Kunst

"Ins Gesicht geschrieben": Besonderes Fotoprojekt in Lindenberger Klinik

Klinikseelsorger Siegfried Wiese hat in der Klinik Ried die Ausstellung „Ins Gesicht geschrieben“ organisiert. Dafür hat er die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der analogen 4x5 Inch-Fachkamera Chamonix abgelichtet.

Klinikseelsorger Siegfried Wiese hat in der Klinik Ried die Ausstellung „Ins Gesicht geschrieben“ organisiert. Dafür hat er die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der analogen 4x5 Inch-Fachkamera Chamonix abgelichtet.

Bild: Stefanie Gronostay

Klinikseelsorger Siegfried Wiese hat in der Klinik Ried die Ausstellung „Ins Gesicht geschrieben“ organisiert. Dafür hat er die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der analogen 4x5 Inch-Fachkamera Chamonix abgelichtet.

Bild: Stefanie Gronostay

Klinikseelsorger Siegfried Wiese stellt in der Klinik Ried ein Fotoprojekt aus. Dafür hat er Mitarbeiter mit und ohne Maske abgelichtet – vollkommen analog.
15.06.2021 | Stand: 06:17 Uhr

In einem Seitengang der Klinik in Ried hängen sie: Porträtfotos von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Schmunzelnd, lachend oder verhalten lächelnd blicken sie in die Kamera von Siegfried Wiese. Der Klinikseelsorger hat seine Kollegen im Rahmen eines Fotoprojektes porträtiert – einmal mit und einmal ohne Maske. „Ins Gesicht geschrieben“ heißt die Ausstellung, die seit ein paar Wochen in der Fachklinik für psychosomatische Medizin und Orthopädie zu bewundern ist.

„Die Selbstverständlichkeit, ein Gesicht zu sehen, wurde durch Corona zu einer Rarität“, sagt der Fotograf. Siegfried Wiese kam deshalb auf die Idee, die Gesichter seiner Kollegen zu zeigen – und das auf eine ganz besondere Weise.

Siegfried Wiese fotografiert schon seit jungen Jahren. In den 1980er Jahren erwarb er eine analoge Kamera, die er auch heute noch für Aufnahmen benutzt. Statt einer Filmrolle kommt eine Kassette in den Apparat. Statt unzähliger Schnappschüsse gibt es nur die eine Aufnahme, die Siegfried Wiese anschließend in seiner Dunkelkammer zu Hause entwickelt. „Jedes Bild ist ein Unikat“, sagt er. „Das hat Charakter. Es zeigt das, was man wirklich sieht und nicht, was die Software interpretiert.“

Die Fotos wurden analog geschossen

Aus diesem Grund wählte Wiese auch die analoge Kamera, um sein Projekt umzusetzen. 48 Kollegen beteiligten sich an der Aktion – etwa die Hälfte der Belegschaft. Siegfried Wiese stellte die Personen vor die Kamera und sagte: „Sei mal ganz Du selbst.“ Die Belichtungszeit betrug eine Sekunde – „was einem ganz schön lang vorkommen kann“, sagt der Klinikseelsorger.

Mit dieser analogen Fachkamera hat Siegfried Wiese die Mitarbeiter der Klinik in Ried fotografiert.
Mit dieser analogen Fachkamera hat Siegfried Wiese die Mitarbeiter der Klinik in Ried fotografiert.
Bild: Stefanie Gronostay

Pro Person verwendete Wiese eine Kassette mit jeweils zwei Bildern. Einmal mit und einmal ohne Maske. Das Spannende an dem Projekt: Weder Siegfried Wiese noch die Fotografierten sahen die Fotos, bevor sie fertig waren. „Ich habe das Ergebnis auch erst in der Dunkelkammer gesehen“, sagt Wiese. Anders als bei der Digitalkamera gibt es als Endergebnis nur das eine Bild. „Man kann sich am Ende nicht das schönste Foto raussuchen“, sagt Wiese. „Die Teilnehmer haben sich dadurch auch nochmals ganz anders wahrgenommen.“

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Einen Monat dauerte es, bis Siegfried Wiese alle Kollegen abgelichtet hatte. Viele Stunden verbrachte er nach der Arbeit in seiner Dunkelkammer. „Es war schon ein Kraftakt“, sagt er. „Die Klinikleitung hat mir aber geholfen, das Projekt umzusetzen. Es war eine echte Gemeinschaftsarbeit.“

Ausstellung zeigt Gesichter unter der Maske

Chefärztin Jana Bastin freut sich über das Ergebnis. „Dadurch, dass unsere Mitarbeiter und Patienten seit Monaten eine Maske tragen, hat sich eine ganz andere Dynamik entwickelt. Wir arbeiten nur noch mit den Augen und nicht mit der gesamten mimischen Muskulatur“, sagt sie. Die Mitarbeiter kennen sich untereinander, wissen, wie die Gesichter unter der Maske aussehen. „Die Patienten kennen uns jedoch nicht“, sagt Bastin.

Siegfried Wiese, der auch als Pastoralreferent arbeitet, findet, dass das Gesicht unverzichtbar für die Begegnung miteinander ist. „Es geht hier nicht um einen Protest gegen Verordnungen. Es soll die Chance genutzt werden, die Einmaligkeit unseres menschlichen Wesens darzustellen und damit zu unterstreichen, wie wertvoll jeder Mensch in seinem Sein ist“, sagt er.

Der Ort für die Ausstellung wurde ganz bewusst etwas abseits in einem Seitengang der Klinik gewählt. „Die Fotos drücken durchaus auch eine gewisse Intimität aus“, sagt Siegfried Wiese. So können die Betrachter die Bilder in Ruhe auf sich wirken lassen. „Viele schauen die Ausstellung nach Dienstende an“, erzählt Jana Bastin. Und auch die Patienten freuen sich über die Bilder. Die Rückmeldungen seien durchweg positiv.

Die Ausstellung wird noch eine gewisse Zeit zu sehen sein. „Danach darf jeder Mitarbeiter sein Foto mit nach Hause nehmen“, sagt Wiese. Bis dahin können sich die Patientinnen und Patienten noch an dem Lächeln des Klinik–Personals erfreuen, das ansonsten unter der Maske verborgen bleibt.

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