Corona

Die Pandemie belastet das Landratsamt Lindau bis zum  Anschlag

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamts Lindau kommen in Zeiten der Pandemie an ihre Belastungsgrenzen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamts Lindau kommen in Zeiten der Pandemie an ihre Belastungsgrenzen.

Bild: Wolfgang Schneider (Archiv)

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamts Lindau kommen in Zeiten der Pandemie an ihre Belastungsgrenzen.

Bild: Wolfgang Schneider (Archiv)

Landrat Stegmann schildert die Herausforderungen, die die Beschäftigten der Behörde derzeit bewältigen müssen. Ein Amtsarzt ist derzeit nicht im Haus.
22.09.2020 | Stand: 12:24 Uhr

Seit 27. Februar gibt es im Landkreis Lindau einen Krisenstab Corona, er hatte in all den Monaten bis zu 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Und das Thema ist längst nicht vorbei“, sagte Elmar Stegmann im Kreisausschuss. Der Landrat gab einen Überblick zur Lage und schilderte die Herausforderungen, die das Landratsamt zu bewältigen hat. Ein Problem dabei: „Wir haben zur Zeit keinen Amtsarzt am Landratsamt.“

Freistaat richtet befristete Stellen ein

Eine Amtsarzt-Stelle in Lindau ist seit März unbesetzt, der andere Amtsarzt scheide nach seinem Urlaub aus. Unterstützung erhält das Landratsamt zweimal die Woche von einem pensionierten Arzt und von weiteren Medizinern, die ihr Wissen teilten. „Wir selbst haben uns inzwischen viel Fachwissen angeeignet“, sagte Stegmann. Hoffnung auf baldige Besserung der Personalsituation hat er nicht. Die vom Freistaat zugesagten zusätzlichen Stellen im Gesundheitsamt könnten auch in anderen Kreisbehörden kaum besetzt werden. Das verwundert den Landrat nicht: „Welcher Arzt bewirbt sich auf eine befristete Stelle?“

Neben dem Gesundheitsamt ist der Bereich Öffentliche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt Lindau mit der Pandemie-Bekämpfung beschäftigt. Der Krisenstab unter Leitung von Stegmann sowie den Juristen Erik Jahn und Tobias Walch sei bis heute rund um die Uhr einsatzbereit. Zu den vielen Aufgaben gehören auch Einzelfallentscheidungen, etwa für Gastronomiebetriebe, Kulturveranstaltungen, Demonstrationen, Vereine. „Zum Teil änderte sich die Rechtslage dazu in einer Woche mehrmals“, schilderte Stegmann. Ein Kontrollteam für Erntehelfer habe 20 Betriebe besucht und neben dem Infektionsschutz auch die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten geprüft. Die Belastung seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschrieb Stegmann so: „Die Behörde ist am Anschlag.“

Landrat hatte erst drei Tage Urlaub

Er selbst habe bisher drei Tage Urlaub in diesem Jahr genommen. Der Landrat bat um Verständnis dafür, dass manche Dinge zur Zeit länger brauchen. Im Gesundheitsamt etwa blieben Begutachtungen und Überwachungsaufgaben teilweise liegen.

Der Dienstbetrieb der Kreisbehörde sei indes gewährleistet. Der Kontakt mit Bürgern läuft überwiegend über E-Mail und Telefon, wo nötig, werden Termine in geeigneten Besprechungsräumen vereinbart. Corona führt auch zu einer Umstrukturierung der Verwaltung. So wurden für 50 Beschäftigte Heimarbeitsplätze eingerichtet. „Wir sind eine systemrelevante Einrichtung, der Betrieb muss auch weiterlaufen, wenn es eine Infektion gibt“, erklärte Stegmann. In Folge der Sicherheitsvorkehrungen laufe vielleicht auch mal „nicht mehr alles so reibungslos wie gewohnt“, räumte er ein. So habe es bei der Zulassungsstelle im Sommer Probleme gegeben, nachdem sich Kfz-Zulassungen nach Ausbruch der Pandemie aufgestaut hätten.

Landrat Elmar Stegmann geht davon aus, dass mit der kalten Jahreszeit die Infektionszahlen steigen. Auch erste Influenza-Fälle seien im Landkreis registriert.

 

Weitere Informationen rund um Corona

  • Seit Montag, 14. September, wurden 21 neue Corona-Fälle im Landkreis Lindau gemeldet. Damit sind aktuell 305 Corona-Infektionen registriert.
  • Im Testzentrum auf dem Gelände der Müllumladestation an der Bösenreutiner Steig in Lindau sind bis einschließlich Sonntag 1757 Menschen getestet worden, bei elf wurde eine Infektion festgestellt. In der Regel liegt ein Testergebnis laut Landrat Stegmann innerhalb von 24 Stunden vor. Den Standort des Zentrums hält er auch darum für geeignet, weil das Areal am Wochenende nutzbar ist und Urlaubsrückkehrer also zeitnah einen Test machen können. Dass ein professioneller Dienstleister und keine ehrenamtlichen Kräfte etwa des Roten Kreuzes mit der Aufgabe betraut wurde, erklärte Stegmann so: „Wir möchten die Ehrenamtlichen schützen, denn wir wissen nicht, was noch auf uns zukommt. Vielleicht müssen wir sie zu einen späteren Zeitpunkt einsetzen.“ Das Testzentrum an der Bösenreutiner Steig in Lindau ist montags, mittwochs und freitags jeweils von 17.30 bis 19.30 Uhr geöffnet sowie sonntags von 10 bis 13 Uhr.
  • Digitalisierung an Schulen: „Alle Schulen des Landkreises sind in der Lage, digitalen Unterricht anzubieten, alle sind an Glasfaser angeschlossen“, sagte Landrat Elmar Stegmann, nachdem er die Geräte aufgelistet hatte, mit denen die Schulen zuletzt ausgestattet wurden. Aktuell wird die Ausschreibung für die Netzwerkbetreuung an den Schulen vorbereitet. Markus Reichart, Bürgermeister von Heimenkirch (Grüne), äußerte die „große Sorge, dass diese Kosten langfristig an den Kommunen hängen bleiben“. Bisher sei staatliche Förderung nur auf drei Jahre zugesagt, mit einer möglichen Verlängerung von zwei Jahren. „Diese Kosten sollen ganz bewusst vom Freistaat an die Schulaufwandsträger abgewälzt werden. Das ist für uns keine Lösung“, sagte Reichart. Uli Pfanner (CSU), Bürgermeister von Scheidegg regte eine Zusammenarbeit mehrerer Schulen an.
  • Schulbusse: 84 000 Euro erhält der Landkreis vom Freistaat, um die Schülerbeförderung zu verbessern. Durch Verstärkerbusse soll dichtes Gedränge in den Fahrzeugen verhindert werden. „Wir sammeln zu Schuljahresbeginn Erfahrungen, wo sie am besten eingesetzt sind“, erklärte Landrat Stegmann. In Lindau und in Lindenberg sollen je drei weitere Linien eingerichtet werden. (ins)