Wandern im September

"Mit Turnschuhen im Schneesturm" - Das sind im Spätsommer die No-Gos am Berg

Wie die Bergrettung Ehrwald am Montag mitteilte, mussten Einsatzkräfte zwei 20-Jährige von der Zugspitze retten. Sie waren dort mit Turnschuhen im Schneetreiben unterwegs gewesen.

Wie die Bergrettung Ehrwald am Montag mitteilte, mussten Einsatzkräfte zwei 20-Jährige von der Zugspitze retten. Sie waren dort mit Turnschuhen im Schneetreiben unterwegs gewesen.

Bild: Bergrettung Ehrwald

Wie die Bergrettung Ehrwald am Montag mitteilte, mussten Einsatzkräfte zwei 20-Jährige von der Zugspitze retten. Sie waren dort mit Turnschuhen im Schneetreiben unterwegs gewesen.

Bild: Bergrettung Ehrwald

Das schöne Spätsommer-Wetter lockt viele Menschen nochmals in die Berge im Allgäu. Doch Vorsicht: Wanderer sollten mehr als nur die frühere Dunkelheit beachten.
06.09.2021 | Stand: 16:14 Uhr

"Mit Turnschuhen im Schneesturm - junges Paar auf Zugspitze gerettet" lautete eine Meldung der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Unterkühlt und völlig erschöpft hatte die Bergwacht die beiden 20-Jährigen bei widrigen Wetterbedingungen gerettet. Die junge Frau sei bereits leicht apatisch gewesen. Wieder ein Fall, in dem Ausflügler die Gefahren am Berg unterschätzt haben.

Das derzeit herrliche Wetter lockt die Menschen in Alpennähe nochmals in die Berge. Schnell noch die letzten Sonnenstrahlen am Gipfel einfangen, bevor der Schnee kommt.

Doch schnell sollte in den Bergen - zumindest für durchschnittliche Wanderinnen und Wanderer - nicht das Motto sein, sagt Max Löther, Leiter Besucherlenkung im Naturpark Nagelfluhkette.

Mittags zur Wanderung aufzubrechen, ist im Spätsommer zu spät

Generell, aber gerade auch im Herbst, gelte: Die Vorbereitung ist bereits die halbe Bergtour. Denn was viele Bergsteigerinnen und Bergsteiger derzeit nicht einplanen: Es wird erst deutlich später hell und schon früher am Abend dunkel. Lang ausschlafen und erst gegen Mittag auf eine achtstündige Tour aufbrechen, könne somit durchaus gefährlich werden, sagt der Ranger.

Erst kürzlich hätte seine Team im Naturpark wieder Wanderinnen und Wanderer angetroffen, die um 21 Uhr noch beim Abstieg waren. Bei voller Dunkelheit, ohne Taschenlampe oder Stirnlampe. "Die Gruppe ist erst gegen 13 Uhr losgelaufen", erzählt Löther. Mit der falschen Ausrüstung ein No-Go. (Lesen Sie auch: Mit „Kemptener-Fußgänger-Zone-Outfit“ in den Bergen: "Social-Media-Wanderer" machen im Allgäu Probleme)

Erfahrungsberichte lesen und Wege auf Karten vergleichen

Lesen Sie auch
##alternative##
Nagelfluhkette

Neue Stufen und Tritte: Wanderweg am Hochgrat wird saniert

"Ein großer Teil der Wanderer bereitet sich gar nicht auf die Tour vor", sagt Löther. Dabei sei es wichtig, die Tourenplanung bereits am Vortag anzugehen. Der Ranger empfiehlt, sowohl Erfahrungsberichte in Tourenportalen zu lesen und vergleichen. Darüber hinaus sei es aber auch wichtig, die Wegbeschreibungen aus dem Internet mit den auf Karten eingezeichneten Wegen abzugleichen.

"Die Wegbeschaffenheit bleibt ja nicht vom Tal bis zum Gipfel gleich", sagt Löther. In professionellen Wanderkarten sei das ersichtlich und Ausflüglerinnen und Ausflügler könnten die Ausrüstung und die Zeitplanung entsprechend anpassen.

