Heimenkirch

Künstlerinnen im spielerischen Austausch

Ausstellung Claudia Vogel und Cordula Haasis haben einander über Monate hinweg Stichworte zugeworfen – und sind dann kreativ geworden. Das Ergebnis des Dialogs überraschte beide
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Von Ingrid Grohe
24.09.2019 | Stand: 15:02 Uhr

Cordula Haasis und Claudia Vogel verbindet einiges. Die Frauen sind gleich alt (Jahrgang 1971), beide haben gleichzeitig an der Kunstakademie Stuttgart studiert. Und seither pflegen sie eine enge Freundschaft, obwohl es sie an verschiedene Orte verschlagen hat: Haasis lebt in Scheidegg, Vogel in Luzern (Schweiz). Im Heimenkircher Atelier K4 ist nun in einer Ausstellung zu sehen, wie fruchtbar künstlerischer Austausch auch über Distanz sein kann.

Gut ein Jahr lang haben die Künstlerinnen an dieser Schau gearbeitet. Sie entstand in einer Art Ping-Pong-Spiel: Am Anfang jedes Monats schickte eine der anderen ein Schlagwort – und beide wurden anhand des Begriffs schöpferisch tätig. Darüber, wie die jeweils andere die wechselweise gegebenen verbalen Impulse verarbeitete, tauschten sie sich nicht aus – bis eine Woche vor der Ausstellungseröffnung in Heimenkirch. Im Atelier K4 trafen die Werkpaare nun aufeinander. In den großzügigen Räumen sind sie nun – je nachdem, wie gut sie korrespondieren – nah beieinander oder mit etwas Abstand präsentiert.

Die Konstante der Ausstellung ist Cordula Haasis, die konsequent bei einem Medium bleibt: Sie zeichnet mit dem Finger am Handy und schafft daraus mithilfe der Möglichkeiten eines „einfachen Programms“, wie sie sagt, Bilder, die sie dann auf verschiedene Trägerflächen druckt. Claudia Vogel dagegen experimentiert gerne mit unterschiedlichen Techniken, Objekten oder auch sinnlichen Effekten wie Düften. Beide setzen die Wortanstöße hintersinnig und witzig um.

Zu einer „Weinprobe“ etwa zeichnet Cordula Haasis einen kopflosen Körper (bei genauem Hinsehen als Glas zu erkennen), der einen Chor von Flaschen dirigiert. Claudia Vogel bietet einen kleinen, schwarz lackierten Trichter an, bei dem ein Zettel den Betrachter auffordert: „Trichter abheben und riechen.“ Darunter verbirgt sich ein mit Rotwein getränkter Korken. Der Besuch dieser Ausstellung ist ein anregendes Vergnügen.