Kommentar

Warum die Festabsagen bitter sind für die Blaskapellen

Wann dürfen Blaskapellen wieder unbeschwert aufspielen?

Wann dürfen Blaskapellen wieder unbeschwert aufspielen?

Bild: Ralf Lienert

Wann dürfen Blaskapellen wieder unbeschwert aufspielen?

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Keine Feste, keine Einnahmen, keine Gewinne: Viele Allgäuer Blaskapellen dürften bald Probleme mit ihren Finanzen haben. Müssen dann die Gemeinden und Städte helfen? Ein Kommentar.
11.03.2021 | Stand: 18:41 Uhr

Länger als andere Blaskapellen wartete die Harmonie-Musik-Gesellschaft Weitnau mit der Absage ihres Festes. Aber auch sie muss notgedrungen nun die Reißleine ziehen – wie zuvor Musikkapellen im ganzen Allgäu. Es bleibt ja nichts anderes übrig: Riesenfeste mit Tausenden von Besuchern – egal ob auf Straßen und Plätzen oder im Bierzelt – sind in diesem Sommer wieder nicht möglich; zu hoch ist das Infektionsrisiko. Das Coronavirus verschwindet leider viel langsamer, als die meisten im vergangenen Sommer noch dachten – oder zumindest hofften.

Abgesehen davon, dass viele Menschen Live-Musik (und natürlich auch das Feiern) vermissen: Für Blaskapellen sind die Absagen doppelt bitter und treffen sie bisweilen ins Mark. Einerseits haben viele von den Musikanten zwei Jahre lang für die Organisation ihres Fests geplant und gearbeitet. Mit jeder Woche Vorbereitung stieg auch die Vorfreude. Da ist die Absage eine riesige Enttäuschung.

Geld für Trachten, Instrumente, Dirigenten und Jugendausbildung fehlt

Hinzu kommt, dass Kapellen mit den großen Festen eine Menge Geld verdienen können. Geld, das sie für Trachten, Instrumente, Dirigenten, Jugendausbildung und Noten benötigen. Oder für die Einrichtung eines neuen Musikheimes wie jetzt in Weitnau. Da kann schnell mal ein satter fünfstelliger Betrag in der Vereinskasse fehlen. Keine Frage: Das tut richtig weh, wie der Weitnauer Vorsitzende Hubert Müller klagt.

Noch ist wohl kaum eine Blaskapelle in existenzielle Not geraten. Aber viele werden die Euros in den kommenden Jahren zwei Mal umdrehen müssen. Besonders bitter wäre es, wenn die Nachwuchsarbeit leiden würde. Die Kapellen-Vorstände werden sich einiges einfallen lassen müssen, um Einnahme-Ausfälle zu kompensieren und neue Geldquellen aufzutun.

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Vermutlich werden sie auch auf die Hilfe der öffentlichen Hand angewiesen sein. Um angeschlagene Blaskapellen zu unterstützen und traditionelle Kultur wieder anzukurbeln, werden Städte und Gemeinden zu Finanzspritzen greifen müssen. Ja, Corona wird noch längere Zeit negativ wirken – auch wenn das Virus weggeimpft ist.

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