Fridays for Future im Allgäu

Warum Fridays for Future von der Bildfläche verschwunden ist

Allgäuer Schüler demonstrierten auch in Kempten für Maßnahmen gegen den Klimawandel - hier ein Bild aus dem Jahr 2019.

Allgäuer Schüler demonstrierten auch in Kempten für Maßnahmen gegen den Klimawandel - hier ein Bild aus dem Jahr 2019.

Bild: Matthias Becker (Archiv)

Allgäuer Schüler demonstrierten auch in Kempten für Maßnahmen gegen den Klimawandel - hier ein Bild aus dem Jahr 2019.

Bild: Matthias Becker (Archiv)

Es gibt mehrere Gründe, warum es um die Klimabewegung still geworden ist, findet unser Autor. Wenn sich das nicht bald ändert, verliert sie ihren Einfluss.
20.07.2022 | Stand: 09:26 Uhr

Wer hätte damit gerechnet, dass die Klimabewegung um Fridays for future einen solchen Siegeszug antreten würde? Aus kleinsten Anfängen wurden Massenproteste, die sich nicht nur auf die Großstädte beschränkten. Auch im Allgäu gingen viele junge Menschen aus Sorge um die Zukunft dieses Planeten auf die Straße. Der wachsende gesellschaftliche Einfluss dieser Bewegung war unübersehbar. Doch das alles ist schon wieder eine ganze Weile her. Inzwischen ist Fridays for future aus den Schlagzeilen verschwunden. Ist der Zauber der Klima-Aktivisten schon wieder verflogen?

Andere Themen haben der Klima-Debatte den Rang abgelaufen

Die Anliegen der Bewegung haben nichts an Aktualität verloren. Doch andere Themen haben ihnen inzwischen den Rang abgelaufen. Erst die Corona-Pandemie mit all den gesundheitlichen und gesamtgesellschaftlichen Folgen und dann der Putin-Krieg in der Ukraine, der unser Land in eine Energiekrise zu stürzen droht. Wer will über den Klimawandel diskutieren, dessen Folgen teilweise noch weit in der Zukunft liegen, wenn er nicht einmal weiß, ob er im Winter eine warme Wohnung hat? Eine solche Haltung ist natürlich falsch, denn gerade die jetzige Lage zeigt überdeutlich, dass erneuerbare Energien immer wichtiger werden. Doch ein solches Denken ist nun einmal Realität.

Natürlich könnte Fridays for Future trotz dieser Gemengelage stärker auf sich aufmerksam machen, aber die Bewegung hat einen Durchhänger. Es wirkt wie ein Durchschnaufen nach anstrengenden Zeiten. Wenn sie aber nicht stark an Bedeutung verlieren will, wird sie sich bald wieder aufrappeln müssen. Auch wenn dies leichter gesagt ist als getan: Denn Bewegungen, die von so jungen Menschen getragen werden, müssen sich ständig erneuern. Wenn Protagonisten die Stadt verlassen, weil sie ein Studium beginnen oder eine Ausbildung machen, bedeutet das häufig einen Neuanfang.

Radikale Kräfte der Umweltbewegung drängen nach vorne

In der aktuellen Phase drängen radikale Kräfte der Umweltbewegung nach vorne. Mitglieder der Letzten Generation lassen sich mit einer Hand an eine Ölpipeline kleben – oder an eine Straße, wie es beispielsweise in Kempten geschehen ist. Daraus spricht sicher auch Verzweiflung, weil man sich im Ringen um eine andere Klimapolitik nur noch auf diese Weise zu helfen weiß. Und doch ist niemand gut beraten, der seine Ziele mit illegalen Mitteln erreichen will. Wenn dies ein Beweis für die Handlungsfähigkeit der Klimabewegung sein soll, dann es ist ganz sicher der falsche. So werden Öko-Aktivisten viel Ablehnung erfahren und nicht erreichen, was sie schon zu einem guten Stück geschafft hatten: in der Mitte der Gesellschaft anzukommen.

Dass es sich die etablierte Politik nicht mehr leisten kann, die Klimabewegung mit einer Mischung aus Arroganz und Gleichgültigkeit zu behandeln, hat sich zum Beispiel bei der Kommunalwahl 2020 im Allgäu gezeigt. Die Gruppierung Future for Kempten sammelte erst genug Unterschriften, um bei der Stadtratswahl antreten zu dürfen. Und dann schaffte sie es aus dem Stand, zwei Bewerber in das Kommunalparlament zu bringen. Dominik Tartler ist einer von ihnen. Er spricht heute von einem kollegialen Verhältnis zu den anderen Kemptener Stadträtinnen und Stadträten und davon, dass er in dem Gremium gut aufgenommen worden sei. Berührungsängste schwinden offensichtlich. Das war beispielsweise noch ganz anders, als die Grünen in den 1980er Jahren erstmals in den Bundestag eingezogen sind.

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