Westallgäu

Islandpferde-Reiterin aus Heimenkirch wird Schweizer Meisterin

Silvia Ochsenreiter-Egli aus Heimenkirch hat mit ihrem Hengst „Heljar frá Stóra-Hofi“ zwei Titel bei der Schweizer Meisterschaft geholt.

Silvia Ochsenreiter-Egli aus Heimenkirch hat mit ihrem Hengst „Heljar frá Stóra-Hofi“ zwei Titel bei der Schweizer Meisterschaft geholt.

Bild: Corinne Hanselmann

Silvia Ochsenreiter-Egli aus Heimenkirch hat mit ihrem Hengst „Heljar frá Stóra-Hofi“ zwei Titel bei der Schweizer Meisterschaft geholt.

Bild: Corinne Hanselmann

Alter schützt vor Titeln nicht: Silvia-Ochsenreiter-Egli aus Heimenkirch glänzt mit ihrem 17 Jahre alten Hengst bei der Schweizer Meisterschaft. Die Ziele nun.

15.08.2020 | Stand: 18:12 Uhr

Trainerlegende Otto Rehhagel hat stets betont, dass es keine jungen oder alten Fußballer gibt, sondern nur gute oder schlechte. Deshalb hat er gerne auch Spieler jenseits der 35 eingesetzt. Erfahrung kann man eben nicht kaufen. Und der Erfolg gab ihm Recht. Auch im Pferdesport sind Titel keine Frage des Alters. Das hat Silvia Ochsenreiter-Egli unter Beweis gestellt. Oder besser gesagt: ihr Pferd Heljar. Auf dem nun schon 17 Jahre alten Hengst hat die Islandpferde-Reiterin aus Heimenkirch bei der Schweizer Meisterschaft doppelt abgeräumt. „Er hat in den letzten elf Jahren eine unglaubliche Konstanz gezeigt“, sagt Ochsenreiter-Egli über Heljar, den sie selbst ausgebildet hat.

Corona hat die Islandpferde-Szene getroffen

Die Corona-Pandemie hat auch die Reiterszene getroffen. „Dieses Jahr fanden noch gar keine Wettkämpfe statt“, sagt Ochsenreiter-Egli. Auch der Saisonhöhepunkt wurde abgesagt: die Mitteleuropäische Meisterschaft, bei der das sechsbeinige Duo seine Titel im Fünfgang und in der Fünfgangkombination verteidigen wollte.

Reiterin aus dem Westallgäu ist Teil der Schweizer Nationalmannschaft

Und so war die Schweizer Meisterschaft, die der dortige Islandpferdeverband unter Einhaltung strenger Vorschriften auf dem Reiterhof Neckertal in Brunnadern (Kanton St. Gallen) ausrichtete, ein Kaltstart mitten im Sommer. Keiner wusste, wo er stand. Weil es das erste bedeutsame Turnier des Jahres war, kamen auch viele Starter aus dem Ausland. „Sogar eine kleine Gruppe aus Schweden hatte sich auf den Weg gemacht“, erzählt die 43-Jährige. Sie selbst besitzt einen Schweizer Pass und startet auch für die dortige Nationalmannschaft.

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Der "Räuber" ist pünktlich zum Finale in Bestform

Von fehlender Wettkampfpraxis war aber nichts zu spüren. „Heljar war in Bestform, obwohl wir das letzte Mal vor einem Jahr bei der Weltmeisterschaft am Start waren“, sagt Ochsenreiter-Egli. In seiner Paradedisziplin, dem Fünfgang F1, wurde der „Räuber“ (so lautet der isländische Name übersetzt) in der Vorentscheidung zwar aufgrund eines kleines Fehlers im Trab noch vom amtierenden Schweizer Meister geschlagen, doch im Finale spielte er seine Stärken voll aus. Heljar holte 7,29 Punkte und wurde Erster mit 0,22 Zählern Vorsprung. Das bescherte Ochsenreiter-Egli den dritten nationalen Titel nach 2017 und 2018. Im Vorjahr wurde sie zudem Vizemeisterin.

Zur Freude der Berufsreiterin zeigte sich der Hengst auch in der Töltprüfung T2 von seiner besten Seite und kam mit 7,3 Punkten ganz nah an seine Bestleistung heran. Das bedeutet den sehr guten fünften Platz im A-Finale.

Durch eine solide Leistung in der Passprüfung holte das Duo aus dem Westallgäu zudem den Gesamtsieg in der Fünfgangkombination. 6,92 Punkte bedeuteten auch hier die Schweizer Meisterschaft und somit den zweiten Titel an diesem Wochenende.

SIlvia Ochsenreiter-Egli peilt die fünfte WM-Teilnahme an

Der Trophäenschrank auf dem Gestüt Hafnersholt, beheimatet im kleinen Ortsteil Mothen, hat also wieder Zuwachs bekommen. Platz ist dort aber allemal noch. Ans Aufhören denkt Ochsenreiter-Egli deshalb noch lange nicht. Vielmehr richtet sie den Blick nach vorne. „Unser großes Ziel ist die Weltmeisterschaft 2021 in Herning“, sagt sie. Ein Start in Dänemark wäre ihre bereits fünfte WM. Und natürlich zusammen mit Heljar. Auch wenn der dann schon 18 Jahre auf dem Buckel haben wird. Doch Otto Rehhagel hatte nun mal recht: Erfolg ist keine Frage des Alters.