Besonderer Ort

Kässpätzle und Schmugglerware: Mit diesem besonderen Konzept ist die Katzenmühle bei Scheidegg erfolgreich

In der Katzenmühle finden Gäste allerhand ausgefallene Dinge.

In der Katzenmühle finden Gäste allerhand ausgefallene Dinge.

Bild: Susi Donner

In der Katzenmühle finden Gäste allerhand ausgefallene Dinge.

Bild: Susi Donner

Michael und Anita Bufler sind mit einem besonderen Konzept in der Katzenmühle erfolgreich. Die restaurierte Mühle lässt die Herzen von Sammlern höher schlagen.
In der Katzenmühle finden Gäste allerhand ausgefallene Dinge.
Von Susi Donner
27.09.2020 | Stand: 18:00 Uhr

Wo gehobelt wird… da fallen in der Katzenmühle Kässpätzle ins kochende Salzwasser. Jeden Donnerstag, manchmal auch zu zünftiger Wirtshausmusik. Michael Bufler und Anita Herberth betreiben in dem Kulturdenkmal Katzenmühle ihre ausgefallene Gastronomie, den Grenzladen – und einen Friseursalon.

Die Katzenmühle liegt abgelegen inmitten der Wiesen und Wälder zwischen Scheidegg und Lindenau. Dort, wo eigentlich keiner mehr mit einer einladenden Gastronomie rechnet. Der urige Grenzladen dazu lässt, wie die gesamte Einrichtung der restaurierten Mühle, die Herzen von Sammlern außergewöhnlicher Dinge höher schlagen. So nahe an der österreichischen Grenze gibt es hier Ware von „beiden Seiten“ – die selbstverständlich heutzutage nicht mehr geschmuggelt werden muss. Sanft plätschert und rauscht der Katzenbach an der Mühle vorbei, der in früheren Jahren das Mühlrad in Schwung gesetzt hat.

Michael Bufler und Anita Herberth duzen ihre Gäste, denn die Katzenmühle soll ihnen heimeliges Wohnzimmer oder lauschiger Garten sein. Die Begrüßung dauert gerade bei neuen Besuchern etwas länger, weil die Wirtsleute ihr Mitmach-Konzept erklären. Die Getränke dürfen sich Gäste selbst aus den Kühlschränken holen, ebenso die Salate und den Nachtisch in appetitlichen Gläsern. Alles steht abgedeckt in der gekühlten Schmankerltheke. Den Kaffee zum hausgemachten Kuchen brüht sich jeder selbst an der Maschine. Auf diese Weise sitzt niemals jemand vor einem leeren Glas. „Das schafft entspannte Zufriedenheit. Die meisten vergessen die Zeit und bleiben viel länger als sie eigentlich vorhatten“, sagt Michael Bufler. Auf einen Block schreiben die Mithelfer auf, was sie essen und trinken. Später bezahlen sie an einer alten Holzkasse im Grenzladen.

Scheidegg Katzenmuehle Mail 1
Die Wirtsfamilie der Katzenmühle – Michael Bufler, Luis (10), Anita M. Herberth. Zur Familie gehört zudem der fünfjährige Simon.
Bild: Susi Donner

Zutaten stammen aus der Region

Die Hauptgerichte stehen auf einer großen Schiefertafel. Zurzeit sind drei Dinnete-Variationen darauf zu finden, und natürlich die Kässpätzle, frisch gehobelt oder angebraten, sowie der Wurstsalat. „All das bereiten wir natürlich zu und servieren sie“, erklärt Bufler. Beim Tisch abräumen hilft jeder der mag wieder mit. Nichts muss, aber alles kann. Weggeworfen werde in der Katzenmühle nichts. „Lieber gebe ich normale Portionen auf den Teller und wer noch etwas möchte bekommt Nachschlag“, sagt Michael Bufler. Reste futtert am Ende des Tages die Familie selbst auf. Die Zutaten für ihre Gerichte stammen von Erzeugern aus der Region, die die Wirte persönlich kennen.

Das Konzept der vertrauensvollen Mitmach-Gastronomie stamme aus der Pädagogik, erklärt Michael Bufler. „Es klingt vielleicht komisch, Jugendsozialarbeit und Gastronomie zu vergleichen, aber es passt zusammen. Wenn ein Mensch merkt, dass du ihm vertraust, bestätigt er dieses Vertrauen.“ Bufler wurde noch nie enttäuscht. „Unsere Gäste rechnen alles akribisch zusammen.“

Warum die Katzenmühle, die 1569 erstmals erwähnt wurde, Katzenmühle heißt, das ist nicht gewiss. Am ehesten, so denkt Michael Bufler, kommt das von der Dankbarkeit den Katzen gegenüber, die seinerzeit Mäuse gefangen haben, als die Mühle noch betrieben wurde und Mäuse vom Getreide angelockt wurden.

So kamen die Buflers zur Katzenmühle

Bufler ist in Wangen geboren und hat die Katzenmühle vor 20 Jahren als Ruine gekauft. Mit seinem Vater habe er sie – neben seiner Arbeit – über Jahre hinweg liebevoll renoviert und restauriert. Als er einzog, sei alles sehr rudimentär gewesen. „Anfangs habe ich hier gelebt wie vor hundert Jahren., 2006 lernte Bufler Anita Herberth kennen. Die heute 41-Jährige Friseurmeisterin richtete sich später in der Katzenmühle ihren Salon ein, die Stammkundschaft folgte ihr aufs Land. Heute wohnen mit dem Paar die Kinder Simon und Luis in der Katzenmühle wie auch deren Großeltern.

Michael Bufler ist vielfältig interessiert. Der 54-Jährige kommt aus der Druckindustrie, hat erst auf Lehramt studiert und ist dann in die Sozialpädagogik gewechselt, zwischendurch machte er einen Abschluss als Landwirt, und zuletzt arbeitete er 15 Jahre in der Jugendsozialarbeit. Irgendwann besorgte er die Konzession für eine Gastwirtschaft und begann 2010, für Freunde und Bekannte zu kochen. Seit vier Jahren betreibt er mit Anita Herberth ihre Gastronomie „richtig“.

Scheidegg Katzenmuehle Mail 3
Im Grenzladen finden Gäste allerhand ausgefallene Dinge.
Bild: Susi Donner

Über die Zeit nach dem Lockdown sagt Bufler: „Wir haben die viele Zeit mit unseren Kindern sehr genossen, aber vor dem Hintergrund des Virus’ war alles schon unheimlich.“ Sie mussten beide Geschäfte schließen, das Einkommen fehlte komplett. „Wurstsalat to go funktioniert so abgelegen einfach nicht“, sagt der Wirt. Seit Pfingsten darf das Paar wieder bewirten. Ende Oktober legt die Familie traditionell ihre Winterpause bis zum ersten April ein. Familienfeiern und Friseurtermine gibt es aber durchgängig.