Was tun, wenn der Impfpass weg ist?

Dieser Allgäuer verliert seinen Impfpass und erlebt eine Odyssee im Corona-Dschungel

Impfzentrum Memmingen

Ein Arzt trägt eine Corona-Impfung in einen Impfpass ein. Was man erleben kann, wenn man das wichtige Dokument verliert – davon kann ein 80-jähriger Unterallgäuer ein Liedchen singen.

Bild: Matthias Becker

Ein Arzt trägt eine Corona-Impfung in einen Impfpass ein. Was man erleben kann, wenn man das wichtige Dokument verliert – davon kann ein 80-jähriger Unterallgäuer ein Liedchen singen.

Bild: Matthias Becker

Ein Unterallgäuer verliert nach der Corona-Impfung seinen Pass. Als er die Imfpung in einen neuen Ausweis nachtragen lassen will, beginnt eine Odyssee.
17.09.2021 | Stand: 04:00 Uhr

Früher lag er oft achtlos in irgendeiner Schublade. Heute ist er zu einem der wichtigsten Dokumente schlechthin geworden: der Impfpass. Denn er gibt grünes Licht für Restaurantbesuche, Theaterabende, Auslandsreisen und vieles mehr – sofern man gegen Corona geimpft wurde. Wie wertvoll das kleine gelbe Heftchen ist, hat Gunter Heider aus Wolfertschwenden (Unterallgäu) am eigenen Leib erfahren. Denn der 80-Jährige hat seinen Impfausweis verloren und erlebte danach eine wahre Odyssee beim Bemühen, seine Corona-Immunisierung in ein neues Büchlein eintragen zu lassen.

Aber von vorn: Am 11. Juni bemerkt Heider, dass sein Impfausweis weg ist. Er geht zu seinem Hausarzt und bekommt einen neuen Pass. Allerdings kann der Mediziner laut Heider die Corona-Impfung nicht nachtragen, weil das nur der Arzt machen könne, der ihm das Vakzin im Impfzentrum verabreicht habe. Heider ruft daraufhin bei der Hotline des Zentrums in Memmingen an, wo er seine beiden Corona-Impfungen im März und April erhalten hat.

„Am Telefon konnte mir aber niemand sagen, ob und wie man eine Corona-Impfung nachtragen kann“, erinnert sich der Senior. Also geht er am nächsten Tag direkt ins Memminger Impfzentrum. Mit dabei hat er die schriftliche Dokumentation seiner beiden Impfungen, die er dort im April erhalten hatte, inklusive des sogenannten QR-Codes. Ein Gesprächspartner ist zunächst überfragt, was man in Heiders Fall tun kann. Er verspricht dem 80-Jährigen jedoch, sich zu erkundigen und ihn dann anzurufen. Doch es kommt kein Anruf.

"Auf diesen Anruf warte ich bis heute"

Deshalb ruft Heider nochmals bei der Hotline an – wieder ohne Erfolg. Schließlich wendet sich der Senior ans Gesundheitsamt in Mindelheim. Dort nimmt sich eine Ärztin seines Falles an. Und tatsächlich: Heider bekommt vier Tage später ein Schreiben vom Gesundheitsamt. Darin heißt es: Das Impfzentrum in Memmingen wird sich bei ihm telefonisch melden, um einen Termin zum Nachtragen der Corona-Impfungen zu vereinbaren. „Auf diesen Anruf warte ich bis heute“, sagt der 80-Jährige, der sich mittlerweile an die AZ-Redaktion gewandt hat.

Auf Nachfrage unserer Zeitung kann auch der Memminger Corona-Koordinator, Dr. Jan Henrik Sperling, nicht auf Anhieb sagen, wie in Heiders Fall zu verfahren ist. Schließlich sei das gelbe Büchlein ein wichtiges Dokument, das nicht einfach so vervielfältig werden sollte. Denn am Ende seien bei einem Nachtrag ja zwei Impfpässe mit dem gleichen Nachweis im Umlauf. Nach Gesprächen mit anderen Impfzentren geht Sperling schließlich davon aus, dass man die Corona-Impfung nachtragen kann, wenn die betreffende Person – wie Heider – alle schriftlichen Unterlagen über die Impfung vorlegen kann.

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Nun stellt sich die Frage: Was machen Impfpass-Verlierer, die keine Unterlagen mehr über ihre Corona-Immunisierung haben? Auf Anfrage unserer Redaktion erklärt das Bayerische Gesundheitsministerium, dass laut Infektionsschutzgesetz jeder Arzt oder Apotheker sowie das zuständige Gesundheitsamt die Nachtragung einer Covid-19-Impfung vornehmen könne – sofern denn eine frühere Dokumentation darüber vorliegt. Die Impfung könne aber auch mit einem digitalen Impfnachweis per QR-Code dokumentiert werden.

Gesundheitsministerium erklärt vorgehen

Weiter heißt es im Antwortschreiben des Ministeriums: „Sollten dem Impfling alle Unterlagen verloren gegangen sein, können Patienten auf der Basis vorliegender Aufzeichnungen vom Impfzentrum eine ärztliche Ersatzbescheinigung bekommen. Das Impfzentrum seinerseits kann sich dazu an das bayerische Impfarchiv wenden und sich die bei der Impfung verschlüsselt an das Archiv übermittelten Sicherungsdatensätze rückübermitteln lassen.“ Laut Ministerium werden alle Corona-Impfdaten für die Dauer von zehn Jahren in verschlüsselter Form im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit archiviert. Im Online-Portal „Bayimco“ selbst werden keine Impfdaten dauerhaft gespeichert. Bayimco steht für „Bayerisches Impfmanagement gegen Corona“ und ist das zentrale digitale Tool für das Impfmanagement.

Indes freut sich Heider über die Auskunft des Ministeriums: „Jetzt ist endlich alles klar.“

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