Reaktionen zur der Bundestagswahl

Wahlkreis Oberallgäu: Direktmandat geht an die CSU, doch auch SPD und Grüne schlagen sich gut

Mechthilde Wittmann hat wie erwartet das Direktmandat im Wahlkreis gewonnen. Ein Ergebnis wie zuletzt Gerd Müller erreichte sie jedoch nicht.

Mechthilde Wittmann hat wie erwartet das Direktmandat im Wahlkreis gewonnen. Ein Ergebnis wie zuletzt Gerd Müller erreichte sie jedoch nicht.

Bild: Ralf Lienert

Mechthilde Wittmann hat wie erwartet das Direktmandat im Wahlkreis gewonnen. Ein Ergebnis wie zuletzt Gerd Müller erreichte sie jedoch nicht.

Bild: Ralf Lienert

Mechthilde Wittmann kann an die Ergebnisse von Gerd Müller nicht anknüpfen. Holderied (SPD) und Pius Bandte (Grüne) holen viele Stimmen im Wahlkreis Oberallgäu.
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Von Allgäuer Zeitung
27.09.2021 | Stand: 13:25 Uhr

Die beiden jungen Direktkandidaten aus dem Landkreis Lindau haben sich achtbar geschlagen: Martin Holderied (Lindenberg) hat das SPD-Ergebnis im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 klar verbessert, ebenso Pius Bandte (Lindau) das der Grünen. Für das Ticket nach Berlin hat es aber nicht gereicht.

Das Direktmandat im Wahlkreis 256 Oberallgäu, zu dem die Landkreise Lindau und Oberallgäu sowie die Stadt Kempten gehören, geht wie bei jeder Bundestagswahl seit 1949 an die CSU. Mechthilde Wittmann (Kempten) wird die Nachfolgerin von Dr. Gerd Müller (hier alle Ergebnisse aus dem Wahlkreis Oberallgäu).

SPD: Martin Holderied gewinnt in seiner Heimatstadt Lindenberg

Ein Heimspiel hatte Martin Holderied. Der 31-Jährige feierte seine Wahlparty am Sonntag im Löwen-Foyer in Lindenberg. „Wir sind noch da – auch hier im Wahlkreis Oberallgäu“, bewertete der SPD-Direktkandidat das Ergebnis seiner Partei, aber auch sein persönliches Abschneiden positiv. Sowohl bei den Erst- als auch Zweitstimmen holte der 31-jährige Lindenberger ein besseres Ergebnis als seine Genossin Katharina Schrader als SPD-Kandidatin vor vier Jahren. Nach einem anstrengenden Wahlkampf spüre er jetzt „eine wahnsinnige Erleichterung und Stolz, dass wir es hinbekommen haben“. Besonders freut sich Holderied über das Abschneiden in Lindenberg, wo er bei den Erstimmen (30,4 Prozent) sogar vor Wittmann (23,8) auf dem ersten Platz landete. „Es ist natürlich schön, wenn man in seiner Heimatgemeinde so viel Vertrauen bekommt.“

Nach dem starken Abschneiden sieht er auf Bundesebene einen klaren Regierungsauftrag für Olaf Scholz. Welche Koalitionen möglich sind, müsse man noch abwarten. „Ich will eine Koalition, die einen Zwölf-Euro-Mindestlohn, bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege und die Klima- und Energiewende voranbringt“, erklärte Holderied. Ausschließen will er kein Bündnis. „Aber es ist klar, dass ich nicht dem linken Flügel der Partei angehöre.“

Grüne: Pius Bandte ist stolz, aber auch ein wenig enttäuscht

„Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis“, sagte Pius Bandte, Direktkandidat der Grünen. Der 23-jährige Lindauer hat mit einem zweistelligen Ergebnis ein deutlich besseres Resultat eingefahren als Erna Groll aus Kempten, die vor vier Jahren die Direktkandidatin der Grünen war. Bandte vermutet, dass der Zuwachs an Stimmen für seine Partei und für ihn persönlich mit der landesweiten Stimmung zu tun hat. „Wir Grünen und das Thema Klimaschutz haben einfach mehr Zuspruch gefunden“, sagte er. „Und wir konnten unsere Mitglieder mobilisieren, einen engagierten Wahlkampf zu machen.“

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Berlin

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Nachdem er selbst drei Monate „nonstop Wahlkampf gemacht“ habe, sei er jetzt einerseits stolz. Andererseits schwang am Wahlabend auch ein bisschen Enttäuschung mit: „Ich hätte mir ein etwas stärkeres Ergebnis für uns Grüne und den Klimaschutz gewünscht.“ An die 20 Prozent stellte er sich im Wahlkreis und deutschlandweit vor. Zumindest in seiner Heimatstadt Lindau scheint Bandte mit dem Erststimmenergebnis dieses Ziel erreicht zu haben.

CSU: „Eine riesengroße Ehre“ für Mechthilde Wittmann

Nach den ersten Hochrechnungen herrschte zunächst verhaltene Stimmung bei der CSU-Wahlparty in Kempten. Nach und nach tröpfelten dann auch die Ergebnisse aus den Wahllokalen ein. Am Ende freute sich Mechthilde Wittmann (53) über den Einzug in den Bundestag.

„Das ist eine riesengroße Ehre für mich“, kommentierte die CSU-Politikerin ihr Direktmandat. Die Energie, die sie in den Wahlkampf gesteckt hat, wolle sie nun eins zu eins für die Region in Berlin aufbringen. Mit dem Unions-Ergebnis insgesamt könne allerdings kein Unions-Politiker zufrieden sein. Ohne Not habe die Partei Stimmen an die Freien Wähler verloren. Es sei „unverantwortlich“, dass diese überhaupt angetreten sei. Und die Union? Die müsse wieder ein klareres Profil gewinnen. „Copy-Paste wollen die Wähler nicht“, sagt Wittmann.

