Eisschwimmen

Eisschwimmer Paul Bieber und seine Rekord-Saison: „Ich war permanent unter Strom“

Paul Bieber

Extremsportler Paul Bieber aus Röthenbach hat eine ereignisreiche Saison hinter sich. Zweimal hat er die Eismeile geknackt.

Bild: Bieber

Extremsportler Paul Bieber aus Röthenbach hat eine ereignisreiche Saison hinter sich. Zweimal hat er die Eismeile geknackt.

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Eisschwimmer Paul Bieber aus Röthenbach hat einen turbulenten Winter hinter sich. Wie er den Medienhype erlebt hat und welches Projekt er im Kopf hat.
26.04.2021 | Stand: 07:05 Uhr

Während Otto Normalverbraucher maximal zaghaft daran denken kann, seine Badesachen aus dem Keller zu holen, hat Paul Bieber seine Ausrüstung schon wieder in den Schrank geräumt. Der Eisschwimmer aus Röthenbach hat seine Saison beendet – und blickt auf ereignisreiche Monate zurück, die ihm Medienpräsenz in aller Welt beschert haben. „Ich stand eigentlich permanent unter Strom“, sagt der 37-Jährige. Jetzt kann er zumindest kurzzeitig auch mal die Füße hochlegen. Das nächste Projekt ist aber schon in Planung.

An den 30. Januar 2021 wird der Röthenbacher wohl sein Leben lang mit Freude und Stolz zurückblicken: Nach monatelanger Vorbereitung und hartem Training hat er an jenem Samstag den Deutschen Rekord im Distanz-Eisschwimmen gebrochen. Bei unter fünf Grad Wassertemperatur legte er 2210 Meter in exakt 43:03 Minuten zurück – und verbesserte so die sechs Jahre alte Bestmarke um 60 Meter.

Nur wenige Sportler in Deutschland haben die "Eismeile" geknackt

In Deutschland haben erst 20 Menschen offiziell die „Eismeile“ (1609 Meter bei unter fünf Grad) bezwungen, weltweit ebenfalls erst 400. Und auch seine erzielte Zeit war ein internationaler Spitzenwert.

Das löste kurzzeitig einen riesigen Medienhype aus. Zeitungen, Onlineportale, Radiostationen und Fernsehsender in aller Welt berichteten darüber. „Das war in der Zeit, in der sonst nichts los war. Davon habe ich profitiert“, räumt er ein. Das Bayerische Fernsehen hat ihn sogar live ins TV-Studio eingeladen. Inzwischen hat sich das alles aber wieder „komplett beruhigt“.

Bereits sein zweites Husarenstück war schon deutlich weniger im Fokus: Bieber schwamm am 28. Februar im Alpsee bei Immenstadt erneut die „Eismeile“ – diesmal sogar nur bei dreieinhalb Grad Wassertemperatur. „Das war schon eine andere Nummer. Jedes Zehntel Unterschied macht sich bemerkbar“, blickt er zurück. Starke 1658 Meter schwamm er in 33:41 Minuten.

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Nicht nur wegen der deutlich widrigeren äußeren Umstände ist er auf seine zweite Eismeile besonders stolz: „Für den Kopf war das ganz wichtig. Ich hatte dadurch das Gefühl, da geht noch mehr und das war es noch nicht.“

Corona-Vorgaben bremsen Projekt im Bodensee aus

Tatsächlich wollte der ehrgeizige Extremsportler vom Team Outdoor Active/Allgäuer Alpenwasser noch ein drittes Projekt durchziehen: Er hatte geplant, bei unter zehn Grad im Bodensee von Lindau nach Bregenz zu schwimmen. Das wären zwischen 6,7 und 6,9 Kilometer gewesen. Allerdings machten ihm die Corona-Vorgaben einen Strich durch die Rechnung – denn er hätte, wenn auch im Wasser, die Grenze zu Österreich überqueren müssen.

Dass ihn die Behörden bei diesem Vorhaben ausgebremst haben, hat den 37-Jährigen, der erst vor drei Jahren mit dem Eisschwimmen angefangen, aber schon acht Deutsche Meistertitel geholt hat, gehörig die Laune verhagelt. „Da fällt man schon in ein Loch. Die Motivation ist hinüber“, sagt er. Ein bisschen vergleicht er das mit einer Olympia-Verschiebung: „Du trainierst und trainierst, die Form stimmt – und dann nimmt man dir was, in das du investiert hast.“

Auf der anderen Seite sei dieser harte Cut auch gar nicht so schlecht. Seit Herbst stand Bieber ordentlich unter Strom. Fast täglich ist er mindestens einen Kilometer im (eis-) kalten Wasser geschwommen, manchmal sogar das Vierfache. Vor den Projekten galt es immer, auf sämtliche Unwägbarkeiten zu achten: Wind, Wetter, Wassertemperatur. Erst kurzfristig entschied sich, ob er überhaupt starten kann – oder das Wasser nicht doch „zu warm“ ist, um offiziell auch als Rekord anerkannt zu werden. Denn die Verbandsvorgaben sind streng.

Paul Bieber will von Lindau nach Lindau radeln

Nun will er zunächst einmal den Kopf ein bisschen freibekommen. Bei ihm heißt das: eine andere Herausforderung suchen. Bieber hat sich schon als „normaler“ Schwimmer, Triathlet, Bobfahrer und Sportholzfäller probiert. Jetzt plant er etwas auf dem Fahrrad: Im Sommer will er von Lindau nach Lindau radeln – von der gleichnamigen 1300-Seelen-Gemeinde bei Kiel einmal quer durch Deutschland an den heimischen Bodensee.

„Die Idee ist aus einer Lust und Laune heraus entstanden. Ich sitze im Moment eh viel auf dem Rennrad und auf der Rolle, um die Kilos runterzukriegen, die ich im Winter draufbekommen habe“, sagt Bieber. Die rund 1000 Kilometer will er Ende August oder Anfang September innerhalb von zehn bis zwölf Tagen bezwingen.

Und dann kommt eh schon bald wieder der Winter. Ob und wie es mit dem Eisschwimmen weitergeht, lässt der zweifache Familienvater aber noch offen. „Zwei bis drei Sachen“ habe er zwar im Kopf, darunter die Strecke Lindau–Bregenz, doch im Verband gebe es derzeit Änderungen, sodass er nicht abschätzen könne, „wie es sich weiterentwickelt“.

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