Corona-Krise

Warum Musiker und Trachtler ihre großen Feste absagen

Solche Szenen wird es in diesem Sommer vermutlich nicht geben: Die Trachtenfeste sind abgesagt.

Solche Szenen wird es in diesem Sommer vermutlich nicht geben: Die Trachtenfeste sind abgesagt.

Bild: Johanna Lang (Archiv)

Solche Szenen wird es in diesem Sommer vermutlich nicht geben: Die Trachtenfeste sind abgesagt.

Bild: Johanna Lang (Archiv)

Viele lange geplante Trachten- und Musikfeste im Allgäu sind abgesagt. Die Enttäuschung unter den Musikern ist groß. Wie es weitergehen soll.
10.02.2021 | Stand: 14:42 Uhr

Den Auftakt des Gaufestes in Altusried hat sich Franz Merk wundervoll ausgemalt: Am Fronleichnamstag sollte der Prozessionszug durchs Dorf im Festzelt enden, wo ein restaurierter Altar aufgebaut sein würde. Daraus wird nun nichts, wegen der Unsicherheiten rund um Corona.

In Absprache mit dem Landratsamt Oberallgäu und seinen Mitorganisatoren hat Merk, Vorsitzender des Trachtenvereins „D’ Koppachtaler“, das Gaufest Anfang Juni abgeblasen. Damit fädeln sich die Altusrieder in eine Reihe von Absagen von Großfesten ein. Inzwischen sind fast alle Bezirksmusikfeste im Allgäu wegen der Corona-Pandemie gestrichen worden, zuletzt jenes in Wiggensbach (Blasmusik-Bezirk Kempten).

Finanzielle Folgen meist Grund für Absage

Die Gründe sind immer dieselben: Die veranstaltenden Vereine haben Angst vor den finanziellen Folgen. Denn keiner weiß, ob die Feste im Frühling und Sommer stattfinden können. Und falls ja, unter welchen Auflagen. In den nächsten Wochen und Monaten stehen aber die großen Ausgaben an. In Altusried haben die Koppachtaler jetzt schon 20.000 Euro investiert.

Dank des Sponsorings von Sparkasse und Raiffeisenbank werde ein Gutteil davon aber ausgeglichen, erläutert Vorsitzender Merk. „Wir kommen finanziell mit einem blauen Auge davon.“ So wie den Koppachtalern ergeht es anderen Vereinen auch.

Die Arbeit von Jahren ist umsonst gewesen

Was die Dorfvereine meist viel mehr schmerzt: Die ehrenamtliche Arbeit von mehreren Jahren ist umsonst gewesen, und gerne wären sie Gastgeber gewesen für viele tausend Besucherinnen und Besucher. Die Enttäuschung ist deshalb riesig. „Wir waren den Tränen nahe“, verrät Sebastian Welz, Vorsitzender der „Lechtaler“ in Seestall (Fuchstal).

Lesen Sie auch
##alternative##
Blasmusik

Musikkapellen sagen Jahreskonzerte ab: „Es ist unheimlich schade“

Sie hätten das Trachtenfest im Lechgau veranstalten wollen und zogen schon vor Wochen die Notbremse. „Ich habe meinen Leuten gesagt, dass diese Entscheidung in die Geschichtsbücher eingehen wird. Das hat es seit dem Krieg nicht mehr gegeben.“

Blaskapellen ziehen Reißleine

In den vergangenen Wochen haben immer mehr Festausschüsse die Reißleine gezogen und sich nach intensiven Diskussionen und schweren Herzens für Absagen entschieden. Zuletzt rang sich auch die Harmoniemusik in Wiggensbach dazu durch. Sie hätte das Musikfest samt den Wertungsspielen im Bezirk Kempten ausrichten wollen. „Zwei Jahre Vorbereitung, unzählige Stunden, die schon in die Organisation geflossen sind, viele Hebel, die in Bewegung gesetzt wurden: All das ist nun umsonst“, erklärt Vorsitzender Helmut Huber.

Momentan halten nur noch die Musikkapellen Frechenrieden (Unterallgäu) und Eggenthal (Ostallgäu) an ihren Plänen fest. „Wir sind gerade dabei, rechtliche und wirtschaftliche Konsequenzen einer möglichen Absage abzuklären“, teilt der Frechenrieder Vorsitzende Christoph Fackler mit. Die Eggenthaler, die ihr Fest in den späteren Sommer gelegt haben (29. Juli bis 2. August), werden am Sonntag beraten. „Es ist offen, ob wir dann absagen oder am Termin festhalten“, sagt Vorsitzender Michael Schmid. „Wir haben ja noch Zeit.“

Lesen Sie auch: "Hulapalu" mit Ukulele: Benachbartes Polizeipräsidium versendet witziges Faschingsvideo mit ernster Botschaft