Namensgebung im Allgäu

Von Thiago bis Excel: So nennen Allgäuer ihre Kinder

Wie will ich mein Kind nennen? Die Allgäuer Eltern haben hier ganz unterschiedliche Ideen. Es gibt klare Trends und einige Ausreißer. (Symbolbild)

Wie will ich mein Kind nennen? Die Allgäuer Eltern haben hier ganz unterschiedliche Ideen. Es gibt klare Trends und einige Ausreißer. (Symbolbild)

Bild: Patrick Pleul, dpa (Symbolbild)

Wie will ich mein Kind nennen? Die Allgäuer Eltern haben hier ganz unterschiedliche Ideen. Es gibt klare Trends und einige Ausreißer. (Symbolbild)

Bild: Patrick Pleul, dpa (Symbolbild)

Wenn sich Nachwuchs ankündigt, stellt sich die Frage nach dem richtigen Namen. Doch was passend ist, darüber gehen die Vorstellungen auch im Allgäu auseinander.
01.02.2021 | Stand: 17:10 Uhr

Einer der spektakulärsten Namen des vergangenen Jahres war wohl "X Æ A-12" - so nannte Tesla-Erfinder Elon Musk seinen Sohn. Ein außergewöhnlicher Name. Ob der wohl auch im Allgäu zugelassen worden wäre? Der Füssener Standesbeamte Andreas Rösel bezweifelt das. Auch ihm ist dieser Fall in Erinnerung geblieben: "Der Name, den sich Elon Musk zuvor ausgesucht hatte, wurde sogar von den US-Behörden abgelehnt." Und dort kommen außergewöhnliche Namen laut Rösel wesentlich häufiger vor als im Allgäu.

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An den für ihn außergewöhnlichsten Namen des vergangenen Jahres kann Rösel sich noch ganz genau erinnern. "Thiago", sagt der Füssener Standesbeamte. "Die Eltern haben ihr Kind nach dem spanischen Mittelfeldspieler, der früher für den FC Bayern gespielt hat, benannt."

Solche außergewöhnlichen Namen kommen im Allgäu aber eher selten vor. Noch seltener wird der Namenswunsch der Eltern abgelehnt. Hier habe sich viel getan in den vergangenen Jahren. Ein Grund dafür sei die Globalisierung. Rösel sagt: "Früher wäre es undenkbar gewesen ein Kind Jesus zu nennen. Heute wäre das kein Problem mehr, weil das zum Beispiel in Brasilien ein gängiger Vorname ist." Auch Namen aus Filmen wie "Herr der Ringe" waren in den letzten Jahren öfter gefragt und meist auch machbar.

Der Rat zum Zweitnamen bei außergewöhnlichen Wünschen

Wenn ein Name gewünscht wird, mit dem die Standesbeamten vorher noch nie zu tun hatten, dann prüfen sie nach. Woher kommt dieser Vorname? Hat er vielleicht etwas mit dem Kulturkreis der Eltern zu tun? In vielen Fällen ist das so, wie Rösel sagt: "Für uns mag ein arabischer Name außergewöhnlich sein, aber wenn man nachprüft, merkt man, dass er das nicht wirklich ist."

2020 sei kein Name dabei gewesen, bei dem das Standesamt habe eingreifen müssen. Lediglich zu einem Zweitnamen hätten die Beamten öfter geraten. "Dann hat das Kind später eine Chance, zu entscheiden", sagt Rösel. Vor allem bei weniger gängigen Namen sei das eine gute Möglichkeit. Seit November 2018 ist es beim Standesamt sogar möglich, die Reihe der Vornamen auf eigenen Wunsch zu tauschen. "Aber das geht eben nur, wenn es mehrere Vornamen gibt."

In Kempten ist viel möglich, aber nicht alles

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Für besonders außergewöhnliche Namen gibt es in Kempten eine "Blacklist". Was darauf steht, wird nie zum Vornamen eines Kindes werden. "Alles, was in die Richtung 'Satan' geht, wäre bei uns nicht möglich. Und auch Gegenstände oder Vereine als Vornamen gehen nicht", sagt Standesbeamtin Tanja Schimpf. Als Beispiele nennt sie Namenswünsche wie Borussia oder Pfefferminze. Bei solchen Vornamen sei es naheliegend, dass das Kindeswohl durch die Auswahl gefährdet sein könnte. Seit Schimpf im Kemptener Standesamt tätig ist, habe sie aber noch kein einziges Mal eingreifen müssen.

