Glaube

Diese Geschichte verbirgt sich hinter einem Lindenberger Kreuz

Franz Holz (links) stieß auf Margarete Loitz, als er mehr über die Geschichte des Wegekreuzes am Rande Lindenbergs erfahren wollte. Die beiden verbindet der gleiche Wunsch: Den Glauben am Leben zu halten.

Franz Holz (links) stieß auf Margarete Loitz, als er mehr über die Geschichte des Wegekreuzes am Rande Lindenbergs erfahren wollte. Die beiden verbindet der gleiche Wunsch: Den Glauben am Leben zu halten.

Bild: Daniel Boscariol

Franz Holz (links) stieß auf Margarete Loitz, als er mehr über die Geschichte des Wegekreuzes am Rande Lindenbergs erfahren wollte. Die beiden verbindet der gleiche Wunsch: Den Glauben am Leben zu halten.

Bild: Daniel Boscariol

Franz Holz will ein Kreuz am Rande Lindenbergs erhalten. Was er über dessen Geschichte herausgefunden hat - und wieso er nachforschte.
29.09.2020 | Stand: 06:54 Uhr

Schon oft ist Franz Holz bei einem Spaziergang an diesem Wegekreuz vorbeigelaufen: Schwarz-metallen und dezent verziert, thront es auf einem weißen Sockel, der mit ein paar Blumen im Schatten zweier Birken steht. Um das religiöse Zeichen am Rande Lindenbergs haben sich viele Menschen gekümmert. Für die, die es heute pflegen, erfüllt das Wegekreuz eine wichtige Aufgabe: Eine Gesellschaft, die sich vom Glauben zunehmend entfremdet, wird so an ihre religiösen Wurzeln erinnert.

Pfarrgemeinderat Holz: Wichtige Erkenntnisse beim Älterwerden

„In den Menschen soll aufblitzen, dass da ein Kreuz steht“, sagt Franz Holz vom Pfarrgemeinderat in Lindenberg. „Daraus folgt der Gedanke: Es gibt das Christentum. Es gibt den Glauben.“ Seit zwei Jahren hilft er bei der Pflege des Kreuzes und schmückt es im Frühjahr mit frischen Blumen. Für ihn ist die Bedeutung dieses Symbols mit einer wichtigen Erkenntnis beim Älterwerden verbunden: „Ich möchte Erinnerungen weitergeben. Es geht viel zu viel verloren“, sagt Holz.

Der 63-Jährige ist deshalb der Geschichte des Kreuzes nachgegangen. Herauszufinden, wer das Sinnbild dort aufgestellt hat, war gar nicht so einfach – obwohl die Hintergründe wenig Außergewöhnliches zu bieten haben. Holz hat Anwohner der Lindenberger Straße „Auf der Hub“ für seine Untersuchungen befragt.

Kreuz am Rande Lindenbergs stammt nicht aus dem Westallgäu

So stieß er auf Margarete Loitz, die in einem Haus unweit des Kreuzes wohnt. Von ihr erfuhr er, eine Frau Ketteler aus Stuttgart habe das Kreuz in den 60er Jahren mitgebracht, als sie Nachbarn der Familie Loitz besucht hatte: „Eines schönen Tages kam sie mit diesem völlig verrosteten Kreuz an.“

Margarete Loitz’ Schwiegervater Karl habe „aus Gutmütigkeit“ das Kreuz hergerichtet, sagt die Seniorin. „Ich sehe ihn heute noch im Werkkeller stehen.“ Er sei ein echter „Mächler“ gewesen; ein im Allgäu gängiger Begriff für einen Hobby-Künstler.

Schließlich stand das Kreuz in neuem Glanz am Wegrand „Auf der Hub“. Doch damit war nicht jeder einverstanden: Loitz erzählt von einer heftigen Auseinandersetzung mit dem Besitzer des Grundstücks, auf dem das Kreuz noch heute steht. „Da ging es laut zu“, sagt die Seniorin. Letztlich blieb es stehen – geriet aber in Vergessenheit.

Über die Jahre pflegten gelegentlich Freiwillige das Wegekreuz. Margarete Loitz’ Schwiegermutter pflanzte an einem Fronleichnamsfest Birkenzweige daneben. Sie haben über die Jahre eine stattliche Größe erreicht und überragen jetzt das Kreuz um ein Vielfaches.

Kreuz verwittert immer wieder

Doch das Kreuz verwitterte erneut. Als es eines Tags verschwand, vermuteten die Anwohner, es sei gestohlen worden. Tatsächlich aber hatte es Herbert Epp, damals am Bauhof tätig, abgebaut. „Ich wusste gar nicht, dass er das Kreuz zum Pflegen entfernt hatte“, sagt Holz. Erst im vergangen Frühjahr haben Epp, Holz und ein Helfer den Sockel des Kreuzes gestrichen, die Tafel erneuert und Schmutz entfernt.

Im Winter zieht Franz Holz um. Darum sucht er Nachfolger, die – wie viele Menschen zuvor – das Kreuz und seine Geschichte erhalten. „Erinnerungen sind so wertvoll. Und sie verleihen Wertigkeit“, sagt Holz. „Dieser Weg gibt Kraft.“