Ende für das "Dieselloch Allgäu"?

Markus Söder an Bord: Der Wasserstoffzug fährt zum ersten Mal durch das Allgäu

Ein Wasserstoffzug war am Montag in der Region unterwegs und fuhr mit Ministerpräsident Söder von Kaufbeuren nach Buchloe.

Ein Wasserstoffzug war am Montag in der Region unterwegs und fuhr mit Ministerpräsident Söder von Kaufbeuren nach Buchloe.

Bild: Mathias Wild

Ein Wasserstoffzug war am Montag in der Region unterwegs und fuhr mit Ministerpräsident Söder von Kaufbeuren nach Buchloe.

Bild: Mathias Wild

Weg vom Diesel, aber wie? Wasserstoff gilt als Lösung, nun ist ein Prototyp durchs Allgäu gefahren. Die Fahrt hinterlässt aber mehr Fragen als Antworten.
14.09.2021 | Stand: 08:44 Uhr

„So, dann warten wir mal auf den Zug“: Mit diesen Worten erklomm Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag die letzten Stufen zum Bahnsteig am Kaufbeurer Bahnhof. Anders als bei normalen Fahrgästen trübte die kleine, weiße Banderole im blauen Zugziel-Anzeiger seine Vorfreude nicht. Dort läuft üblicherweise das Wort „Verspätung“ in Kombination mit einer meist zu hohen Zahl an Minuten durch. In diesem Fall stand da „Sonderzug – nur für geladene Gäste“. Verspätet war der Wasserstoffzug der Firma Alstom auf seiner Fahrt durchs Allgäu trotzdem: Die war bereits länger geplant, verschob sich allerdings durch die Pandemie.

Bei der Fahrt am Montag zeigte die Brennstoffzelle ihre Vorzüge im Vergleich zum Diesel. Fast lautlos rollte der Zug an den Bahnsteig, kam leise surrend zum Stehen und glitt dann flüsternd weiter nach Buchloe. Gerade das lautlose Fahren beschwor der Ministerpräsident als einen der Vorteile, für Fahrgäste und Anwohner. Doch nicht nur die Lautstärke soll sinken. Geplant ist, dass der Personennahverkehr auf Bayerns Schienen bis 2040 klimaneutral wird. Den Klimaschutz bezeichnete Söder als „eine der vordringlichsten Aufgaben“. (Lesen Sie auch: Bahn im Allgäu - elektrisch von Pfronten über Reutte)

Allgäu: Anspruchsvolle Topographie für den Wasserstoffzug

Das Allgäu gilt dabei aufgrund der Topografie als anspruchsvolle Region, in der die Wasserstofftechnologie nun ihre Praxistauglichkeit unter Beweis stellen konnte. Ab dem Jahr 2023 folgt dann ein fast dreijähriger Testbetrieb mit einem Prototypen, allerdings vom Alstom-Konkurrenten Siemens. Fragen, woher der Wasserstoff für dieses Projekt kommen soll, zum Beispiel aus lokaler Produktion um Kempten, blieben am Montag jedoch unbeantwortet.

Im Allgäu soll ein regionaler Kreislauf von der Erzeugung bis zum Verbrauch entstehen, der Schwerpunkt soll auf der Mobilität liegen. Allerdings nicht auf der Schiene, sondern bei Bussen, in der Logistik und der Bodenseeschifffahrt. Ab 2023 könnten so bei 60 Lkw mit einer Laufleistung von zwei Millionen Kilometern bis zu 100 Tonnen CO2 eingespart werden. Denn die Herausforderung ist enorm. So stammen 19 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland aus dem Verkehrssektor, wie Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) in Buchloe unterstrich. „Wir müssen Schritt für Schritt Dieselzüge ersetzen“, sagte sie. Gerade im Allgäu habe man Nachholbedarf. (Lesen Sie auch: Wasserstoff ist für Allgäuer Bahnexperten nur eine Notlösung)

Der Wasserstoffzug soll eine Alternative zu den Dieselloks werden.
Der Wasserstoffzug soll eine Alternative zu den Dieselloks werden.
Bild: Mathias Wild

Doch damit der Schienenverkehr attraktiv ist, reicht es nicht, leise und emissionsfrei zu fahren. Gerade für Pendler und Urlaubsgäste ist die Zahl der Direktverbindungen nach München von großer Bedeutung. Allgäuer Verkehrsexperten halten Wasserstoff hier jedoch nur für eine Notlösung. Denn diese Züge sind teuer. Akku-Hybridzüge, die Elektrifizierung und Batterie kombinieren, gelten als billiger. Denn für die braucht man laut Bayerischer Eisenbahngesellschaft unter anderem keine Tankanlagen. Gleichzeitig würde man auf einer Fahrt nach München teuren Wasserstoff verbrauchen, während man unter einer bestehenden Oberleitung fährt. Verkehrsministerin Schreyer bezeichnete den Wasserstoff als „Teil der Lösung“ – die alleinige sei er aber nicht. Eine Option wäre eine „echte“ Elektrifizierung per Oberleitung. Bei der brauche man aber die Hilfe des Bundes, sagte Ministerin Schreyer. Beispielsweise für die Strecke von Kempten nach Oberstdorf.

Bahnverkehr: Wie kann man das "Dieselloch Allgäu" beseitigen?

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Wasserstoff für Allgäuer Bahnexperten nur eine „Notlösung“

2018 versprach Ministerpräsident Söder gegenüber unserer Redaktion, der Freistaat wolle bei dieser Verbindung in Vorleistung gehen und ein Signal setzen, sofern „der Bund in einem Zeitraum von drei Jahren nicht bereit ist, etwas anzugehen“. In Buchloe verwies er allgemein auf Milliarden-Investitionen des Bundes und auf die anstehenden Bundestagswahlen – wie es weitergeht, hänge „auch vom neuen Bundesverkehrsminister ab“. Konkrete Antworten, wie man das „Dieselloch“ Allgäu beseitigt, lieferte die Fahrt nicht. Sie zeigte aber die Größe der Herausforderung, als Lärm die Ministerin in Buchloe kurz unterbrach – es war ein abfahrender Dieselzug.