Ein besonders außergewöhnlicher Name, der im vergangenen Jahr beurkundet wurde, sei "Excel" gewesen. "Mit der Computersoftware hat das aber wohl nichts zu tun", sagt Schimpf. Auch sie und ihre Kollegen kannten den Vornamen vorher nicht. Also recherchierten sie und stellten fest, dass auch andere Standesämter in Deutschland den Namen sowohl für Mädchen als auch für Jungen genehmigt hatten. Nun heißt auch eine kleine Kemptenerin so. "Der Name soll der Individualität einer Person Ausdruck verleihen und die Wahl liegt da erst einmal bei den Eltern."

Beliebte Namen im Allgäu

Besonders viele Eltern im Allgäu entschieden sich 2020 für diese Namen:

  • Füssen: Emilia (1. Platz bei Mädchen) und Leo (1.Platz bei Buben)
  • Kaufbeuren: Emilia (1. Platz bei Mädchen) und Lukas (1. Platz bei Buben)
  • Kempten: Emma (1. Platz bei Mädchen) und Felix (1. Platz bei Buben)
  • Lindau: Anna (1. Platz bei Mädchen) und Jakob (1. Platz bei Buben)
  • Memmingen: Emilia (1. Platz bei Mädchen) und Jakob bzw. Leon (1. Platz bei Buben)

Kaum noch Kevin oder Maximilian

Zum größten Teil wählen die Kemptener aber Namen, die schon seit Jahrzehnten gängig sind. Eine Sache habe sich 2020 aber doch verändert. "Zum ersten Mal seit langem ist der Maximilian nicht unter den beliebtesten zehn Namen für Jungen", sagt Schimpf. Auffallend sei, dass alte Namen wieder zum Trend werden. Bei den Mädchen sind das zum Beispiel Emilia oder Ida, bei den Jungen Paul oder Theo. "Und der Anton, der hat es gleich auf Platz zwei geschafft, das ist schon eher außergewöhnlich", sagt Schimpf.

Der gleiche Trend zeichnet sich auch in Memmingen ab. 2184 Geburten waren es hier 2020. 24 Emmas waren unter den Mädchen. Und bei den Buben streiten sich Jakob und Leon mit je 21-facher Nennung um das Siegertreppchen.

Neben diesen beliebten Namen gab es in allen Standesämtern aber auch unzählige, die nur einmal vergeben wurden. "Das haben wir ziemlich häufig", sagt die Pressesprecherin der Stadt Memmingen, Manuela Frieß. Zum einen liege das daran, dass Eltern möglichst individuelle Namen für ihre Kinder suchen und zum anderen, an den Heimatländern der Eltern. In Kaufbeuren waren solche einzelnen Namensvergaben zum Beispiel Aurora oder Balthasar, in Lindau Ayad oder Dimitra.

Von den selben Entwicklungen berichten auch das Standesamt Kaufbeuren und Lindau. Hier habe man im vergangenen Jahr kein Problem mit außergewöhnlichen Namen gehabt. Vor allem durch die Lockerung der Richtlinien im Jahr 2008 werden seitdem kaum noch Namen abgelehnt. "Vorher galt, dass das Geschlecht klar durch den Namen erkennbar sein muss", sagt Melissa Hellebrandt, Pressesprecherin der Stadt Kaufbeuren. Seitdem orientieren sich die Standesbeamten größtenteils an früheren Gerichtsurteilen, wenn ein Name abgelehnt wird.

Ein Name scheint im Allgäu aber so gut wie ausgestorben zu sein: Kevin. Sowohl in Füssen als auch in Kempten und Lindau erhielt kein einziger Neugeborener diesen Namen. "Das kann mit Sicherheit auch daran liegen, dass dieser Name in den letzten Jahren so verspottet wurde", meint die Kemptener Standesbeamtin Schimpf. Aber jedes Jahr hat wohl so seine Trends.

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