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Rainer Rothfuß: "Björn Höcke macht in Thüringen eine sehr gute Arbeit"

Rothfuß Rainer

Dr. Rainer Rothfuß ist Direktkandidat der AfD im Wahlkreis Oberallgäu, zu dem die kreisfreie Stadt Kempten sowie die Landkreise Oberallgäu und Lindau gehören.

Bild: Ralf Lienert

Dr. Rainer Rothfuß ist Direktkandidat der AfD im Wahlkreis Oberallgäu, zu dem die kreisfreie Stadt Kempten sowie die Landkreise Oberallgäu und Lindau gehören.

Bild: Ralf Lienert

Dr. Rainer Rothfuß (50) aus Lindau misstraut Söders Aussagen in Sachen Corona und würde einem Antrag zum Dexit zustimmen. Was er vom Klimaschutz hält.
07.09.2021 | Stand: 17:45 Uhr

Er wollte schon Oberbürgermeister von Lindau werden, später auch Landrat am bayerischen Bodensee. Nun will er nach Berlin. Dr. Rainer Rothfuß (50) ist der Direktkandidat der AfD im Wahlkreis Oberallgäu, zu dem die kreisfreie Stadt Kempten sowie die Landkreise Oberallgäu und Lindau gehören. Im Interview äußert er sich zu Björn Höcke, Grenzkontrollen und einem Austritt Deutschlands aus der EU.

Herr Rothfuß, Sie machen Wahlkampf in Würzburg, Tirschenreuth oder Bad Tölz, aber bisher kaum im Allgäu. Hat die AfD so wenige Wahlkämpfer in Bayern oder interessiert Sie der Wahlkreis so wenig?

Dr. Rainer Rothfuß: Ich bin als Wahlkampfredner begehrt. Neben Peter Boehringer bin ich der Redner mit den meisten Auftritten der AfD in Bayern. Natürlich liegt mir der Wahlkreis am Herzen. Einladungen kann man aber nicht einfach ausschlagen.

Sie haben mit Jörg Meuthen ein Buch geschrieben, treten aber mit Tino Chrupalla und Peter Bystron auf Wahlkampfveranstaltungen auf, die beide dem rechten Lager zugeordnet werden. Viele fragen sich: Wem steht Rainer Rothfuß näher, dem gemäßigten Lager oder dem rechten Flügel?

Rothfuß: Das Lagerdenken wird der AfD sehr stark von außen zugeschrieben. Ich arbeite mit jedem zusammen, der vernünftig ist. Da gehört Jörg Meuthen dazu, aber natürlich auch Chrupalla und Bystron.

Dr. Rainer Rothfuß: "Björn Höcke macht eine sehr gute Arbeit"

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Analyse

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Und Björn Höcke?

Rothfuß: Björn Höcke macht in Thüringen eine sehr gute Arbeit.

Die AfD fordert eine Rückbesinnung auf das Nationale und den Austritt Deutschlands aus der EU. Stehen Sie hinter dieser Forderung?

Rothfuß: Die Dexit-Forderung ist sehr plakativ. Aber wir brauchen Druck auf die EU, die über den Corona-Wiederaufbaupakt weit über 100 Milliarden Euro an Länder wie Italien verteilt, das damit Steuergeschenke macht und das Rentenalter senkt, während es bei uns erhöht wird. Diese gigantische Umverteilung immer zu unseren Lasten muss beendet werden. Diese Debatte müssen wir führen.

Das war aber keine konkrete Antwort.

Rothfuß: Doch, es ist eben eine plakative Forderung. Sie können im Wahlkampf nicht immer hochkomplex ausdifferenziert argumentieren. Da braucht es manchmal den Holzhammer.

Ganz konkret: Sie sitzen im Bundestag, es kommt ein Antrag, Deutschland soll aus der EU austreten. Stimmen Sie zu?

Rothfuß: Ja, weil es Teil der Strategie sein muss, dass sich die EU endlich bewegt. Nicht einmal der Austritt Großbritanniens hat sie zum Umdenken gebracht. So verliert die EU auch bald osteuropäische Staaten. Nicht die AfD macht die EU kaputt, sondern die abgehobenen Eurokraten in Brüssel.

Das West- und Oberallgäu sind grenznahe Regionen. Bürger, Tourismus und Unternehmen profitieren von der Freizügigkeit, die die EU mit sich bringt. Die AfD fordert Kontrollen und „physische Barrieren“ an den Grenzen. Rechnen Sie bei den Menschen vor Ort mit viel Verständnis für solche Forderungen?

Rothfuß: Man muss schon sagen, wofür das ist. Wir wollen Kontrollen, weil das Schengenabkommen nicht funktioniert. Dänemark macht es auch so. Das Beste wäre, der Schutz an den EU-Außengrenzen würde vertragsgemäß funktionieren, dann bräuchten wir keine Kontrollen innen.