Falsche Schuhe führen zu vielen Unfällen

Das betreffe in erster Linie auch das Schuhwerk. Laut Löther sind falsche Schuhe einer der größten "Unfallverursacher" auf Wanderungen. Viele Einsätze der Bergwacht, auch im Gebiet der Naturpark Ranger, sei auf Unfälle wegen falschen Schuhwerks zurückzuführen. Durch ordentliche Bergschuhe würde sich so mancher Sturz und Verletzung vermeiden lassen.

Auf dem Gipfel ist es oft deutlich kälter als im Tal

Gerade im Spätsommer sollten die Ausflüglerinnen und Ausflügler in den Bergen nicht vergessen: Oben ist es oft deutlich kälter als im Tal. Wechselkleidung gehört laut Löther daher genauso in den Wanderrucksack wie eine zusätzliche Jacke - neben einem Erste-Hilfe-Set, ausreichend Proviant und Getränken, Wanderkarten und einer Lampe. "Ich empfehle bei der Kleidung das Zwiebelprinzip, dann ist man flexibler", sagt der Ranger.

Im Herbst könne es in den Bergen dann auch durchaus mal schneien. "Dann kann es sein, dass es oben schon friert", sagt Löther. Ein weiteres Gefahrenpotenzial, denn dann könne es auf den Wegen glatt sein. "Sowieso schon anspruchsvolle Routen werden dann noch anspruchsvoller", so der Ranger.

Beim Wandern Wildschutzgebiete umgehen

Doch nicht nur die Sicherheit der Menschen in den Bergen steht im Fokus: Wer sich an die Regeln hält, tue auch Flora und Fauna etwas Gutes. Denn die Tiere bereiteten sich im Spätsommer bereits auf den Winter vor. Um ihnen die nötige Ruhe zu lassen, sollten Wanderinnen und Wanderer Sonnenaufgangs- und -untergangstouren unterlassen.

Auf den Wanderkarten des DAV beispielsweise seien die Wildschutzgebiete eingezeichnet. Also die Stellen, wohin sich das Rotwild zurückzieht und überwintert. Doch die Tiere ziehen sich nicht erst mit dem Schnee dorthin zurück, sondern bereits zum Herbst. Wenn sie dabei gestört werden, erklärt Löther, suchen sie sich andere Gebiete, die nicht mit ausreichend Futter für den Winter ausgestattet sind. Deshalb wiederum beginne das Wild dann, die Rinde von den Bäumen zu knabbern, das sogenannte "Schälen", was zu erheblichen Forstschäden führen kann.

Die wichtigsten Tipps für eine Wanderung im Spätsommer und Herbst:

  • Rechtzeitig zur Wanderung aufbrechen: Lange Touren erst gegen Mittag zu beginnen, ist zu spät. Denn es wird schon wieder deutlich früher dunkel.
  • Wechselkleidung und eine zusätzliche Jacke mitnehmen: Wenn es im Tal sonnig warm ist und kein Wind weht, kann es auf dem Gipfel deutlich kühler sein.
  • Taschenlampe einpacken: Wenn sich die Tour doch hinzieht oder die Pause etwas länger dauerte, kommt man schnell mal in die Dämmerung. Dann ist eine Taschen- oder Stirnlampe viel wert.
  • Bergschuhe anziehen: Viele Bergunfälle passieren, weil Wanderinnen und Wanderer das falsche Schuhwerk tragen.
  • Bergtour sorgfältig planen: Bereits am Vortag Tourenberichte lesen und die Wege auf der Karte abgleichen.
  • Wildschutzgebiete meiden: Damit das Wild einen Rückzugsort hat, sollten Bergsteigerinnen und Bergsteiger entsprechend gekennzeichnete Gebiete nicht betreten.

Lesen Sie auch: „Die Menschen kennen keine Grenzen mehr“: Die Sorgen eines Wegewarts zum Wandertourismus am Gaisalpsee und Rubihorn