Lindenberg

Graffiti am Rathaus: So reagiert der Bürgermeister von Lindenberg

Er ist „Da Scheff“ im Rathaus: Das Graffiti zeigt Lindenbergs Bürgermeister Eric Ballerstedt.

Er ist „Da Scheff“ im Rathaus: Das Graffiti zeigt Lindenbergs Bürgermeister Eric Ballerstedt.

Bild: Benjamin Schwärzler

Er ist „Da Scheff“ im Rathaus: Das Graffiti zeigt Lindenbergs Bürgermeister Eric Ballerstedt.

Bild: Benjamin Schwärzler

Die nächtliche Aktion sorgt weiter für Gesprächsstoff im Westallgäu. Eric Ballerstedt fühlt sich gut getroffen. Wieso die Stadt dennoch Anzeige erstatten wird.

08.08.2020 | Stand: 06:52 Uhr

Wer hat das Graffiti an das Rathaus gesprüht? Das Rätselraten in Lindenberg geht weiter. Bürgermeister Eric Ballerstedt geht davon aus, dass es mindestens zwei Personen waren. Über das Werk selbst sagt er: „Ich fühle mich gut getroffen. Es ist handwerklich gut gemacht.“ Nichtsdestotrotz werde die Stadt das Graffiti zeitnah entfernen und bei der Polizei Anzeige erstatten. Daran führe kein Weg vorbei: „Es ist Sachbeschädigung.“ Und das Rathaus steht unter Denkmalschutz.

Nächtliches Graffiti erinnert an Banksy

Der oder die Unbekannten haben in der Nacht zum Donnerstag neben den Eingangsbereich mit schwarzer Farbe ein Graffiti an die Wand gesprüht. Es zeigt das Konterfei des Bürgermeisters und den Schriftzug „Da Scheff“. Die Aktion erinnert ein wenig an den ebenso berühmten wie geheimnisvollen Street-Art-Künstler Banksy, der seine häufig politisch motivierten Werke auch aus dem Nichts im öffentlichen Raum auftauchen lässt. Banksy benutzt Schablonen – und eine solche kam wohl auch in Lindenberg zum Einsatz. Weil das Graffiti mit 1,35 mal 1,35 Metern recht groß ist, geht Ballerstedt davon aus, dass zwei Personen an der illegalen Aktion beteiligt waren.

Welches Foto die Vorlage war, kann Ballerstedt auf Anhieb nicht sagen. „Es war sicher mal in irgendeiner Broschüre“, sagt er und glaubt sich zu erinnern, dass das Foto mal im Löwensaal entstanden ist. Es sei in jedem Fall nicht das Bild, das er für offizielle Amtszwecke einsetzt.

Das Rathaus von Lindenberg steht unter Denkmalschutz

Dass die Stadt Anzeige erstattet, hängt mit dem Thema Versicherung zusammen. Nicht zuletzt aber auch mit dem besprühten Gebäude: „Das Rathaus ist denkmalgeschützt. Da hat ein Graffiti nichts verloren“, sagt der Bürgermeister. Zudem wolle man „keine Nachahmer, die weniger talentiert sind“. Der Bauhof wird das Graffiti nächste Woche entfernen. „Da ist ein Mitarbeiter Pi mal Daumen einen Tag lang beschäftigt“, sagt Ballerstedt.

Das Rathaus wurde 1907 errichtet. Die Stadt hat es zuletzt vor vier Jahren umgebaut und im Erdgeschoss das Bürgerbüro eingerichtet. Dafür war eine enge Abstimmung mit dem Denkmalamt notwendig. Und das ist auch jetzt der Fall, wenn in wenigen Monaten die Kämmerei umgebaut wird. „Da musst du jeden Handstreich anmelden. Auch, wenn wir nur die Fensterrahmen anmalen“, verdeutlicht Ballerstedt.

Täter war wohl schon häufiger in Lindenberg aktiv

Der oder die Täter waren wohl nicht zum ersten Mal in Lindenberg aktiv. Im Stadtgebiet gibt es ähnliche Graffiti, die auch mit schwarzer Farbe und Schablone erstellt worden sind.

Zum Beispiel der Comic-Bösewicht Joker oder die drei Affen, die sich Ohren, Mund und Nase zuhalten. Auch am Gymnasium sei auf diese Weise ein Abbild des früheren Direktors Hermann Endres auf eine Mülltonne gesprüht worden, sagt Ballerstedt.

Polizei: 150 Fälle von Sachbeschädigung pro Jahr im Westallgäu

Ein illegales Graffiti gilt juristisch als Sachbeschädigung. Je nach Schwere der Tat droht eine Geldstrafe oder bis zu zwei Jahre Haft. Die Polizei Lindenberg hat zuletzt im Schnitt rund 150 Sachbeschädigungen pro Jahr zu bearbeiten gehabt.