Zu Besuch bei Alpwirten in Fischen

Wölfe abschießen, sobald sie "übergriffig" werden? So äußerte sich Ministerin Kaniber dazu

Nach Ansicht der Alpwirte "eine Bedrohung für die kleinbäuerliche Landwirtschaft“: Ein 2019 im Allgäu fotografierter Wolf.

Nach Ansicht der Alpwirte "eine Bedrohung für die kleinbäuerliche Landwirtschaft“: Ein 2019 im Allgäu fotografierter Wolf.

Bild: Landesamt für Umwelt (Archiv)

Nach Ansicht der Alpwirte "eine Bedrohung für die kleinbäuerliche Landwirtschaft“: Ein 2019 im Allgäu fotografierter Wolf.

Bild: Landesamt für Umwelt (Archiv)

Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber will Anbindeställe mit Weidegang weiter unterstützen. Was sie bei einem Termin in Fischen zum Wolf sagt.
02.11.2021 | Stand: 09:24 Uhr

Viehscheide sind Touristenmagnete. Jahrzehntelang lockten sie Tausende von Besuchern an: Große Volksfeste wurden gefeiert. 2020 und 2021 war Ruhe wegen der Corona-Pandemie und manch einem wurde bewusst, was mit der Alpwirtschaft alles zusammenhängt, mutmaßte Dr. Michael Honisch, Geschäftsführer des Alpwirtschaftlichen Vereins Allgäu (AVA). Er wünschte sich bei der Jahresversammlung in Fischen, „dass man nicht nur die Folklore sieht, sondern das Tun der Älpler und das Ergebnis ihrer Arbeit“. Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) hat den Eindruck, dass in der Pandemiezeit genau das passiert ist.

Sie habe „weniger Diskriminierung der Landwirtschaft“ ausgemacht, unter anderem „weil die „Lieferketten nicht abgebrochen sind dank der Bauern und Bäuerinnen“. Kaniber machte auch klar, dass es ohne Bauern keine Alpwirtschaft gäbe. Nur die ermögliche aber den Erhalt der Kulturlandschaft mit lichten Weideflächen.

Kleine Betriebe mit Anbindehaltung sollen erhalten bleiben: Kombi-Haltung

Deshalb will sie auch weiterhin den Alpwegebau fördern. Das hatte zuvor bereits Franz Hage, der Vorsitzende des AVA gefordert und auf die „Leistungen der Alpwirtschaft für Gesellschaft und Tourismus“ hingewiesen. Und noch eines mahnte Hage an: „Nebenerwerbslandwirte müssen weiterhin eine Förderung bekommen.“ Sie seien in der Jungviehaufzucht von großer Bedeutung – auch für die Alpwirtschaft. Die EU wolle aber nur noch „echte Bauern“ fördern.

Rinder streicheln, den Tieren nah sein: Das wünschen sich viele Menschen und besuchen deshalb Viehscheide. Die sind als große Feste 2020 und 2021 aber im ganzen Allgäu abgesagt worden.
Rinder streicheln, den Tieren nah sein: Das wünschen sich viele Menschen und besuchen deshalb Viehscheide. Die sind als große Feste 2020 und 2021 aber im ganzen Allgäu abgesagt worden.
Bild: Martina Diemand (Archivbild)

Die Landwirtschaftsministerin will sich für kleine Betriebe mit Anbindehaltung stark machen. Sie sollen weiterhin eine „Kombi-Haltung mit Weidegang im Sommer“ bieten können. Da sprach sie von einem bayerischen Sonderweg im Bund. „Aber eine ganzjährige Anbindehaltung wird nicht bleiben können.“ Bereits seit 1991 sei kein solcher Stallbau mehr gefördert worden.

Kühe im Winter im Stall anbinden und im Sommer auf die Wiesen

Vonseiten der Milchwirtschaft gebe es jedoch Drohungen, dass aus Anbindeställen die Milch nicht mehr geholt werde. Indra Baier-Müller (FW), die Oberallgäuer Landrätin, sieht in der kombinierten Haltung – im Winter im Anbindestall und im Sommer auf Alpweiden – ebenfalls Vorteile. „Wenn die Tiere im Sommer auf Wiesen sind, ist das artgerechter, als wenn sie das ganze Jahr über im Laufstall sein müssen“, sagte sie in Fischen. 31.750 Rinder waren 2020 den Sommer über auf Allgäuer Alpflächen. Sie grasten auf gut 21.000 Hektar „Lichtweideflächen“ der 703 Alpen, steht dazu im AVA-Bericht.

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Den letzten großen Viehscheid gab es 2019. Dabei hingen mancherorts Banner mit dem Aufdruck „Wolfsabschuss oder Viehscheidschluss“. Die Meinung dazu hat sich nicht geändert. Wenn sich ein solches Raubtier im Allgäu ansiedele, gebe es keine Alpwirtschaft mehr, sagte AVA-Vorsitzender Hage. „Das Allgäuer Berggebiet muss als nicht schützbar vor dem Wolf gelten.“ Wenn ein Wolf „übergriffig“ werde, soll er „schnell entnommen werden können“, forderte auch Ministerin Kaniber. (Lesen Sie auch: Ein Wolf ist im Oberallgäu heimisch geworden)

War zu Besuch in Fischen: Michaela Kaniber (CSU), Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Archivbild).
War zu Besuch in Fischen: Michaela Kaniber (CSU), Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Archivbild).
Bild: Peter Kneffel, dpa (Archivbild)

Ein Schutz der auf Alpen weidenden Tiere sei nicht möglich. Um das zu versuchen, müsste ein 57.400 Kilometer langer Zaun gebaut werden. Die „Romantik der Tierschützer“ beurteilte Kaniber als „eindimensional“, denn ihr Tierschutzgedanke gelte nicht für die Weide- und Nutztiere. „Wenn sich ein Wolfsrudel in unserem Alpenraum ansiedelt, dann ist dort Schluss mit der kleinbäuerlichen Landwirtschaft“, sagte auch Gastredner Josef Glatz vom almwirtschaftlichen Verein Oberbayern. Wolfssicher ließen sich nur Tiere im Zoo einzäunen. Hier lesen Sie, warum der Abschuss von Wölfen im österreichischen Bundesland Salzburg erlaubt ist.

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