Auszeichnung im Westallgäu

Josef Wehrle erhält in Lindenberg den Kunstpreis für die Skulptur "Ruhender"

Auf steinernem Boden hat sich Josef Wehrles „Ruhender“ niedergelassen.

Auf steinernem Boden hat sich Josef Wehrles „Ruhender“ niedergelassen.

Bild: Thomas Gretler

Auf steinernem Boden hat sich Josef Wehrles „Ruhender“ niedergelassen.

Bild: Thomas Gretler

Seine Bronze-Figur drückt Kraft und zugleich innere Ruhe aus. Wie der Oberschwäbische Künstler arbeitet.
29.10.2020 | Stand: 17:10 Uhr

Für seine Bronzeskulptur „Ruhender“ hat Josef Wehrle aus Unteropfingen (Landkreis Biberach) den Westallgäuer Kunstpreis erhalten. Die Verleihung des von der Volksbank Lindenberg gestifteten, mit 1250 Euro dotierten Preises fand in kleinem Rahmen im Lindenberger Löwensaal statt, wo die Westallgäuer Kunstausstellung derzeit 127 Werke präsentiert. Der 77-jährige Josef Wehrle, dessen Hauptberuf Landwirt war, nimmt regelmäßig an der Schau teil.

Diese Haltung erfordert Kraft und Balance

Wer sich unter „ruhend“ eine bequeme Position vorstellt, liegt hier falsch. Wehrles schlanke, langgliedrige Figur besitzt enorme Körperspannung. Ihre Haltung erfordert Kraft und Balance: Beide Knie gebeugt, ein Fuß vorne aufgesetzt, der andere hinten aufgestellt – auf der Ferse hockt der athletische Mensch. Mit seiner linken Hand stützt sich der magere bronzene Mann auf einen Stein, die rechte umfasst das Knie. Wer versucht, in einer solchen Hocke ein Weilchen zu verharren, wird bald seine Muskeln spüren.

Bei aller Energie, die Wehrles Arbeit innewohnt: Der Titel „Ruhender“ passt. Der lange, gerundete Rücken, die abgewinkelten, eher flächigen Gliedmaßen und der leicht gesenkte Kopf bilden einen geschlossenen, stillen Raum. Der Körper strahlt nach innen gekehrte, gespannte Ruhe aus. Diese Stimmung würdigt die Jury der Kunstausstellung in ihrer Begründung für die Preisvergabe. Sie weist zudem darauf hin, dass Wehrle in seiner Arbeit die Anatomie gekonnt auf das Wesentliche beschränkt habe.

Ein kreativer Landwirt auf der Holzbildhauerschule

Josef Wehrle aus Unteropfingen erhält den Westallgäuer Kunstpreis 2020 für seine Arbeit
Josef Wehrle aus Unteropfingen erhält den Westallgäuer Kunstpreis 2020 für seine Arbeit "Ruhender"
Bild: Ingrid Grohe

Das künstlerische Schaffen begleitet Josef Wehrle schon sein ganzes Leben. Auch viele seiner Vorfahren, so erzählt der Oberschwabe, hätten sich neben dem Bauerndasein kreativ beschäftigt. Es sei ein großes Glück gewesen, dass es ihm möglich war, der Kreativität mehr Raum zu geben. Als junger Mann Anfang 20 konnte er sich über zwei Winter vom Hof loseisen und die Holzbildhauerschule in Oberammergau besuchen; die Bildhauerausbildung schloss er mit 30 nach einem zweijährigen Aufenthalt in Oberammergau ab. „Ich habe dabei wahnsinnig viel gelernt: Zeichnen, Proportionen, Anatomie“, sagt Wehrle. In seinem kleinen Dorf habe er die Kunst dennoch über viele Jahre eher für sich selbst gelebt. Als Künstler wahrgenommen wurde er in seinem Umfeld erst, als er öffentliche Aufträge umsetzte, etwa Dorfbrunnen und teils meterhohe Skulpturen.

Wehrle nutzt verschiedene Materialien. Neben Holz ist häufig Eisen sein Ausgangsstoff. Auch seinen „Ruhender“ hat er zunächst in Eisen geschmiedet. Den Wachsabdruck, der als nächster Arbeitsschritt zum Bronzeguss entstand, bearbeitete Wehrle erneut. Er veränderte nicht nur die Oberfläche, sondern schnitt die Form auch auseinander und fügte Teile neu zusammen. „Den Wachsguss kann ich frei weiter gestalten“, erklärt Wehrle. Auf diese Weise entstünden aus der einer Ausgangsskulptur teils mehrere Unikate.

Öffnunszeiten Westallgäuer Kunstausstellung

Die Westallgäuer Kunstausstellung ist bis 8. November montags bis samstags von 15 bis 18 Uhr, am Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.