Wald

Im Westallgäu klettern gerade Menschen in Baumwipfel - das steckt dahinter

In luftigen Höhen werden die Zapfen der Weißtannen geerntet.

In luftigen Höhen werden die Zapfen der Weißtannen geerntet.

Bild: Andreas Täger

In luftigen Höhen werden die Zapfen der Weißtannen geerntet.

Bild: Andreas Täger

In den Wäldern klettern gerade Frauen und Männer an den Stämmen nach oben, um an die Samen der Weißtannen zu gelangen. Dabei geht es um die Zukunft der Wälder.
06.08.2022 | Stand: 10:00 Uhr

Eine etwas ungewöhnliche Ernteaktion läuft derzeit bei der Waldbesitzervereinigung (WBV) Westallgäu. Bis in die luftigen Höhen der Baumwipfel klettern die Frauen und Männer derzeit, um die Zapfen der Weißtannen zu ernten. Denn diese enthalten die Samen der Bäume, mit denen dann wieder Wälder aufgeforstet werden können. Bei der diesjährigen Ernte können etwa sechs Tonnen Zapfen geerntet werden, das sind etwa 600 Kilogramm Samen. „Damit können dann rund 2,4 Millionen Jungpflanzen wachsen“, schreibt der WBV Westallgäu in einer Pressemitteilung.

Saatgut von gesunden Bäumen

Ziel ist es, die Wälder klimastabil und resilient zu gestalten und hierfür benötige man Saatgut von gesunden und qualitativ guten Bäumen, so der WBV Westallgäu. Und dieses wächst eben in den Zapfen, ganz oben in den Bäumen. Um dorthin zu gelangen, klettern die Zapfenpflückerinnen und Zapfenpflücker in die Baumwipfel und füllen Säcke mit den wertvollen Samen für „die nächste Baumgeneration in den Westallgäuer Plenterwäldern“. Insbesondere steht hier die Weißtanne im Fokus. Das schreibt die Waldbesitzervereinigung Westallgäu in einer Pressemitteilung.

Wenn beim Waldspaziergang plötzlich ein Ruf aus den Wipfeln erschallt „Achtung Sack“, dann fällt gleich ein mit Zapfen gefüllter, zwischen 50 und 80 Kilogramm schwerer Sack auf den weichen Waldboden. „Am besten man steht da nicht unter der Tanne“, schreibt der WBV. Die Gefahrenbereiche entlang der Waldwege sind markiert und es werden Schilder aufgestellt.

Weißtannen blühen nur alle vier bis sieben Jahre

Am Ende des Tages werden die Zapfen gesammelt, gewogen, die Qualität beurteilt und luftig gelagert, um das Überhitzen der Zapfen zu vermeiden. Zusätzlich werden Proben der beernteten Bäume genommen, um einen genetischen Fingerabdruck nehmen zu können. Normalerweise blüht die Weißtanne (Abies alba) nur alle vier bis sieben Jahre und bildet auch nur dann die Tannenzapfen aus, in denen die Samen für die nächste Baumgeneration heranreifen. Durch die Veränderung der klimatischen Bedingungen haben die Tannen bei uns jedes zweite Jahr geblüht und Zapfen ausgebildet. Dies führt neben der Trockenheit zu einer zusätzlichen Belastung der Bäume, denn diese stecken nun alle Kraft und Energie in die Bildung der Zapfen, um ihre Art zu sichern.

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Wie sieht der Bergwald der Zukunft aus?

Für das Saatgut der Weißtanne gilt das Forstvermehrungsgesetz (FoVG). Demnach sind Ernten nur in bestimmten zugelassenen Beständen erlaubt. Die Voraussetzungen sind laut WBV überdurchschnittliche Qualitätseigenschaften und Wuchsleistung sowie ein guter Gesundheitszustand. Bei der Verwendung der Weißtanne für eine erfolgreiche Anpflanzung ist es entscheidend, dass die Herkunft des Saatguts an den Standort angepasst ist, da verschiedene Eigenschaften wie Wuchskraft und Anpassungsfähigkeit genetisch fixiert sind. Nur so ist es möglich, leistungsfähige und stabile Bestände zu erreichen.