Fahrräder

Fahrradboom im Westallgäu: So kommen Kunden schneller an ihre E-Bikes

Das Lindenberger Unternehmen "Cube Store" hat seinen Werkstattbereich deutlich ausgebaut. Die Werkstatt ist auch im Lockdown geöffnet.

Das Lindenberger Unternehmen "Cube Store" hat seinen Werkstattbereich deutlich ausgebaut. Die Werkstatt ist auch im Lockdown geöffnet.

Bild: Adi Ballerstedt

Das Lindenberger Unternehmen "Cube Store" hat seinen Werkstattbereich deutlich ausgebaut. Die Werkstatt ist auch im Lockdown geöffnet.

Bild: Adi Ballerstedt

Die Nachfrage nach Rädern ist groß. Die Hersteller kommen nicht hinterher. Ein Mangel an Ersatzteilen droht – und Wartezeiten. Was der Kunde tun kann.
13.02.2021 | Stand: 07:00 Uhr

Der Absatz von Rädern steigt Jahr für Jahr. Ein Ende des Booms ist nicht absehbar. Im Gegenteil: Die Pandemie hat dem Fahrrad zusätzlichen Schub verliehen. Das macht allerdings auch Probleme: Die Hersteller von Rädern und Ersatzteilen kommen mit der Produktion nicht mehr hinterher. Und: Auch die Werkstattkapazitäten kommen bundesweit bei den Betrieben an Grenzen. Das bestätigen Manfred und Thomas Greiner vom Cube-Store in Lindenberg.

Der Lindenberger Betrieb ist der einzige große Radhändler im Westallgäu. Manfred Greiner hat ihn in den vergangenen Jahren mehrfach vergrößert. Zwei Lager hat er ausgegliedert, den Werkstattbereich erweitert und mit neuen elektronischen Arbeitsplätzen ausgestattet. Es ist freilich schon wieder eng.

Lieferzeiten bis zu 14 Monate

Im vergangenen Jahr hat der Cube-Store seinen Umsatz um 30 Prozent gesteigert. Ein ähnliches Wachstum erwartet Greiner auch heuer. „Wir hatten eine Ahnung von der Entwicklung und haben sehr große Mengen bestellt“, sagt er. Das gilt für Räder, aber auch Zubehör und Ersatzteile. Trotzdem rechnet er mit Problemen. Nicht von ungefähr. Der Ausbau der Kapazitäten bei den Herstellern hält mit dem Wachstum nicht Schritt. Manche Komponenten haben mittlerweile Lieferzeiten von zwölf und 14 Monaten. Fehlt aber ein wichtiges Teil, lässt sich ein Rad nicht fertigstellen. Diesbezüglich wirkt sich noch etwas anderes aus: Es gibt weniger Containerkapazitäten für Transporte aus Fernost und sie sind teils um den Faktor zehn teurer geworden.

Engpässe bestätigt auch der Zweirad-Industrieverband. „Durch Corona sind die Lieferketten und die Produktionsplanung gestört. Gleichzeitig gibt es eine extrem hohe Nachfrage. Darauf konnte sich kein Unternehmen einstellen“, sagt David Eisenberger, Kommunikationschef des ZIV.

Kunden können die Wartezeit verkürzen

Das hat Folgen für Kunden. Der sei normalerweise gewohnt, alles passgenau zu bekommen, schildert Greiner. Das wird heuer im Lauf des Jahres vermutlich schwierig. Auch bei den Ersatzteilen. „Wir werden Lösungen finden. Es kann aber sein, dass ein Kunde im Sommer nicht die Bremsscheiben bekommen kann, die er ursprünglich auf dem Rad hatte, sondern eine teurere oder günstigere“, nennt der Fachhändler ein Beispiel.

Lesen Sie auch
Lindenberg

Radsport Greiner wird ein Cube-Store

Bemerkbar macht sich der Boom auch im Werkstattbereich. E-Bikes machen im Cube-Store mittlerweile mehr als 70 Prozent des Absatzes aus. Jedes Pedelec kommt regelmäßig zum Service. Das bedeutet aber auch, dass die Arbeit in der Werkstatt Jahr für Jahr immer weiter steigt. Greiner hat die Zahl der Mitarbeiter deutlich erhöht. Trotzdem kann es auch in der Werkstatt zu Engpässen kommen. „Wir überlegen uns täglich, wie wir Abläufe verbessern können“, sagt Greiner, „die Möglichkeiten sind aber irgendwann erschöpft“. Wartezeiten sind die Folge. Um die zu vermeiden oder zu verkürzen, kann auch der Kunde etwas tun. „Rechtzeitig einen Termin per E-Mail oder Telefon vereinbaren. Wenn alle im Frühjahr auf einmal kommen, wird es schwierig“ , sagt Thomas Greiner. Die Werkstatt hat auch im Lockdown geöffnet. Der Laden bietet einen Liefer- und Abholservice an.

Lieferengpässe, steigende Kosten beim Transport und den Komponenten werden sich im Übrigen auch auf die Preise auswirken – sind sich Hersteller, Lieferanten und Verbände einig. Rabattschlachten seien definitiv ausgeschlossen, so Eisenberger aktuell in einem Interview.