Welche Werte sind Ihnen wichtig?

Rothfuß: Christliche Werte. Mir ist wichtig, Traditionen zu erhalten, die bei uns noch vielfältig vorhanden sind. Der Schutz des ungeborenen Lebens. Die AfD ist die einzige im Bundestag vertretene Partei, die sich in ihrem Wahlprogramm dafür einsetzt, die CDU und CSU nicht mit einem Wort.

Corona ist Ihr Hauptthema. Das Wahlprogramm der AfD hat 209 Seiten, aber nur gut eine davon ist Corona gewidmet...

Rothfuß: Nein, das Thema ist verteilt auf mehrere Kapitel, weil es viele Bereiche betrifft, die Wirtschaft genauso wie die Gesundheit. Die Corona-Politik überschattet alles. Sie verunsichert die Menschen, drängt sie zum Impfen. Wir lehnen den Lockdown ab, die reine Orientierung am Inzidenzwert und auch PCR-Tests, weil sie alleine keine Infektion feststellen können, wie die WHO in einem Bulletin vom Januar 2021 festhält.

Dann müssten Sie mit der aktuellen Politik zufrieden sein. Bayern orientiert sich nicht mehr allein an der Inzidenz und einen vierten Lockdown wird es nicht geben, versichert Söder...

Rothfuß: Vor der Wahl. Ich misstraue der Regierung in der Hinsicht komplett. Es wird einen vierten Lockdown geben, zumindest für Ungeimpfte. Da bin ich absolut sicher. So etwas spaltet die Gesellschaft. Man muss auch vor Menschen Respekt haben, die eine Gentechnik-Impfung fürchten.

AfD-Kandidat Rothfuß: "Umweltschutz mit verhältnismäßig sein"

Vielen gilt der Klimawandel als größere Bedrohung als Corona. Die AfD sieht das offenbar anders. „Der Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre hat in den letzten Jahrzehnten zu einem Ergrünen des Planeten beigetragen“, heißt es im Wahlprogramm. Zudem hält die AfD das Klima per se für „nicht schutzfähig“. Ist für Sie Klimaschutz unnötig und Geldverschwendung?

Rothfuß: Wir haben eine eindeutige Position: Umweltschutz muss pragmatisch und verhältnismäßig sein. Es hilft nicht, Kohlekraftwerke hier abzuschalten, wenn in China 100 neue gebaut werden. Oder wenn Daimler die Dieselmotorenproduktion nach Asien verlegt. Dem globalen Klima ist dadurch nicht geholfen. Der eine Billion Euro teure Green Deal der EU ist ein Irrsinn, wenn sie gleichzeitig Freihandel will, der uns das Steak aus abgeholzten brasilianischen Regenwäldern beschert, statt von der Weide nebenan.

Hat Deutschland als reiche Industrienation nicht eine Vorbildfunktion? Wir liegen beim CO2-Ausstoß absolut und pro Kopf im Spitzenfeld, erst Recht, wenn man den Ausstoß der Vergangenheit aufsummiert.

Rothfuß: Jeder muss seine Wohlstandsgrundlage erhalten dürfen. Es gibt keinen Sinn alles aufzusummieren, was ein Land in seiner Geschichte ausgestoßen hat.

Die Positionen der AfD zur Flüchtlingspolitik sind bekannt....

Rothfuß (unterbricht): Das glaube ich nicht. Wir setzen auf viel wirksamere Hilfe vor Ort. Ein Bruchteil der Milliardensummen für die Asylpolitik könnte heimatnah viel mehr bewirken. Flüchtlingen kann besser in Nachbarländern geholfen werden.

Ich wollte eigentlich konkret eine Frage zu den afghanischen Ortskräften stellen. Hätten Sie sie nach Deutschland geholt?

Rothfuß: Ich hätte ihnen geholfen, in ein Nachbarland zu kommen und dort eine Existenz aufzubauen. Dort hätten sie auch die Möglichkeit, zurück in ihr Heimatland zu gehen, wenn sich die Lage wieder entspannt. Dass jetzt unter den Afghanen, die die Bundeswehr aus dem Land geholt hat, nur drei Prozent Ortskräfte sind, ist ein Skandal.

Zur Person: Dr. Rainer Rothfuß

  • Alter 50 Jahre
  • Wohnort Lindau
  • Familie verheiratet, zwei Kinder
  • Beruf Diplom-Geograf, als Berater selbstständig
  • Partei AfD-Mitglied seit 2018. Vorsitzender des Kreisverbandes Westallgäu-Lindau und des Ortsverbandes Lindau, Stadt- und Kreisrat in Lindau
  • Ehrenämter Kuratoriumsmitglied der parteinahmen Desiderius-Erasmus-Stiftung