Kultur am Bodensee

Corona hat den Club Vaudeville in Lindau hart getroffen

Der Club Vaudeville hofft, in Lindau möglichst bald wieder Konzerte auf die Bühne bringen zu können.

Der Club Vaudeville hofft, in Lindau möglichst bald wieder Konzerte auf die Bühne bringen zu können.

Bild: Christian Flemming (Archiv)

Der Club Vaudeville hofft, in Lindau möglichst bald wieder Konzerte auf die Bühne bringen zu können.

Bild: Christian Flemming (Archiv)

Keine Konzerte, keine Disco: Der Betrieb stand monatelang still. Was das finanziell bedeutet und wieso der Kulturverein die Stadt Lindau in die Pflicht nimmt.
02.01.2021 | Stand: 17:43 Uhr

Der Club Vaudeville hat seine Hauptversammlung online angehalten. Knapp 60 Mitglieder des rund 400 Personen starken Kulturvereines, der seit mehr als 42 Jahren das Lindauer Kulturleben maßgeblich beeinflusst hat, nahmen teil

Das Jahr 2020 startete mit zehn ausverkauften Events in den ersten zehn Wochen sehr vielversprechend, wie Marc Jehnes, seit 23 Jahren Booker im Club Vaudeville, ausführte. Jedoch stand der komplette Betrieb von Mitte März bis Ende Mai coronabedingt still. Das gab es noch nie in der langen Vereinsgeschichte.

Aber untätig war der Club keineswegs. Die Crowdfunding-Aktion „Corona Crashed Culture“ brachte einen beträchtlichen fünfstelligen Betrag. Außerdem bekam der Club den Zuschlag bei „Neustart Kultur“, einem Förderprogramm, das den Umbau der WC-Anlagen zu kontaktlosen stillen Örtchen finanziert. Des Weiteren erhielt der Club einen Zuschuss vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, um das zweite Halbjahr zu überbrücken.

Der Club Vaudeville hat 110 Veranstaltungen durchgeführt

Trotz der zweimaligen Komplettschließung des Clubs schaffte es der Verein, 110 Events durchzuführen. „Allein 85 Veranstaltungen fanden im Zeitraum zwischen Ende Mai und Ende Oktober 2020 statt, bei dem es keinen einzigen Corona-Fall oder Beanstandungen von behördlicher Seite gab“, sagte Marc Jehnes.

Der Verein hofft auf finanzielle Hilfe

Wann es weitergehen wird, ist unklar. „Bis heute ist nicht ansatzweise abschätzbar, wann ein normaler Regelbetrieb für uns möglich sein wird. Selbst wenn die Möglichkeiten kurzfristig wieder geboten werden, so müssen zunächst Tourneen der Künstler geplant und beworben werden. Das alles dauert seine Zeit. Zudem ist ein Startkapital zur Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs zwingend notwendig, da viele Gagen, die durchaus im höheren vierstelligen Bereich liegen, im Voraus bezahlt werden müssen. Um das Überleben des Clubs zu sichern, sind nach wie vor jegliche Spenden sowie staatliche und städtische Zuwendungen unerlässlich“, sagte Buchhalter Florian Hedig.

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Die Hauptversammlung wählte im Anschluss ein neues Vorstandsteam. Dieses setzt sich aus bereits länger aktiven Vorstandsmitgliedern wie Florian Hedig und Simon Sutter, alten Hasen wie Jörg Bilger und Tobias Hehl sowie dem Neuling Jörg Heußner zusammen. Gemeinsam mit allen Helfern gibt es im neuen Jahr viel zu organisieren. Auf der Agenda steht auch die Frage nach einer Ausweichmöglichkeit für den Festivalplatz für das U&D, da die Hintere Insel im nächsten Jahr durch die Landesgartenschau belegt ist.

Club fordert mehr Bezuschussung von der Stadt

Durch den neuen Mindestlohn für Auszubildende entstehen dem Club Vaudeville ab dem neuen Jahr im Durchschnitt Mehrkosten von rund 7000 Euro. Deshalb fordert der Club mehr Bezuschussung von der Stadt, da diese die Ausbildungsvergütung bislang in voller Höhe übernommen hat. Hedig verdeutlicht: „Das soll trotz Mindestlohn weiterhin so sein. Ansonsten könnten die Ausbildungsstellen im Club Vaudeville nicht mehr gewährleistet werden.“

Abschließend zog Marc Jehnes noch Bilanz: „2020 hat uns hart getroffen. Wir haben trotzdem weitergemacht und sehr viel selber auf die Beine gestellt. Jetzt erwartet der Club ein Zeichen von der Stadt Lindau, damit wir auch die nächsten Jahre weiterhin Jugend- und Kulturarbeit machen können.“

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