Urlaub

Kompliziert und heiß diskutiert: Ein Wohnmobilstellplatz in Neuhaus im Westallgäu?

Der Gasthof „Zum Rössle“„in Neuhaus gehört zu den alt eingesessenen Betrieben im Westallgäu. Im Gespräch ist eine Nutzung als Frühstückspension mit angegliedertem Wohnmobilstellplatz. Aktuell vermietet das Rössle Ferienwohnungen. Die Wohnmobilstellplätze sind in Richtung Bremenried (Weiler-Simmerberg) geplant.

Der Gasthof „Zum Rössle“„in Neuhaus gehört zu den alt eingesessenen Betrieben im Westallgäu. Im Gespräch ist eine Nutzung als Frühstückspension mit angegliedertem Wohnmobilstellplatz. Aktuell vermietet das Rössle Ferienwohnungen. Die Wohnmobilstellplätze sind in Richtung Bremenried (Weiler-Simmerberg) geplant.

Bild: Stefanie Gronostay

Der Gasthof „Zum Rössle“„in Neuhaus gehört zu den alt eingesessenen Betrieben im Westallgäu. Im Gespräch ist eine Nutzung als Frühstückspension mit angegliedertem Wohnmobilstellplatz. Aktuell vermietet das Rössle Ferienwohnungen. Die Wohnmobilstellplätze sind in Richtung Bremenried (Weiler-Simmerberg) geplant.

Bild: Stefanie Gronostay

Betreiber eines Gasthofes planen elf Stellplätze. Viele lehnen es ab - doch die Mehrheit des Gemeinderates stimmt zu.
27.12.2020 | Stand: 18:04 Uhr

Der Urlaub mit Wohnmobilen boomt. Binnen weniger Jahre ist die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge in Deutschland um 50 Prozent gestiegen. Parallel nimmt die Nachfrage nach Stellplätzen zu. Aktuell gibt es Pläne für vier entsprechende Vorhaben im Landkreis. Mit einem hat sich der Gemeinderat Scheidegg beschäftigt. Er hat eine Bauvoranfrage für den Bau von elf Stellplätzen im Ortsteil Neuhaus gegen vier Stimmen gut geheißen.

Das Vorhaben in Neuhaus ist baurechtlich kompliziert

Hintergrund ist ein Generationswechsel beim Gasthof Rössle. Die Familie hat sich unterstützt von der Marktgemeinde Gedanken gemacht, wie das Haus weiterbetrieben werden könnte. Die Idee ist eine Frühstückspension mit angegliederten Stellplätzen für Wohnmobile. Beantragt sind elf Stück. „Die Infrastruktur ist da“, sagte Bürgermeister Uli Pfanner. Neben Sanitäranlagen und Gasträumen würde der Gasthof auch eine Art Notunterkunft für heftige Unwetter bieten. Baurechtlich ist das Vorhaben allerdings nicht ganz unkompliziert: die Fläche die genutzt werden soll, befindet sich etwa zu einem Drittel im Außenbereich.

Die Meinungen über das Vorhaben gehen auseinander. Bürgermeister und Verwaltung halten die Lösung für vertretbar. Es sei sinnvoll, wenn der Gasthof weiter touristisch genutzt werden könne, sagte Uli Pfanner. Zudem müsse die steigende Zahl an Wohnmobilen irgendwo abgestellt werden können. Dagegen lehnen die allermeisten Bewohner von Neuhaus die Wohnmobilstellplätze ab und haben bei der Gemeinde entsprechende Einwände formuliert. Die Dorfgemeinschaft habe von so einem Projekt nur Nachteile.

Scheidegg profitiert davon nicht - sagen Anwohner

Und auch der Hauptort profitiere nicht davon, argumentieren die Anwohner. Die Wohnmobilfahrer würden sich an der wenig attraktiven Stelle nicht länger aufhalten, sondern Neuhaus nur für Zwischenstopps nutzen. Gegen das Vorhaben sprechen sich laut Pfanner auch der Ortsheimatpfleger aus, der um das Ortsbild fürchtet, und der Bund Naturschutz.

Auch im Gemeinderat gehen die Meinungen auseinander. Christian Reith verwies auf die stark gestiegene Zahl an Fahrzeugen. „Wenn wir nichts tun, stehen die Wohnmobile überall rum, auch dort, wo wir sie überhaupt nicht haben wollen.“ Die bisher gut gehende Gaststätte mit Biergarten stelle sicher eine größere Verkehrsbelastung dar als ein Wohnmobilstellplatz. Reith verwies zudem auf mögliche andere Nutzungen der Immobilie. Wenn ein Investor das Gebäude erwerbe, „haben wir eine Riesenwohnbebauung mit vielleicht 35 Pkw-Stellplätzen“. Ganz unberechtigt ist die Sorge offenbar nicht. Vor einiger Zeit lag bereits eine Voranfrage für ein Mehrfamilienhaus auf dem Gelände vor.

Meinungen im Gemeinderat gehen auseinander

Zu einem „großen Teil nachvollziehen“ kann dagegen Thomas Heim die Bedenken. Neuhaus sei ein Ort mit einer gewachsenen Struktur. Die Anlage würde mitten in den Ort kommen, eine Vergrößerung sei auch nicht auszuschließen. Für den Scheffauer Gemeinderat stellt sich die Frage, „ob wir generell solche Plätze im Außenbereich wollen“. Damit fördere die Gemeinde eine Zersiedelung. Heim fürchtet zudem zusätzlichen Verkehr, weil der Hauptort von Neuhaus aus kaum zu Fuß oder dem Rad zu erreichen sei.

Dieses Problem sehen freilich nicht alle Räte. Christian Schorer verwies auf den geplanten Zwei-Stunden-Takt der Buslinie über Neuhaus weiter nach Scheffau und Scheidegg. Als Anwohner sehe man ein solches Vorhaben vor der eigenen Haustür sicher kritischer. Allerdings stelle sich für die Gemeinde die Frage, wo sie einen Wohnmobilstellplatz anbieten könne. „Es soll nicht im Außenbereich sein, aber auch nicht im Innenbereich.“

Schön- oder Wirtschaftlichkeit darf keine Rolle spielen

Beurteilen sollte der Gemeinderat ausschließlich baurechtliche Fragen. Ob die geplante Anlage schön oder wirtschaftlich erfolgreich sei, dürfe bei der Beurteilung einer Bauvoranfrage keine Rolle spielen, erklärte der geschäftsleitende Beamte Jürgen Hörmann. Die Mehrheit der Räte stimmte dem Projekt dann auch zu. Umgesetzt werden kann es damit allerdings noch nicht. Entscheiden über das Vorhaben wird das Landratsamt. Sollte das einen Bebauungsplan als Voraussetzung für die Anlage fordern, scheitert das Projekt: ein Bauleitverfahren sei „wohl nicht sinnvoll für so ein Vorhaben“, so Uli Pfanner.

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