Wangen

Der Wangener Puppenspieler ist zurück auf der Bühne

Puppenspieler Sven von Falkowski spielt von Mittwoch bis Samstag in der Wangener Häge-Schmiede.

Puppenspieler Sven von Falkowski spielt von Mittwoch bis Samstag in der Wangener Häge-Schmiede.

Bild: Susi Weber

Puppenspieler Sven von Falkowski spielt von Mittwoch bis Samstag in der Wangener Häge-Schmiede.

Bild: Susi Weber

Das Puppentheater spielt im August in der Häge-Schmiede. Hund Wurschtl kehrt dabei auf die Bühne zurück. Wie Sven von Falkowski das Thema Corona aufgreift.

Puppenspieler Sven von Falkowski spielt von Mittwoch bis Samstag in der Wangener Häge-Schmiede.
Von Susi Weber
10.08.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Im Frühjahr hat Puppenspieler Sven von Falkowski noch mit Sorgen in die Zukunft geblickt. Wenige Wochen später ist seine Zuversicht wieder da. Seit Juli ist der Wangener Puppenspieler mit seinem Zylinderhut-Theater wieder auf Tour. Den gesamten August über spielt er nun an vier Tagen pro Woche in der Häge-Schmiede sein Stück „Kasper und die Reise zum Mittelpunkt des Meeres“. Mit dabei ist auch Publikumsliebling Wurschtl.

Große und kleine Besucher haben Lust auf Theater

Der Kultur- und Theaterhunger ist groß. Groß beim Puppenspieler, aber auch bei seinen Besuchern. „Ich habe jetzt mehr als vier Wochen draußen gespielt und festgestellt, es gibt einen enormen Bedarf“, sagt Sven von Falkowski.

Draußen, das sind vor allem die Kindergärten, die seit Ende Juni das Telefon nicht mehr stillstehen ließen. Draußen, das sind Kinder in kleinen Gruppen, die ob des coronabedingten Lockdowns „ausgezehrt“ und laut von Falkowski umso aufmerksamer gewesen sind. Draußen, das ist zusätzlich die Erkenntnis des Puppenspielers, dass auch diverse Corona-Vorschriften nichts am Verhältnis zwischen Spieler und Kindern ändern: „Der Juli war einer der schönsten Spielmonate, die ich seit vielen Jahren hatte.“

Puppenspieler lobt den Wangener Oberbürgermeister

Auch, wenn der Puppenspieler auf Singen, Nähe und Mitmach-Szenen der Zuschauer verzichten musste und vorerst auch weiterhin muss, hat von Falkowski gute Erfahrungen gesammelt und bei den Kindern auch Zuversicht hinterlassen: „Das Zylinderhut-Stück hatte inhaltlich mit der Angst des Königs zu tun.“ Angst, vor etwas, was man nicht sieht: „Die Kinder haben das umgesetzt in die heutige Zeit und wie der König die Angst ein Stück weit besiegt.“ Dass er jetzt, statt im (kleinen) Theater an der Langen Gasse in der Häge-Schmiede spielen kann, dafür ist er Oberbürgermeister Michael Lang und der Verwaltung sehr dankbar: „Der OB hat mich auf dem Marktplatz angesprochen, ob die Stadt etwas für mich tun kann und ich habe gesagt: Die Häge-Schmiede wäre super. Tags darauf wussten es bereits sämtliche Stellen in der Verwaltung.“ Das eingereichte Hygienekonzept war binnen zweier Tage genehmigt: „Da kann man nur Danke sagen an die Behörden.“ Das Theater selbst wird frühestens im September wieder öffnen. Auch ein Erwachsenenprogramm ist ab diesem Zeitpunkt wieder geplant.

Erst einmal aber gibt es Puppentheater in der Häge-Schmiede. Für das Stück „Kasper und die Reise zum Mittelpunkt des Meeres“ hat sich von Falkowski etwas Besonderes einfallen lassen: „Wurschtl wird zurückkehren und macht Theater-Urlaub von Lockdown, Homeoffice und seiner Frau, der Mondkuh.“ Gemeinsam mit Wurschtl will von Falkowski das Corona-Thema kindgerecht umsetzen: „Das habe ich auch mobil bislang gemacht – und es war sehr lustig.“ Mit Heiterkeit will er der Angst begegnen, ohne die Gefahr dabei zu banalisieren.

Bei seiner Kindergarten-Tour hat Sven von Falkowski auch festgestellt, was für einen „enorm guten Job“ Erzieherinnen geleistet haben: „Auch wenn sie öffentlich nicht in den Mittelpunkt gerückt wurden wie Altenpfleger, Verkäufer oder Lehrkräfte.“ Immerhin wurden Erzieher als systemrelevant anerkannt, was vielen Künstlern bis zum heutigen Tag versagt geblieben ist. „Ich habe gemerkt, ich gebe den Menschen das Lachen, was sie brauchen und glaube: Auch wir sind systemrelevant“, sagt der Puppenspieler.

Eingesetzt hat bei ihm ein Lernprozess, der aus der „besonderen Situation“ hervorgegangen ist: „Man muss plötzlich in verschiedene Richtungen spielen, lernen, die Bühne anders auszufüllen.“ Für ihn selbst sei das Corona-Thema nicht mehr wie am Anfang ausschließlich problembehaftet: „Ich habe meinen Frieden mit dieser Zeit geschlossen und merke, dass ich einen Kreativschub habe, der durch mich hindurch geht.“ Sven von Falkowski ist sich mittlerweile sicher, dass er beruflich mindestens bis zum Jahresende überlebt, wenn alles so bleibt, wie es ist. Im Januar setze er sich wieder, wie in jedem Jahr, hin, rechne und plane: „Dann werden die Karten neu gemischt.“ Der „Spielplan für Familien“ auf der Homepage ist aber bereits eingestellt – und reicht bis August 2021.