Schaden liegt bei einer halben Million Euro. Die Feuerwehr Pforzen hatte den Brand rasch unter Kontrolle und verhinderte mit dem Besitzer der Anlage ein Übergreifen der Flammen.

Dieses Feuer ist der vierte Großbrand im Allgäu innerhalb von drei Tagen. Der Gesamtschaden dürfte nach einer ersten Schätzung bei etwa 1,9 Millionen Euro liegen. Ein Mensch wurde leicht verletzt. Doch bei dem Großbrand im Oberallgäuer Kranzegg kamen 50 Rinder ums Leben.

Polizei: Kein Hinweis auf Zusammenhang

Eine solche Häufung von Bränden innerhalb weniger Tage sei „absolut außergewöhnlich“, sagt Josef Ischwang, Chef der Kriminalpolizeiinspektion (KPI) Kempten. Die Dienststelle ist für Kempten, das Oberallgäu und Teile des Ostallgäus zuständig. Ischwang sagt aber auch, dass es bei den Bränden keinen Hinweis auf irgendeinen Zusammenhang gebe. Mit der Vorsicht eines Kriminalbeamten fügt er hinzu: „Bisher haben wir keinen Verdacht.“

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Große Brände im Allgäu 2021

Jährlich ereignen sich im Bereich der KPI Kempten 40 bis 50 Brände. Dabei kam vergangenes Jahr ein Mensch ums Leben, acht wurden verletzt. Etwa zwei Drittel aller Brände werden eindeutig geklärt. Das bedeutet, dass die Ursache hundertprozentig feststeht. Bei dem restlichen Drittel wurden die Akten noch nicht geschlossen. Oft können dabei heiße Spuren auftreten, die aber nicht zweifelsfrei einen technischen Defekt oder eine Brandstiftung belegen. Spezielle Brandermittler gibt es laut Ischwang bei jeder Kriminalpolizei-Inspektion. Sie könnten die meisten Fälle klären. Es gibt aber auch Brände, bei denen sie an ihre Grenzen kommen. Dann werden Spezialisten des Landeskriminalamts (LKA) angefordert. Das ist oft der Fall, wenn es Tote bei Bränden gibt oder die Spurenlage sehr unübersichtlich ist. Bei den LKA-Spezialisten handelt es sich nach den Worten Ischwangs vor allem um Chemiker, Physiker und Ingenieure. Gefragt sind sie beispielsweise dann, wenn Brandbeschleuniger gesucht werden und es darum geht, wo ein Feuer zuerst ausgebrochen ist. Oder wie es sich dann weiter ausgebreitet hat.

Und dann kommt Moritz

Kommen die menschlichen Ermittler nicht weiter, schlägt unter Umständen die Stunde von Moritz. So heißt der zweijährige Deutsche Schäferhund, der im Bedarfsfall vom Polizeipräsidium Augsburg ins Allgäu geholt wird. „Moritz ist ein ausgebildeter Brandmittelspürhund“, erläutert der Kemptener Polizeipräsidiumssprecher Holger Stabik. Der junge Rüde habe gerade erst seine Ausbildung abgeschlossen. Aufgabe der Brandmittelspürhunde ist es, Reste von Brandbeschleunigern zu finden. Bundesweit gibt es jährlich etwa 10 000 Brandstiftungen. Meist geht es um Versicherungsbetrug. Nur etwa die Hälfte dieser Fälle wird geklärt.

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