Wangen

Hochwasser: Was bringen bessere Prognosen?

Warnsystem Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg sagt Starkregen noch früher voraus. Stadt Wangen muss aber mehr beachten
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Von jps/sz
01.01.2020 | Stand: 16:01 Uhr

Können die Bevölkerung und die Einsatzkräfte in Wangen künftig ein Hochwasser eher kommen sehen als bislang? Theoretisch und technisch ist das dank einer Neuerung der Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg jetzt möglich. Ob diese auch der Region etwas bringt, wenn die Pegelstände der Argen mal wieder steigen, dürfte aber fraglich sein. Denn wesentlich für die Hochwassersituation in Wangen ist unter anderem auch das Wetter in den Bergen.

Bereits am 15. Dezember gab die Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) Entwarnung: Ein Weihnachtshochwasser droht nicht. Das bewahrheitete sich: Es regnete rund um die Weihnachtsfeiertage zwar viel, ansonsten passierte aber nichts. Was hinter dieser vergleichsweise frühen – und letztlich korrekten – Prognose steckt, erläuterte seinerzeit die LUBW so: „Dank der Weiterentwicklung ihres Vorhersagetools von sieben auf bis zu zehn Tage kann die HVZ diese erste Abschätzung bereits heute treffen.“ Das traf und trifft grafisch auch auf die Pegelmessstände Epplings für die Obere Argen und Beutelsau für die Untere Argen zu.

Die LUBW verspricht sich von dem erweiterten Service verschiedene Vorteile: Kommunale Einsatzkräfte und die Wasserbehörden könnten nun drei Tage früher abschätzen, ob eine entsprechende Entwicklung absehbar ist, erklärt Eva Bell, Präsidentin der LUBW, in einer Pressemitteilung. Die Hochwasserfrühwarnung helfe zudem Anwohnerinnen und Anwohnern sowie der Industrie in hochwassergefährdeten Regionen, sich beizeiten zu wappnen. Gelagerte Güter könnten rechtzeitig entfernt und Arbeitsabläufe angepasst werden. Auch Verkehrssperrungen können früher koordiniert werden.

Bezogen auf Wangen hat die Sache allerdings einen Haken: die Natur in Form der Argen. Denn der Fluss entspringt bekanntlich im Oberallgäu. Regnet es dort stark oder setzt starkes Tauwetter ein, hat dies oft wasserreiche Folgen für den Raum Wangen. Deshalb beobachten die Einsatzkräfte der Stadt im Ernstfall stets auch die Wetterlage in den Bergen. Denn zusammen mit der Beschaffenheit des Flusses kann diese dazu führen, dass die Argen oft deutlich schneller und mitunter unkalkulierbarer ansteigt als Flüsse anderswo im Land.

Das bestätigt erneut auch Urs Geuppert, Chef der Wangener Stadtwerke: „Die Argen steigt sehr schnell.“ Geuppert hat von Berufs wegen viel mit dem Argenwasser und der dortigen Wasserkraft zu tun und genießt den neuen Service in Sachen Hochwasserprognose mit Vorsicht: „Ich würde für eine Prognose über zehn Tage hinweg keine Hand ins Feuer legen.“

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Gleichwohl hatten und haben die HVZ-Daten auch im Raum Wangen einen Nutzen. Denn im Regelbetrieb werden die Vorhersagen drei Mal täglich, im Hochwasserfall stündlich aktualisiert, auch über Feiertage hinweg.

Seit einem Jahr können die Städte und Gemeinden im Landkreis Ravensburg auch auf das Programm Flutinformations- und Warnsystem (Fliwas 3) zurückgreifen. In der Kreisverwaltung Ravensburg ist sie seit einem Jahr in Betrieb. Laut Landratsamt bündelt diese Software im Hochwasserfall alle wichtigen landesweiten und lokalen Informationen zu Abfluss- und Niederschlagsmengen.

Zudem biete sie damit den Kommunen die Möglichkeit, die Hochwasseralarm- und Einsatzpläne übersichtlich abzuarbeiten, Ereignisse und Vorgänge zu dokumentieren und die jeweilige Hochwasserlage darzustellen.