Forstwirtschaft im Westallgäu

"Der Wald braucht Licht" - Waldwart aus Oberreute krempelt Wald für mehr Vielfalt um

Wo das Sonnenlicht in den Wald fällt, da wächst auf allen Ebenen etwas, hat Josef Milz (links) Bürgermeister Stefan Schneider gezeigt.

Wo das Sonnenlicht in den Wald fällt, da wächst auf allen Ebenen etwas, hat Josef Milz (links) Bürgermeister Stefan Schneider gezeigt.

Bild: Olaf Winkler

Wo das Sonnenlicht in den Wald fällt, da wächst auf allen Ebenen etwas, hat Josef Milz (links) Bürgermeister Stefan Schneider gezeigt.

Bild: Olaf Winkler

Mit seiner Strategie hat Waldwart Josef Milz nicht nur den eigenen Wald zukunftssicher gemacht, sondern auch die Gemeinde Oberreute überzeugt.
17.09.2021 | Stand: 12:53 Uhr

„Das kann nicht richtig sein“, hat sich Josef Milz schon vor 40 Jahren gedacht, als er in der Landwirtschaftsschule vermittelt bekam, dass Monokulturen mit großflächigen Einschlägen und Wiederaufforstungen ein wirtschaftlich sinnvoller Weg sein sollen. „Doch genau das wurde damals gelehrt“, erinnert er sich. Umgesetzt hat Milz das allerdings nie.

Das Ergebnis: Sein inzwischen 7,5 Hektar großer Waldbesitz in Oberreute steht zukunftssicher da. Milz’ Fachkenntnis nutzt auch seine Heimatgemeinde und hat ihn schon 2006 zum Waldwart ernannt. Das hat sich in mehrfacher Hinsicht für die Kommune bezahlt gemacht.

Als ehrenamtlicher Waldart baute Milz auch ein Stück Gemeindewald in Oberreute um

Im Westallgäu dominiert vielerorts der Plenterwald – ein Mischwald verschiedener Baumarten und unterschiedlichen Alters. So hat ihn auch Josef Milz in seiner Jugend kennengelernt – doch zugleich gelehrt bekommen, dass eine wirtschaftlichere Nutzung des Waldes möglich sein soll, wenn größere Einschläge erfolgen. Mancher Waldbesitzer ist dem Trend der Zeit damals gefolgt. Und das Ergebnis ist auch in Oberreute zu sehen. Schließlich verteilt sich die insgesamt über 300 Hektar große Waldfläche dort auf über 100 Besitzer. So gibt es dort heute Parzellen, die von Fichten oder Tannen gleichen Alters geprägt sind. Unterholz gibt es dort nicht. Die hohen Baumkronen schirmen den Waldboden ab. „Hier wächst nichts nach“, sagt Milz und ergänzt überzeugt: „Der Wald braucht Licht.“ Das kann nur dann den Waldboden erreichen, wenn einzelne Bäume gefällt werden. „Dann beginnt die Naturverjüngung“, sagt der 58-Jährige. Dass das keine bloße Theorie ist, zeigt ein Blick in die Waldflächen von Milz. In allen Schichten findet Wachstum statt. Neben Fichten und Tannen stehen mit Ahorn und Buchen auch Laubbäume. Und weil es sich gut verstecken kann, ist dort auch Wild zuhause.

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Dem früheren Bürgermeister Gerhard Olexiuk ist Milz bis heute dankbar: „Er hat mir das Vertrauen geschenkt und mich machen lassen.“ Als ehrenamtlicher Waldwart konnte Milz auch auf den 15 Hektar Waldfläche der Kommune einen behutsamen Umbau beginnen. „Man muss die Bäume erst an das Licht gewöhnen“, sagt er. Geld hat Milz erst dann verdient, wenn es ans Fällen einzelner Bäume ging. Das tut er bis heute für die Gemeinde. Im vergangenen Jahr hat die Kommune das zwar 5000 Euro gekostet. Doch eingenommen hat sie trotz damals noch niedriger Holzpreise 10 000 Euro. „Heuer wird das mehr“, wissen Milz und der derzeitige Bürgermeister des Ortes, Stefan Schneider.

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Im eigenen Wald hat Milz noch nie einen Käferbefall gehabt. „Und selbst wenn es dazu kommt, dann ist der Plenterwald widerstandsfähiger“, ist er überzeugt. Für die Kommune ist das Tun von Milz unbezahlbar. „Einen hauptamtlichen Waldwart könnten wir uns nicht leisten“, sagt der Bürgermeister.

Die Gedanken gehen weiter: Bei einer möglichen Erweiterung ihres Kindergartens will die Gemeinde Bauholz aus dem eigenen Forst nutzen. Und demnächst beginnen die Planungen für ein Nahwärmenetz. Hackschnitzel aus dem Gemeindewald sollen dort zum Einsatz kommen. Mit ihrem Tun hat die Kommune schon jetzt den Verein PEFC Bayern überzeugt. Das „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“ ist ein internationales Waldzertifizierungssystem. Der Verein verleiht das PEFC-Siegel, das bestätigt, dass die Waldflächen „ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig bewirtschaftet werden“. Der Bürgermeister weiß: „Das verdanken wir Josef Milz.“

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