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In Oberreute steht jetzt ein Bücherschrank für jedermann

Michael Reichart (links) hat den Bücherschrank in Oberreute gebaut und gefüllt. Bürgermeister Stefan Schneider gefällt das Angebot.

Michael Reichart (links) hat den Bücherschrank in Oberreute gebaut und gefüllt. Bürgermeister Stefan Schneider gefällt das Angebot.

Bild: Olaf Winkler

Michael Reichart (links) hat den Bücherschrank in Oberreute gebaut und gefüllt. Bürgermeister Stefan Schneider gefällt das Angebot.

Bild: Olaf Winkler

Tüftler Michael Reichart hat die Bücher gesammelt und das Mobelstück selbst gebaut. Wie er auf die Idee gekommen ist und was er sich davon fürs Dorf verspricht.
18.11.2020 | Stand: 12:24 Uhr

Das Wiederverwerten ist Teil der Lebensphilosophie von Michael Reichart. Meist dreht es sich dabei um Möbel, die er in Oberreute seit gut zehn Jahren als „Raritätenfinder“ anbietet. Nun hat er ein neues Projekt gestartet: Auf seiner Terrasse steht nun ein öffentlicher Bücherschrank.

Reichart war Elektriker und Zollbeamter. „Aber ich fühle mich als Designer“, sagt der 68-Jährige. Selbst lebt er modern eingerichtet – hat aber einen besonderen Draht zu Möbeln der 50er, 60er und 70er Jahre. Die präsentiert er zum Verkauf auf rund 400 Quadratmetern inmitten von Oberreute, direkt neben der Alten Schule. Alles sei „wohnfertig“, sagt er. Sein handwerkliches Geschick hilft dabei.

Neben Möbeln unterschiedlichster Art hat Reichart auch etliche Bücher zusammengetragen. Allerdings hat er festgestellt: „Die will niemand kaufen.“ Zum Wegwerfen waren die Romane, Kinder- und Kochbücher seiner Meinung nach aber viel zu schade. Und so kam er auf die Idee, den ersten öffentlichen Bücherschrank in Oberreute einzurichten und auch gleich eine Erstausstattung mit 130 verschiedenen Titeln vorzunehmen. Den Schrank dazu hat er selbst gebaut.

Bücher von Lilli Palmer und Stephen King im Angebot

Unter dem Motto „Koschtnix“ dürfen sich Interessenten hier jederzeit kostenlos bedienen. Wer selbst Bücher in den Schrank stellen will, soll allerdings mit ihm Kontakt aufnehmen. „Ich möchte schon drauf schauen, was da drin steht“, sagt Reichart. Extreme politische oder religiöse Schriften will er auf diesem Weg keinesfalls verbreiten. Ansonsten sei alles denkbar. So reicht das Angebot derzeit von Lilli Palmer bis Stephen King.

Der Bücherschrank steht auf der Terrasse von Michael Reichart

Der Bücherschrank steht auf seiner von der Hauptstraße aus direkt erreichbaren überdachten Terrasse. Dort stehen auch zwei Bänke und ein Tisch. „Will jemand zunächst in einem Buch schmökern, ist hier der richtige Platz“, sagt Reichart. Er sieht das Angebot als Beitrag zum Dorfleben.

Bürgermeister will Werbung auch bei Touristen machen

Für Bürgermeister Stefan Schneider ist der Bücherschrank „eine tolle neue Einrichtung und eine Bereicherung fürs Dorf“. Die Gemeindebücherei habe schließlich begrenzte Öffnungszeiten. Werbung im Gemeindeblatt und im Internet will Schneider für den Bücherschrank machen. Und auch Touristen sollen von der neuen Einrichtung erfahren.