Kunst zur Allgäuer Festwoche

Vier Frauen räumen die Kunstpreise in Kempten ab

Vier Frauen gewannen die Kemptener Kunstpreise (von links): Cornelia Brader, Vero Haas, Julia Miorin und Kornelia Kesel. Sie stehen hinter der Installation "Papierhandtücher", für die Julia Miorin den Kunstpreis der Stadt Kempten erhielt.

Vier Frauen gewannen die Kemptener Kunstpreise (von links): Cornelia Brader, Vero Haas, Julia Miorin und Kornelia Kesel. Sie stehen hinter der Installation "Papierhandtücher", für die Julia Miorin den Kunstpreis der Stadt Kempten erhielt.

Bild: Ralf Lienert

Vier Frauen gewannen die Kemptener Kunstpreise (von links): Cornelia Brader, Vero Haas, Julia Miorin und Kornelia Kesel. Sie stehen hinter der Installation "Papierhandtücher", für die Julia Miorin den Kunstpreis der Stadt Kempten erhielt.

Bild: Ralf Lienert

Julia Miorin, Cornelia Brader, Vero Haas und Kornelia Kesel werden bei der Festwochen-Ausstellung in Kempten ausgezeichnet. Ihre Werke sind total verschieden.
06.07.2022 | Stand: 15:55 Uhr

Alle vier Kunstpreise der Ausstellung zur Allgäuer Festwoche in Kempten gehen diesmal an Frauen. Julia Miorin, aufgewachsen bei Memmingen und nun in Leipzig lebend, gewinnt den mit 5000 Euro dotierten Kunstpreis der Stadt Kempten. Die Memminger Künstlerin Cornelia Brader erhält den Thomas-Dachser-Gedenkpreis (4000 Euro). Den mit 3000 Euro dotierten Förderpreis der Zorn-Stiftung bekam die Studentin Vero Haas aus Krugzell (bei Kempten) zugesprochen. Über ein Ausstellungsstipendium der Sparkasse Allgäu in Höhe von 2000 Euro darf sich die Kemptener Künstlerin Kornelia Kesel freuen.

147 Kunstschaffende hatten Werke eingereicht - weniger als früher

Öffentlich zu sehen sind die Werke der vier Frauen allerdings erst ab dem 13. August. An diesem Tag startet die 71. Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche im Hofgartensaal der Kemptener Residenz – und läuft dann bis 11. September. In der Residenz werden außerdem 59 weitere Werke von jeweils 24 Künstlerinnen und Künstlern präsentiert – ausgewählt von einer Jury, der unter Vorsitz von Oberbürgermeister Thomas Kiechle sechs Expertinnen und Experten angehörten. Zwei Tage lang hatte sie sich 258 Werke angeschaut, eingereicht von 147 Kunstschaffenden, die entweder im Allgäu leben oder aus unserer Region stammen. Dass diese Zahl deutlich geringer ist als früher, führt Martin Fink, der Chef des organisierenden Kemptener Kulturamts, auf Corona zurück. „Es braucht offenbar Zeit, bis alles wieder anläuft“, sagt er.

Auch bei der Bewerberzahl hatten die Frauen übrigens die Nase vorn – freilich nicht ganz so deutlich wie bei den Auszeichnungen. 86 Künstlerinnen brachten Werke nach Kempten, bei ihren männlichen Pendants liegt die Zahl bei 61.

Die preisgekrönten Werke bilden fast die ganze Bandbreite der Kunstgattungen ab – worauf die Jury bei ihrer Festlegung durchaus schaut, wie Mitglieder durchblicken lassen. Julia Miorin, die in den vergangenen Jahren schon den Förderpreis und das Ausstellungsstipendium gewonnen hat, reichte diesmal eine Installation mit Papierhandtüchern ein, wie sie beispielsweise in Waschräumen zu finden sind. „Miorin reißt die Gegenstände aus ihrem Kontext heraus und gießt sie in eine neue Form, die ästhetisch ansprechend und der eigentlichen Funktion beraubt ist“, lobt die Jury in ihrer Begründung.

Das Werk der 1989 geborenen Künstlerin sei über die Materialität hinaus aber auch emotional ansprechend, „weil Assoziationen mit Personen und Orten entstehen und Erinnerungen hevorgerufen werden“. Julia Miorin sagt es so: „Meine Arbeitsweise ist ein Prozess des bedachten Auswählens, Umdeutens und Kombinierens.“

Pferd thront auf Hochsilo: Diese Plastik bringt Cornelia Brader aus Memmingen den Dachser-Gedenkpreis ein

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Eine vollkommen andere Arbeit hat Cornelia Brader, 1974 geboren, nach Kempten mitgebracht: eine Plastik („Cruisin’“), bei der ein Pferd auf einem Hochsilo thront. „Eine surreale Situation, die dem Betrachter Raum für eigene Interpretation lässt“, erklärt Brader. In der klassischen bildhauerischen Darstellung sei es ja genau umgekehrt: Da dienten Pferde als Sockel für Herrscher.

Sehr leise wirken dagegen die mit dem Förderpreis prämierten Grafiken der jungen Vero Haas: Die 29-Jährige überzeugte die Jury mit zwei Tuschearbeiten, die Landschaften zeigen. Intensiv und persönlich möchte sie die Welt betrachten, verarbeiten und sich aneignen. Im konkreten Fall beschäftigte sie „die Frage, wie wir uns zur Natur verhalten, als von der Umwelt abhängigen und doch von ihr entfremdeten Spezies.“

Kein Happy-End für den Froschkönig

Ausgerechnet die älteste im ausgezeichneten Frauen-Quartett erhält diesmal das Stipendium: Kornelia Kesel ist 67 Jahre alt und schon lange in der Kemptener Szene aktiv. Die Autodidaktin hat zwei Märchen als Vorlage für ihre augenzwinkernden Mischtechnik-Bilder genommen. Bei „Unhappy End“, das vom „Froschkönig“ inspiriert ist, wird aus dem Frosch kein Prinz, sondern ein Opfer: Eine schwarze Katze frisst ihn.