Bundestagswahl 2021

"Für uns ist das keine Spaß-Wahl" - Westallgäuer Jugendliche haben bei U18-Wahl gewählt

U 18 Wahl Jugendhaus Lindenberg

Die Mitglieder des Lindenberger Jugendparlaments zählen die Stimmzettel im dortigen Jugendhaus aus. Auch hier konnten Minderjährige vor der Bundestagswahl ihr Kreuz setzen.

Bild: Fotos: Laura Wiedemann

Die Mitglieder des Lindenberger Jugendparlaments zählen die Stimmzettel im dortigen Jugendhaus aus. Auch hier konnten Minderjährige vor der Bundestagswahl ihr Kreuz setzen.

Bild: Fotos: Laura Wiedemann

Digitalprobleme und vermüllte Natur zeigen Westallgäuer Jugendlichen, wie politisch ihr Leben ist. Bei der U18-Wahl gaben sie ihre Stimme ab. Die Ergebnisse.
21.09.2021 | Stand: 12:00 Uhr

„Ich würde mir wünschen, dass man schon ab 16 wählen darf, damit unsere Stimme auch für die Politik zählt“, sagt Caleb Milz. Der 15-Jährige aus Ellhofen besucht die neunte Klasse der Mittelschule in Weiler. Im Pausenhof hat er gerade seinen Wahlschein in die Urne der U18-Wahl geworfen. Darauf haben sich er und seine Mitschüler in den vergangenen Tagen und Wochen vorbereitet. Milz glaubt: „Uns Jugendlichen sind andere Themen wichtig, als Erwachsenen. Deshalb wählen wir auch anders.“

Jugendliche im Westallgäu wünschen sich mehr Aufmerksamkeit für Schulthemen

Was die Schülerinnen und Schüler kurz vor der Bundestagswahl bewegt? „Digitalisierung an den Schulen sollte in der Politik ernster genommen werden“, sagt der Neuntklässler Milz. „Da wird immer viel geredet, aber wenig gemacht.“ Auch Themen wie Finanz- oder Klimapolitik hätten die Jugendlichen im Unterricht interessiert, erzählt Klassenlehrer Daniel Hauber. Politikverdrossen, wie man es ihr nachsagt, sei die junge Generation auf keinen Fall. Hauber sagt: „Ich war begeistert, wie interessiert und motiviert die Schülerinnen und Schüler dabei waren.“

Schüler Caleb Milz aus Ellhofen wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für Schulthemen.
Schüler Caleb Milz aus Ellhofen wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für Schulthemen.
Bild: Laura Wiedemann

Nach den Sommerferien stiegen die Jugendlichen mit Politik in den Unterricht ein. Die Parteien, ihre Wahlprogramme und ihre Geschichte standen in Weiler auf dem Lehrplan. Die 16-jährige Natalie Eckl sagt: „Ich fand die Vorbereitung spannend, aber wusste ich nicht, wen ich wählen soll. Ich habe mich nicht bereit gefühlt und meinen Wahlzettel leer abgegeben.“ Auch das hätten die Schüler im Unterricht gelernt, sagt Hauber: „Die Freiheit, eine Stimme nicht abzugeben, gehört auch zu den Wahlgrundsätzen.“

Vermüllte Natur und Freude am Mofa fahren: Auch eigenes Leben beeinflusst Schüler bei der U18-Wahl

Die Jugendlichen hätten auch Erfahrungen aus ihrer eigenen Lebenswelt in der Vorbereitung auf die Wahl beschäftigt. Der 15-jährige Luca Conrad sagt: „Ich fahre zum Beispiel gerne Roller und Mofa, deshalb finde ich es nicht so toll, dass die Grünen Verbrennungsmotoren verbieten wollen.“

Luca Conrad setzt sein Kreuz bei der U18-Wahl im Schulhof in Weiler.
Luca Conrad setzt sein Kreuz bei der U18-Wahl im Schulhof in Weiler.
Bild: Wiedemann Laura

Soraja Rößle aus Simmerberg ist in ihrer Freizeit als Pfadfinderin aktiv und war schon bei einigen Müllsammelaktionen im Allgäu dabei. Die Zwölfjährige ist der Meinung: „Wir lernen viel über Umweltschutz und setzen uns dafür ein. Das sollte endlich auch in der Politik ankommen.“ Die Sechstklässlerin der Antonio-Huber-Schule gab ihre Stimme bei der U18-Wahl im Jugendhaus Lindenberg ab.

