Winter im Allgäu

Baumsturz im Garten: Wie man Schneebruch verhindert - und wann es zu spät ist

Bäume Schneebruch

Viele Bäume haben in Folge der starken Schneefälle in den letzten Tagen teilweise große Äste verloren.

Bild: Olaf Winkler

Viele Bäume haben in Folge der starken Schneefälle in den letzten Tagen teilweise große Äste verloren.

Bild: Olaf Winkler

Bäume auf privaten Grundstücken leiden unter dem Schnee der vergangenen Tage. Ein Experte verrät, was Besitzer jetzt noch tun können - und wofür sie haften.
21.01.2021 | Stand: 18:28 Uhr

Die starken Schneefälle bis zum Sonntag haben für zahlreiche Stämme und Äste auf Straßen und Wegen gesorgt. Vom Begehen der Wälder raten Experten in ganz Bayern derzeit ab – zu groß ist dort die Gefahr von Schneebruch. Aber auch auf dem eigenen Grundstück sind die Menschen nicht sicher: Auch und gerade einzeln wachsende Bäume sind derzeit mit ungewöhnlich großen Schneemassen belastet. „Eine Tonne Gewicht kommt da schon mal zusammen“, sagt Baumpfleger Peter Baldauf, der beim Forstbetrieb von Peter Straubinger in Opfenbach beschäftigt ist. Er beruhigt allerdings gleichzeitig: „Die größte Gefahr haben wir überstanden.“

Winter-Wetter im Allgäu: Baumpfleger sieht keinen Grund zum Handeln

Zahlreiche Bäume im Westallgäu haben wegen der Schneemassen in den zurückliegenden zehn Tagen große Äste verloren oder sind gar ganz umgestürzt. Sollte das jetzt herrschende Tauwetter Bestand haben und kein starker Wind hinzu kommen, sieht Baldauf Entlastung: „Akut sehe ich keinen Handlungsbedarf.“ Dabei neigt sich mancher Baum auch derzeit noch bedrohlich zur Seite. Entscheidend sei, ob dies den ganzen Baum von der Wurzel her betreffe, sagt der Experte. Dann bestehe die Gefahr, dass sich die Wurzel gelockert habe und der ganze Baum bei starkem Wind doch noch umstürzt.

Fällen aus Vorsorge im Westallgäu

Hat die Schneelast hingegen dazu geführt, dass sich der Baum vor allem im oberen Bereich schief gestellt hat, geht mit der zurückgehenden Schneelast auch der Druck auf den Baum zurück. „Da kann es helfen, den Baum abzuschütteln und dazu bei Bedarf auch eine längere Stange zu verwenden“, sagt Baldauf. In etwa zehn Fällen musste er in den vergangenen Tagen jedoch ausrücken und Bäume aufgrund akuter Gefahr fällen.

Die starken Schneefälle der vergangenen Tage im Westallgäu haben den Bäumen ganz schön zu schaffen gemacht.
Die starken Schneefälle der vergangenen Tage im Westallgäu haben den Bäumen ganz schön zu schaffen gemacht.
Bild: Olaf Winkler

Hilfreich aus seiner Sicht: Schon vor zwei Jahren waren die Bäume im Westallgäu einer großen Schneemenge ausgesetzt. Manch kranker Baum hat daher den Winter 2018/19 schon nicht überlebt. Denn Baldauf schätzt: „90 Prozent der jetzt geschädigten Bäume hatten Vorschädigungen.“ Im wahrsten Sinne des Wortes erschwerend war bei den starken Schneefällen in der vergangenen Woche, dass sie damit begannen, dass der erste Schnee angefroren war und eine Grundlage für recht große Schneemengen bildete. Das betraf unter anderem Obstbäume mit einem Pflegerückstand, wo also zu viele Äste „Angriffsflächen“ boten.

Viele Bäume sind für Allgäuer Gärten gar nicht geeignet

Heimische Baumarten halten grundsätzlich auch größere Schneemengen aus. „Immer häufiger werden bei uns aber auch südländische Bäume gepflanzt“, sagt Baldauf. Mit Blick auf den Klimawandel sei das verständlich, da diese Sorten längere Trockenphasen besser überstehen. „Allerdings halten sie eine größere Schneelast nicht aus.“ Grundsätzlich nicht geeignet für kleinere Privatgrundstücke sind aus Sicht des Experten in unserer Region schnell wachsende Tannen und Fichten. Eine 20 Jahre alte Tanne bringe es leicht auf eine Höhe von zwölf Metern. Stehe in diesem Radius um den Baum ein Gebäude, sei das beim Umstürzen in Gefahr.

Baumsturz: Wer haftet wann?

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Während die Kommunen im Westallgäu ihre Bäume regelmäßig begutachten lassen und so ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen, sei das bei privaten Hausbesitzern eher die Ausnahme, sagt Baldauf. Dabei kostet der Blick des Fachmannes nicht viel. Zwischen zehn und 20 Euro berechnet er. Denn grundsätzlich haftet zunächst jeder Grundstücksbesitzer für Schäden, die von einem seiner Bäume ausgehen. Kommt es zum Schaden durch einen herabfallenden Ast oder einen umgestürzten Baum, so kommt in vielen Fällen die Haftpflichtversicherung des Grundstücksbesitzers dafür auf, erklärt Rainer Fink vom Allianz-Versicherungsbüro in Stiefenhofen.

Nach starken Schneefällen sei das allerdings oft nicht der Fall, denn die gelten als Naturereignis und damit als höhere Gewalt. Dann hafte der Baumbesitzer nur, wenn der Baum beispielsweise offenkundig vorerkrankt war. Wird ein Auto beschädigt, trägt in vielen Fällen die Teilkasko-Versicherung den Schaden. Fällt ein Baum unter der Schneelast auf das Haus eines Nachbarn, so ist dessen Gebäudeversicherung im Regelfall in der Pflicht.