Zum Finale der Fußball-EM 2021

"Für Deutschland wäre mehr möglich gewesen“ - Westallgäuer Fußballtrainer ziehen EM-Fazit

 Frank Trautwein

 Frank Trautwein

Bild: Christian Charisius, dpa (Archiv)

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Bild: Christian Charisius, dpa (Archiv)

Die Europameisterschaft geht zu Ende. Vier Westallgäuer Trainer ziehen ihr persönliches Fazit zum Turnier
10.07.2021 | Stand: 18:06 Uhr

Sonntagnacht war es das erst einmal mit Großereignissen im Profifußball. Zuvor aber gibt es noch einen Kracher: England und Italien treffen im EM-Finale aufeinander. Zum Ende des Turniers hat die Heimatzeitung vier Westallgäuer Fußballtrainer befragt, wie sie das Spielniveau bei der Europameisterschaft bewerten, was sie über die früh ausgeschiedene DFB-Elf denken – und was sie im Turnier überrascht hat.

Marco Mayer, Trainer FV Weiler.
Marco Mayer, Trainer FV Weiler.
Bild: Florian Wolf

  • Marco Mayer, Trainer des FV Weiler, findet es „einfach schön“, dank der EM, „nach der langen Corona-Zeit mal wieder ein großes Turnier zu sehen“. Und das sei nicht arm an Überraschungen gewesen: „Zwar sind jetzt mit England und Italien zwei Favoriten im Finale, aber Dänemark zum Beispiel hat es bis ins Halbfinale geschafft.“ Besonders nach dem Herzstillstand des dänischen Fußballstars Christian Eriksen freut sich Mayer für die Nachbarn im Norden, dass sie sich nach dem Schock bis ins Halbfinale gekickt haben. „Der Fußball schreibt schöne Geschichten“, sagt Mayer. Als ein Grund für das frühe Ausscheiden Deutschlands und damit als Problem der DFB-Elf sieht Mayer, „dass wir keinen richtigen Abschlussstürmer haben“. Zwar sei Deutschland eine Turniermannschaft. Das Aus habe sich aber schon vor dem EM angebahnt, sagt der FV-Trainer: „Die Mannschaft ist aktuell einfach nicht so homogen.“
Frank Trautwein, Trainer FC Lindenberg.
Frank Trautwein, Trainer FC Lindenberg.
Bild: Frank Trautwein, Trainer FC Lindenberg.

  • Der Trainer des FC Lindenberg, Frank Trautwein, hat sich vor allem über eines bei der EM gefreut: „Es ging nicht immer nur um Taktik, die Spiele waren von Athletik geprägt.“ Die Spieler wollen Tore schießen, kämpfen und rennen bis zum Schluss. Trautwein erinnert beispielsweise an Frankreich gegen die Schweiz, bei dem die Eidgenossen nach einem furiosen 3:3 mit Verlängerung letztlich im Elfmeterschießen siegten. Wie vielen Fußballfans gefällt auch dem FCL-Trainer, wenn es hin und her geht bei den Spielen: „Je freier die Spieler sind, desto mehr passiert auch.“ Mit Kritik an der DFB-Elf und Jogi Löw hält sich Trautwein zurück: „Leon Goretzka hat es auf den Punkt gebracht: 82 Millionen Virologen werden bei der EM plötzlich zu Bundestrainern.“ Was er aber sagt, ist, dass die deutsche Mannschaft deutlich besser sei als der Eindruck, den sie im Turnier erweckt hat. Beim Endspiel am Sonntag tippt Trautwein auf ein 2:1 für Italien. Die Mannschaft bestehe zum einen aus kreativeren Köpfen, zum anderen sieht er Italien defensiv besser aufgestellt.
Fredy Huckenbeck, Trainer TSV Heimenkirch.
Fredy Huckenbeck, Trainer TSV Heimenkirch.
Bild: Florian Wolf

  • Für Fredy Huckenbeck war diese Europameisterschaft eine schwierige. Denn das Herz des TSV Heimenkirch-Trainers schlägt sowohl für Frankreich, wo er geboren ist, als auch für Deutschland. Beide Nationalmannschaften flogen früh aus dem Turnier. „Da war ich natürlich schon etwas enttäuscht“, sagt er. Allerdings rechnete Huckenbeck zumindest bei der DFB-Elf schon im Vorfeld nicht mit Zauberfußball. „Löw hat die Mannschaft nicht mehr erreicht“, ist seine Einschätzung. Umso mehr freut sich der Trainer über das gute Abschneiden der deutschen Nachbarn Österreich, Schweiz und Dänemark. „Mit etwas mehr Glück hätten es die Mannschaften noch weiter geschafft – und das verdient“, ist Huckenbeck überzeugt. Im Finale zwischen den „leidenschaftlichsten Mannschaften“ England und Italien rechnet er mit einem äußerst knappen und späten Sieg für die Engländer. Die Italiener hätten mit Bonucci und Chiellini zwar eine extrem erfahrene, „70-Jährige“ Innenverteidigung. „Dafür hat England in Wembley eigentlich ein Heimspiel“, sagt Huckenbeck.
Uwe Wegmann, Trainer FC Wangen.
Uwe Wegmann, Trainer FC Wangen.
Bild: Florian Wolf

  • Uwe Wegmann, Trainer des FC Wangen und Ex-Bundesligaspieler, ist aus deutscher Sicht „natürlich etwas enttäuscht“ von der EM. Anders als viele sagen, glaubt er, dass für Deutschland „mehr möglich gewesen wäre“. Nach der überstandenen, starken Gruppe mit Portugal, Frankreich und Ungarn, hatte Wegmann der DFB-Elf mindestens das Halbfinale zugetraut. Insgesamt bewertet der Wangener Trainer das Spielniveau bei dieser EM als relativ hoch, besonders der oft zu sehende Offensivfußball hat es ihm angetan: „Die machen einfach am meisten Spaß.“ Von den beiden Finalisten hält Wegmann die Italiener für die spielerisch bessere Mannschaft. Geht es gegen den Ball, „sind sie unglaublich gut sortiert“, sagt er. Gleichzeitig beeindruckt Wegmann, wie schnell die Südeuropäer beim Ballgewinn nach vorne spielen: „Vom Hintenreinstellen ist bei Italien wenig übrig geblieben.“

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