Für Pfadfinderin Soraja Rößle aus Simmerberg ist Umweltschutz wichtig.
Für Pfadfinderin Soraja Rößle aus Simmerberg ist Umweltschutz wichtig.
Bild: Laura Wiedemann

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"Die U18-Wahl ist super wichtig für uns" - Im Westallgäu sind junge Wähler gefragt

In den vier Wahllokalen im Landkreis Lindau (Lindau, Lindenberg, Oberreute, Weiler) lief alles ab wie bei der Stimmabgabe der erwachsenen Wähler am 26. September. In Wahlkabinen setzten die Jugendlichen ihr Kreuz, danach landete ihr Stimmzettel gut verschlossen in der Wahlurne – und wurde am Abend von den Wahlhelfern ausgezählt.

Jugendparlament in Lindenberg: U18-Wahl bereitet Jugendliche auf "echte" Wahl vor

In Lindenberg übernahmen Mitglieder des Jugendparlaments diese Aufgabe. Durch ihre Arbeit in dem jungen Gremium sind sie bereits an lokalpolitischen Prozessen beteiligt. Stellvertretende Vorsitzende Sofia Greinwald (15) fordert aber mehr: „Herausforderungen wie der Klimawandel betreffen vor allem unsere Zukunft. Deshalb muss unsere Stimme gehört werden.“ Die U18-Wahl setze dabei ein wichtiges Zeichen.

"Das ist unsere Zukunft", sagt die stellvertretende Vorsitzende des Lindenberger Jugendparlaments, Sofia Greinwald.
"Das ist unsere Zukunft", sagt die stellvertretende Vorsitzende des Lindenberger Jugendparlaments, Sofia Greinwald.
Bild: Laura Wiedemann

Was die Jugendlichen bei der Auszählung überrascht hat: Auch bei ihren Altersgenossen liegen bekannte Parteien wie SPD, CSU, FDP und Grüne weit vorne. „Ich glaube, gerade jüngere Schülerinnen und Schüler werden noch viel von ihren Eltern beeinflusst“, sagt David Vu, Vorsitzender des Lindenberger Jugendparlaments. Der 18-Jährige hat schon mehrmals an einer U18-Wahl teilgenommen und heuer ein letztes Mal seine Stimme abgegeben. Am Sonntag wird es ernst für ihn: Er wählt zum ersten Mal bei der Bundestagswahl. „Die U18-Wahlen haben mir geholfen und mein politisches Interesse noch mehr gestärkt“, sagt Vu. „Für uns ist das keine Spaß-Wahl.“

Ergebnisse der U18-Wahl im Landkreis Lindau

  • Im Landkreis Lindau wählten 461 Jugendliche in Lindau, Lindenberg, Oberreute und Weiler. Dabei gaben die unter 18-Jährigen nur die Zweitstimme ab.
  • Die meisten Stimmen im Landkreis bekam die SPD (21,9%), gefolgt von Grüne (21,2%), CSU (16,4%), FDP (14,1%), AfD (6,7%).
  • Im Jugendhaus „Alter Bahnhof“ in Lindenberg wählten 195 Jugendliche: Grüne (25,1%), SPD (23,5%), CSU (15,3%), FDP (10,7%) und AfD (5,1%).
  • An der Grund- und Mittelschule in Weiler wählten 81 Jugendliche: SPD (29,6%), CSU (24,6%), AfD (17,2%), Grüne (7,4%) und FDP (6,1%).
  • Im Gästeamt Oberreute wählten 29 Jugendliche: Grüne (34,4%), Tierschutzpartei (24,1%), CSU (13,7%), Die Linke (10,3%) und SPD (6,8%)
  • In Bayern lag laut Bayerischem Jugendring die CSU (20,9%) vorne, es folgten Grüne (18,5%), SPD (16,8%), FDP (12,4%) und AfD (5,7%).