Fußball im Westallgäu

FC Lindenberg in Corona-Zeiten: Wenn das Ehrenamt zum Vollzeitjob mutiert

Generalsversammlung FC Lindenberg

Tobias Kraus

Bild: Daniel Boscariol

Tobias Kraus

Bild: Daniel Boscariol

Bei einer Online-Versammlung des FC Lindenberg wird deutlich: Auch Vereine haben mit Corona mehr als zu kämpfen. Doch der FCL hat auch gute Nachrichten.
06.07.2021 | Stand: 06:04 Uhr

Die Mannschaften des FC Lindenberg haben heuer selten Fußball gespielt. Statt zu den Fußballschuhen griffen die Mitglieder des FCL vielmehr zu Hammer, Besen und Maske. Die Corona-Pandemie wirbelte das Vereinsjahr ordentlich durcheinander. Sie schränkte ein, erzwang Spielverbote und forderte die Nerven vieler Ehrenamtlicher. Trotzdem hätten die Mitglieder außerhalb des Platzes „einiges geschafft“, sagte Vorsitzender Tobias Kraus bei der virtuellen Generalversammlung des Vereins.

Der FCL traf sich für seine wichtigste Versammlung zum ersten Mal über das Internet – und deutlich kürzer als in den Vorjahren. Zum einen hatten die Abteilungsleiter wegen Corona weniger zu berichten, zum anderen verschob der FCL seine Wahlen und Ehrungen auf das nächste Jahr. Der Verein erhofft sich davon, seine Mitglieder 2022 direkt vor Ort auszeichnen zu können.

Lindenberg beendete Saisons auf Mittelfeldplätzen

Sportlich gesehen verlief das Jahr beim Fußballklub Lindenberg wenig spektakulär, da der Ligabetrieb wegen Corona abgebrochen wurde. Die „Erste“ beendete die Kreisliga-A-Saison auf dem zehnten Tabellenplatz, die „Zweite“ in der Kreisliga B auf dem fünften. Völlig zufrieden ist der Verein damit nicht, sagte der sportliche Leiter Philipp Frommknecht: „Bei dem Kader haben wir den Anspruch, oben mit dabei zu sein.“

Dem gerecht zu werden, ist nun unter anderem Aufgabe des neuen Trainers Frank Trautwein. Der 45-Jährige hat selbst höherklassig gespielt, unter anderem beim FC Hard in Österreich, beim USV Eschen-Mauren in Liechtenstein, beim FC Wangen und in der Saison 2004/05 auch beim FV Rot-Weiß Weiler.Als Trainer war er beim SV Nonnenhorn, FC Wangen, bei der SV Haslach und der SG Westallgäu aktiv(wir berichteten).

Im Jugendbereich spielen beim FC Lindenberg derzeit etwa 200 Spieler, die von 20 Ehrenamtlichen trainiert werden. Von den Bambinis bis zur A-Jugend sind dabei alle Jugenden besetzt.

FCL-Vorsitzender Tobias Kraus.
FCL-Vorsitzender Tobias Kraus.
Bild: Peter Mittermeier

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Beim FC Lindenberg sanken wegen der Pandemie Ausgaben wie Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr stark. Trotz Corona schrieb der Verein aber schwarze Zahlen. Dabei schreckte der FCL während Corona keinesfalls vor Investitionen zurück: Bei den Spielen des FC Lindenberg beispielsweise gehen Stadionwurst und Getränke künftig in den Garagen über die Theke. „Wir hatten überlegt, wie wir es unseren Verkäufern einfacher machen können“, sagte Tobias Kraus. Vor allem kühle Temperaturen hätten den Ehrenamtlichen in der Vergangenheit oft zu schaffen gemacht. Neu sind zudem ein Biergarten, sowie eine Küche, die aktuell entsteht und die alte ersetzen soll.

Der Vorstand des Vereins traf sich während der Corona-Zeit immer wieder zu Online-Sitzungen. Resultat waren Aktionen wie eine Sonderausgabe des Stadionmagazins „Volltreffer“, mit dem der FCL die Aufmerksamkeit auf die Situation der Einzelhändler während Corona lenken wollte. Mit „Geisterspieltickets“, die es online zu kaufen gab, und einem Imbissstand bei den Lindenberger Stadtplatzkonzerten spülte der Verein zudem Einnahmen in die Kasse.

Corona hat den Spaß am FCL-Ehrenamt teilweise verdorben

Tobias Kraus fasste in seinem Vorstandsbericht das Coronajahr aus Sicht des Vereins mit deutlichen Worten zusammen: „Das Ehrenamt ist ein tolles Amt“, sagte er, „aber nur, solange es Spaß macht.“ Die Coronapandemie und die damit verbundenen Regeln, ließen diesen Spaß heuer aber einige Male zu kurz kommen, war dem Bericht des Vorsitzenden zu entnehmen.

Das Hin und Her zwischen Lockerungen und Verboten, der Aufwand, Hygienekonzepte umzusetzen, habe das Ehrenamt zu einem „Vollzeitjob“ werden lassen, sagte Kraus. Hinzu käme das Gefühl, „mit einem Bein im Gefängnis zu stehen“, wenn Corona-Regeln nicht umgehend umgesetzt würden. Er bat Vereinsmitglieder indes mit einem „helft’s uns“ um ehrenamtliche Unterstützung beim FCL. „Der Verein lebt von seinen Mitgliedern.“