Oberstaufen

Entlastet künftig ein Tunnel den Verkehr in Oberstaufen?

Oberstaufen Verkehr

Oberstaufen Verkehr

Bild: Olaf Winkler

Oberstaufen Verkehr

Bild: Olaf Winkler

Technisch wäre die Umfahrung der Ortsmitte von Oberstaufen mit einem rund 600 Meter langen Tunnel unter dem Staufen-Berg hindurch möglich – eine Tieferlegung der Bahnstrecke Lindau-Immenstadt jedoch nicht. Das ist das Ergebnis einer Studie, die der Marktgemeinderat in Auftrag gegeben hat.

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Von Olaf Winkler
11.10.2019 | Stand: 15:52 Uhr

Gunther Wild von der Beratungsgesellschaft „Die Städtebau“ in Gersthofen präsentierte dem Gremium in seiner jüngsten Sitzung eine grobe Kostenschätzung: Bei konsequenter Planung und Bau ab 2024 würde ein Gesamtprojekt mit Tunnel und Tiefgarage mindestens 72 Millionen Euro kosten. Vor diesem Hintergrund sprach Hans-Jörg Lingg von einer „größenwahnsinnigen Vision“. Allerdings: Wie andere Ratsmitglieder hält auch er es für richtig, das Verkehrsproblem im Ort weiter genau in Augenschein zu nehmen. Als Grundlage dafür will das Gremium im nächsten Jahr genaue Zahlen über den Verkehrsfluss erhalten und dafür in eine entsprechende Studie investieren.

Kernpunkt der Betrachtung ist der Bahnhofsvorplatz, der heute im südlichen Teil Parkplatz und im Norden Busbahnhof ist. Vom Platz aus geht es über einen Bahnübergang in die Immenstädter Straße. Während sich hier der Verkehr insbesondere dann staut, wenn viele Touristen im Ort sind, sieht Bürgermeister Martin Beckel im Bahnhofsplatz die Visitenkarte der Marktgemeinde, die derzeit eine „Parkwüste“ sei. Vor diesem Hintergrund haben sich Mitglieder von Bürgerwerkstätten im Rahmen des interkommunalen Entwicklungskonzept „Salzstraßen-Gemeinden“ überlegt, wie die Verkehrsbelastung sinken und der Ort attraktiver werden könnte. Eine Idee dabei war die Tieferlegung der Bahnstrecke. Sie scheidet aus Sicht von Planer Wild aus. Erst vor zwei Jahren wurde der Bahntunnel vor Oberstaufen für rund 25 Millionen Euro saniert. Er aber gibt die Höhe der Bahntrasse vor. Die notwendige Tieferlegung um 9,50 Meter lässt sich auf der relativ kurzen Distanz zum Bahnhof und dem folgenden Bahnübergang nicht erreichen. Somit verfolgt der Planer diese Variante nicht weiter. Technisch möglich wäre ein Entlastungstunnel, der die Autofahrer über einen neuen Kreisverkehr im Bereich der Rainwaldstraße direkt zur Immenstädter Straße führen könnte. Gleichzeitig könnte im Bereich des Bahnhofsvorplatzes eine zwei- oder dreigeschossige Tiefgarage mit 300 beziehungsweise 430 Stellplätzen entstehen.

Vor allem eine solche Tiefgarage ist für einzelne Ratsmitglieder eine Option: „Um sie kommen wir nicht herum“, so Jan Fässler. Viel Verkehr entstehe im Ort auf der Suche nach einem Parkplatz, so Bürgermeister Beckel. Eine Tiefgarage könne sinnvoll sein, auch wenn sie sich nicht wirtschaftlich betreiben lasse. Für Hans-Jörg Lingg ist das nicht unbedingt Aufgabe der Gemeinde. Ein Investor könnte die Tiefgarage und eine Bebauung darüber finanzieren.

Für Jan Fässler ist wichtig, dass die vorgelegte Studie Startschuss für weitere Überlegungen ist, denn: „Oberstaufen steht vor dem Verkehrsinfarkt.“ Wichtig aus seiner Sicht: „Wir sollten auch mal etwas für Fußgänger und Radfahrer machen.“ Durch barrierefreie Übergänge könne der Ort für sie attraktiver werden. Mit der Folge, dass sie auf das Auto verzichten.