Qualifizierung

Vom Glück, als Handwerksmeister sein eigener Chef zu werden

Auch schwere Aufgaben gehören zu ihrer Arbeit: Zimmerermeisterin Anna-Maria Greis aus Roßhaupten auf einer Baustelle in Trauchgau (Kreis Ostallgäu).

Auch schwere Aufgaben gehören zu ihrer Arbeit: Zimmerermeisterin Anna-Maria Greis aus Roßhaupten auf einer Baustelle in Trauchgau (Kreis Ostallgäu).

Bild: Benedikt Siegert

Auch schwere Aufgaben gehören zu ihrer Arbeit: Zimmerermeisterin Anna-Maria Greis aus Roßhaupten auf einer Baustelle in Trauchgau (Kreis Ostallgäu).

Bild: Benedikt Siegert

Handwerkskammer Schwaben verleiht Meisterbriefe in Kempten. Anna-Maria Greis aus Roßhaupten schlägt mit ihrem Abschluss einen besonderen Weg ein.
16.10.2021 | Stand: 05:45 Uhr

„Die sichersten Wertpapiere gibt es immer noch im Handwerk“: Unter diesem Motto stand die Meisterfeier der Handwerkskammer für Schwaben (HWK) am Freitagabend in der Bigbox Kempten. In 16 Handwerken hatten 86 Frauen und 481 Männer ihre Meisterprüfung abgelegt.

Deutlich angestiegen ist im Vergleich zu den Vorjahren der Anteil der Meisterinnen. Eine von ihnen ist Anna-Maria Greis aus Roßhaupten im Ostallgäu. Greis hat nach ihrem Abitur eine Schreinerausbildung absolviert. Dann eine zweite als Zimmererin im elterlichen Betrieb. Jetzt, mit nur 24 Jahren, darf sie sich Zimmerermeisterin nennen. Für Greis kein Zufall: Sie hatte seit längerem den Titel zum Ziel. Denn mit diesem kann sie jetzt auch ihr Handwerk ausüben, ohne fünf Tage die Woche auf dem Bau zu stehen. Obwohl sie das Arbeiten am Gerüst und an der frischen Luft an ihrem Beruf so schätzt. „Ich war seit Jahren nicht wirklich krank,“ erklärt sie einen der Vorteile ihrer Arbeit. Eine Ausbildung in einem Bürojob sei für sie aber nie Thema gewesen. „Viel Schminke und Hosenanzug – das ist nichts für mich.“

Drei Tage ist Anna-Maria Greis auf dem Bau, zwei Tage unterrichtet sie

Dennoch ist sie froh über ihre neue Tätigkeit als Lehrerin an einer Berufsschule in der Herzogsägemühle in Peiting (Landkreis Weilheim-Schongau). Dank des Meistertitels kann sie dort seit diesem September unterrichten. Zwei Tage Schule, drei Tage Bau: Für Greis die optimale Mischung. Die 24-Jährige entspricht nicht unbedingt dem Klischee eines kräftigen Zimmerers. Im Gegenteil. Greis ist eine schmale Frau, die in diesem Beruf auch an ihre körperlichen Grenzen stößt. Denn das sei für sie schlicht Fakt: Der Beruf des Zimmerers ist eine körperliche Herausforderung. Wer es aber wirklich will, sagt Greis, und wenn der Betrieb etwas Rücksicht nimmt, dann sei der Job auch für Frauen etwas.

Bei der Verleihung der Meisterbriefe waren HWK-Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner sowie Präsident Hans-Peter Rauch und seinen Stellvertretern Paul Brugger und Konrad Rebholz die Freude anzumerken, endlich wieder eine Präsenzveranstaltung in würdigem Rahmen zu haben. Das „Wertpapier Meisterbrief“ griff Rauch auf: „Ihr kostbarstes Kapital sind Ihre Fähigkeiten und die sind keinem Kurs unterworfen. Ihr Meisterbrief ist in der Regel nicht nur wertbeständig, sondern wirft durch Ihren Fleiß und Ihr Können eine hohe Rendite ab.“ Rauch erinnerte an die schwierige Situation: „Unter Coronabedingungen sind Ihre Leistungen noch viel höher zu bewerten.“

Handwerkspräsident fordert bessere finanzielle Unterstützung für angehende Meister

Rauch ging auch auf die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung ein. Bachelor und Meister seien zwar formal gleichwertig, doch auf der Kostenseite herrsche immer noch kein Gleichgewicht. Er lobte zwar, dass der Bund seit dem vergangenen Jahr höhere Zuschüsse für den Meisterkurs, die Prüfung und das Meisterstück zur Verfügung stelle. Doch im Sinne der Gleichwertigkeit sei noch Luft nach oben: „Ein Studium ist kostenfrei und daher muss eine Meisterausbildung zumindest noch kostengünstiger werden.“ Zwei Parteien, die derzeit über eine Regierungsbildung verhandeln, hätten dies in ihren Wahlprogrammen stehen. „Wir werden sie daran erinnern.“ Positiv wertete Rauch, dass der Freistaat Bayern den Meisterbonus vor zwei Jahren von 1500 Euro auf 2000 angehoben habe.

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Bei den jungen Meisterinnen und Meistern warb Rauch auch für die Selbstständigkeit. „Aus eigener Erfahrung sage ich Ihnen, dass es wunderbar ist, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und sein eigener Chef zu sein. Seien Sie mutig.“ Er zitierte aus einer Untersuchung, die feststellt, dass in Schwaben pro Jahr rund 400 Übernahmegründer auf 500 bis 600 übernahmefähige Betriebe treffen. „Da haben Sie hervorragende Chancen!“ Dazu passe die neueste Konjunkturumfrage der Handwerkskammer. Demnach bewerten rund 90 Prozent der schwäbischen Handwerksbetriebe ihre Geschäftslage mit gut und befriedigend.

Die besten Meister in Schwaben

In 16 Handwerken haben heuer 86 Frauen und 481 Männer ihre Meisterprüfung im Bereich der Handwerkskammer Schwaben abgelegt. Das sind die Besten:

  • Elektrotechniker: Leonhard Egger, Großaitingen
  • Feinwerkmechaniker: Marinus Johannes Angerer, Rottenbuch
  • Fleischer: Tobias König, Boxberg
  • Friseur: Monika Greiner, Augsburg
  • Installateur- und Heizungsbauer: Stefan Kaiser, Gessertshausen
  • Klempner: Marcel Lutz, Augsburg
  • Kraftfahrzeugtechniker: Stefan Kramer, Augsburg
  • Landmaschinenmechatroniker: Marco Enderes, Weiltingen
  • Maler und Lackierer: Frederick Krickl, Neuburg
  • Maurer und Betonbauer: Elias Kanefzky, Altenmünster
  • Metallbauer: Daniel Würzinger, Biberbach
  • Schreiner: Simon Achter, Obergriesbach
  • Zimmerer: Maximilian Kriegl, Olching