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AfD: Rainer Rothfuß hofft, von der CSU zu profitieren

Der Lindauer Rainer Rothfuß, Direktkandidat der AfD, hatte zwar keine Chance, über die Erststimme in den Bundestag einzuziehen. Mit dem Listenplatz 13 der bayerischen Kandidatenliste konnte er vor der Wahl aber dennoch auf ein Mandat hoffen. Die Wahlergebnisse, die im Wahlkreis Oberallgäu bei Redaktionsschluss vorlagen, waren jedoch nicht eindeutig.

„Ich zittere nicht, ich warte einfach, bis das Endergebnis da ist“, sagt Rothfuß, dessen Partei im Wahlkreis bei Redaktionsschluss sowohl bei den Erst-, als auch bei den Zweitstimmen einen Verlust von um die zwei Prozent verzeichnete. Rothfuß sieht dieses Ergebnis als „stabil“ an und begründet dies mit anderen Parteien, die ähnliche Themen besetzten wie die AfD. „Die Basis ist mit Corona quasi eine Ein-Themen-Partei“, sagt er. „Sie hat uns in diesem Bereich sicher ein Prozent abgenommen, und ebenso die Freien Wähler.“ Insofern sei er zufrieden mit dem Wahlergebnis (so war der Wahlabend im Allgäu - alle Ergebnisse, Infos, Stimmen).

Eine Chance, ein Bundestagsmandat zu bekommen, rechnet sich Rothfuß vor dem Hintergrund des schlechten Wahlergebnisses der CSU aus. Dank der von den Christsozialen gewonnenen Direktmandate könnte es einige Überhangsmandate geben, die den kleinen Parteien wiederum Ausgleichsmandate bescheren, sagt er. „Auf diese Weise könnte es auch noch für den Listenplatz hinter mir reichen.“

FDP: Stephan Thomae will mehr Präsenz im Westallgäu zeigen

Applaus gab es bei der Wahlparty der FDP in Kempten schon bei der ersten Hochrechnung – und die Stimmung blieb gelöst. Direktkandidat Stephan Thomae (Sulzberg) wurde von Berlin live zugeschaltet. Der Oberallgäuer zieht über die Landesliste wieder in den Bundestag ein und konnte sein Ergebnis im Wahlkreis verbessern – es sei aber noch Luft nach oben. Er ist für Verhandlungen mit den Grünen „auf Augenhöhe“, um bei der Regierungsbildung eine aktive Rolle einzunehmen. Es gebe hier „ganz, ganz gute Gesprächskontakte“. Auf dem Wahlergebnis wolle er sich nicht ausruhen, sagte Thomae und kündigte an, auch in Lindau und dem Westallgäu mehr Präsenz zu zeigen.

Freie Wähler: Kandidatin freut sich über ihr Ergebnis

Den Einzug in den Bundestag haben die Freien Wähler verpasst. Für Direktkandidatin Annette Hauser-Felberbaum (Kempten) war ihr persönliches Ergebnis jedoch ein schönes Geschenk nachträglich zum 60. Geburtstag. Sie freut sich auch, dass die Freien Wähler in Bayern zugelegt haben. Dass es ihrer Gruppierung nicht gelungen sei, in den Bundestag einzuziehen, liege vor allem an der Kampagne der Union gegen die Freien Wähler. Deshalb sei es „sehr sehr schade, jetzt nicht im Bundestag mitwirken zu können.“ Denn es wäre nötig gewesen, dass dort eine Partei der Mitte Politik mitgestaltet (Lesen Sie auch: Diese Politiker aus dem Allgäu werden in den Bundestag einziehen)

ÖDP: Im Wettbewerb um Ökologie auf der Strecke geblieben

Im Wettbewerb um die Ökologie sei die ÖDP auf der Strecke geblieben. So beschrieb Direktkandidat Franz Josef Natterer-Babych (Kempten), das Abschneiden bei der Wahl. Man habe mit „sehr hohem Engagement“ und einem „sehr guten Programm“ Wahlkampf gemacht. Doch die ÖDP habe sich schwergetan, als kleine Partei ihr Ursprungsthema Ökologie in einem so großen Wahlkreis an die Wählerschaft zu bringen. Denn Klimaschutz hätten sich mittlerweile auch andere Parteien auf die Fahnen geschrieben.

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Linke: Engelbert Blessing und die „Rote-Socken-Kampagne“

„Die Enttäuschung ist groß“, sagte Engelbert Blessing, Kandidat der Linken. Im Sog des bundesweiten Abwärtstrends sei auch das Ergebnis der Allgäuer Linken nach unten gezogen worden. Dabei, glaubt Blessing, hätten sich er und die anderen Genossen im Wahlkampf gut geschlagen. „Die Fehler wurden schon im Vorfeld gemacht, als sich unsere Partei nicht einig gezeigt hat“, sagte der 36-Jährige aus Gunzesried (Blaichach). Geschadet habe der Linken zudem die Rote-Socken-Kampagne mit der Warnung vor einem bundesweiten Linksrutsch. Außerdem habe es sich diesmal um eine „Kanzlerwahl“ gehandelt, bei der viele Wähler gegen ihre ursprüngliche Überzeugung eher eine Partei mit Kanzlerkandidaten als eine ohne gewählt hätten. Hinzu komme, „dass die Linke in Bayern und damit auch im Allgäu von Haus aus einen schlechteren Stand hat“. Trotzdem werde er weiter für seine Partei eintreten, „denn in unserem Kreisverband arbeiten wir gut zusammen“, sagte er.