Lindenberg

Führt ein Volksbegehren zu bunteren Westallgäuer Gemeinden?

Kommunale Grünpflege

Bernd Brunner (links) erklärt seinen Zuhörern, was falsch läuft auf dieser Wiese an einem Hang kurz vor der Lindenberger Antonio-Huber-Schule.

Bild: Daniel Boscariol

Bernd Brunner (links) erklärt seinen Zuhörern, was falsch läuft auf dieser Wiese an einem Hang kurz vor der Lindenberger Antonio-Huber-Schule.

Bild: Daniel Boscariol

Bernd Brunner und Michaela Berghofer aus Lindau erklären, wie aus Wiesen bunte Blumenfelder werden können. Dabei spielt auch ein Volksbegehren eine Rolle.

28.06.2020 | Stand: 08:03 Uhr

Naturliebhaber finden an einer Wiese bei der evangelischen Kirche in Lindenberg Glatthafer, rauen Löwenzahn, Rotklee und Ruchgras. Die Pflanzen sind Zeichen für eine artenreiche, gesunde Wiese. Das Insektenvorkommen ist dort hoch – Grillen machen sich mit lautem Zirpen bemerkbar.

Bernd Brunner, der Lindauer Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege, und Botanikerin Michaela Berghofer, zeigen mit der Wiese nahe der Kirche, wie naturfreundlicheres Gärtnern aussehen kann. „Gräser sind hier weniger dominierend“, sagt Brunner. Solche Wiesen könnten selbst an Straßenrändern gute Lebensräume sein, sagt Berghofer, die Mitglied beim Landschaftspflegeverband Lindau- Westallgäu ist, im Vorfeld der Besichtigung.

Volksbegehren Artenvielfalt sorgte für Umdenken - auch bei Westallgäuer Gärtnern 

Die Wiese präsentieren die Pflanzenexperten bei einer Veranstaltung über umweltfreundlicheres Gärtnern. Zuhörer sind einige Westallgäuer Gemeinde-Vertreter wie Bürgermeister und Bauhofmitarbeiter. Das Volksbegehren Artenvielfalt und Naturschönheit, das in Bayern Anfang vergangenen Jahres stattfand, war wohl der Ursprung der Veranstaltung im Lindenberger Bauhof: „Das Volksbegehren hat viel Staub aufgewirbelt“, sagt Brunner. „Unsere Arbeit hat sich verändert.“ Plötzlich sei „Grün“ im Trend gewesen.

Die Ansprüche in Bezug auf den Naturschutz sind seither nicht nur für Politik und Gesellschaft gewachsen, sondern auch für die Bauhöfe, die sich um die örtlichen Grünanlagen kümmern. Das Treffen der kommunalen Garten-Experten soll helfen, Ansprüchen wie Artenvielfalt und natürliches Pflanzenwachstum in den Gemeinden, künftig gerechter zu werden.

Anders als an der evangelischen Kirche ist die Situation auf einem Hang nahe der Antonio-Huber-Schule: Die Grünfläche dort gilt als sogenannte Fettwiese. Wie Brunner erklärt, sind diese besonders nährstoffreich. Jedoch sind sie mit hohem, dichtem Gras bewachsen und haben ein geringes Blumenvorkommen. Grund dafür sei unter anderem sporadische Mäh-Arbeit.

Bernd Brunner erklärt: Auf das Mähen kommt es an

Und die ist wichtig: Die Pflanzenexperten betonen, dass Zeitpunkt und Art des Mähens entscheidend sind, wie sich eine Wiese entwickelt. Magerwiesen mit vielen Blumen beispielsweise, müssen ab der Junimitte ein- bis zweimal gemäht werden. Dabei geht es auch um schonend mähende Geräte: Motorsensen sorgen dafür, dass Insekten eine Chance bleibt, sich zurückzuziehen.

Bernd Brunner und Michaela Berghofer geht es bei der Veranstaltung jedoch auch um die Privatgärten: „Mehr oder weniger steinige Wüsten sind in Neubaugebieten im Trend“, sagt Brunner. Aufgabe der Gärtner sei es, die Bürger von dem Trend abzubringen – und ihn zu verhindern für das Wohl der Natur.